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Zur Schmierung von EPDM-Dichtungen haben sich Spezialschmierstoffe auf Silikonölbasis mit PFTE bewährt. Zwei Schmierstoffe, Paraliq GTE 703 und Klüberfood NH1 87-703 Hygienic, sind vom Forschungszentrum Weihenstephan für Brau- und Lebensmittelqualität auf Herz und Nieren geprüft worden. Die Stabilität des Schaumes, als wichtiges Qualitätsmerkmal für Bier, kann durch Spuren von Fremdstoffen gestört werden. Diese Beeinträchtigung wird mithilfe eines optoelektronischen Messverfahrens nachgewiesen. Beide getesteten PFTE-Schmierstoffe zeigten keine Auswirkungen auf den Schaum und können daher ohne Bedenken in Schankarmaturen, Fassfüllorganen und Füller-Einlaufarmaturen eingesetzt werden.
Fette lassen EPDM quellen
In Molkereien stellen die fetthaltigen Medien ganz andere Anforderungen. EPDM ist als Dichtungswerkstoff zwar nicht generell ausgeschlossen, jedoch muss die Auswahl, je nach Fettkonzentration und zugehöriger Temperatur, mit Bedacht getroffen werden. In sehr fetthaltigem Umfeld quillt EPDM schon bei geringer Temperatur. Je niedriger der Fettgehalt des Produktes, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine EPDM-Dichtung in Frage kommt. Ein weiterer Aspekt in der Milchindustrie ist die intensive Reinigung. Um Fett- und Proteinreste rückstandsfrei aus den Rohrleitungen zu entfernen, ist der Laugen-Reinigungsprozess höher konzentriert und temperiert als in anderen Branchen. Auch der Dampfsterilisierzyklus ist länger als beispielsweise in Brauereien.
Um allen Anforderungen gerecht zu werden, empfiehlt sich hier die Verwendung eines Dichtungsmaterials, welches sich durch eine breit angelegte chemische Beständigkeit auszeichnet – Fluoroprene XP.
Spezialeinsatz Aromen
Noch anspruchsvoller sind Anwendungen, in denen Aromen zum Einsatz kommen, wie es beispielsweise bei Mischgetränken der Fall ist. Die eng ausgelegten Nuten hygienisch designter Anlagen lassen nur geringe Volumenausdehnungen des Dichtungsmaterials zu, sodass im Beisein etherischer Öle gegebenenfalls auf inerte Produkte zurückgegriffen werden muss. Dies ist auf der Schmierstoff-Seite Barrierta und auf der Elastomer-Seite Fluoroprene oder Simriz (FFKM). Bei den genannten Produkten handelt es sich um perfluorierte bzw. hoch fluorierte Systeme, die sich chemisch nur schwer angreifen lassen.
In manchen Anwendungen muss auf diese High-End-Produkte zurückgegriffen werden, weil Prozessmedien und -parameter für günstigere Produkte zu aggressiv oder die herzustellenden Produkte zu empfindlich und hochwertig sind. Ein beträchtlich verlängertes Wartungsintervall und die damit deutlich höhere Produktivität machen diese Entscheidung insgesamt für eine Anlage lohnenswert.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass Anlagenbauer und -betreiber dem lange vernachlässigten Thema „Lube and Seal“ heute deutlich mehr Aufmerksamkeit schenken. Für Produktionsanlagen im reinen Lebensmittelbereich lassen sich die genannten Kriterien zur Wahl des für jeden Anwendungsfall am Besten geeigneten Duos aus Dichtung und Schmierstoff übertragen.
* C. Riebesell ist Anwendungsingenieurin bei Freudenberg Process Seals GmbH & Co. KG; J. Fett-Schudnagis Marktmanager Gummi- und Kunststoffindustrie, Klüber Lubrication München SE & Co. KG. E-Mail-Kontakt: christine.riebesell@fst.com
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