Exklusiv-Interview mit Lorenz Bohle

„Der Markt entscheidet, ob eine Maschine gekauft wird“

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Sie haben mit dem Bohle Uni Cone BUC-Verfahren einen Coup gelandet, der das klassische Wursterverfahren in den Schatten stellt.

Bohle: Da ist uns ein sehr schöner Erfolg gelungen. Wir arbeiten seit zehn Jahren an der Entwicklung und haben nun das aus den USA kommende klassische Verfahren, das 55 Jahre lang auf dem europäischen und internationalen Markt existiert, technologisch und qualitativ überflügelt. Beim Wursterverfahren ist viel Gottvertrauen mit im Spiel, Einstellparameter sind kaum berechenbar und müssen in langwierigen Tests für jedes Produkt neu erprobt werden. Wir haben mit zwei wesentlichen Ideen das neue Verfahren entwickelt. Ein schräger Boden und eine kegelförmige Spitze in der Mitte sorgen für eine gleichmäßige Verwirbelung des Produkts. Gleichzeitig wird die Coating-Substanz durch seitliche Düsen eingesprüht. Wir erreichen damit eine bisher nicht mögliche Uniformität der Beschichtung. Unsere Kunden können durch dieses Verfahren auch aktive Substanzen mit höchster Präzision auf ihre Produkte auftragen. Die Verluste liegen selbst bei sehr aufwändigen Prozessen unter einem Prozent.

In den vergangenen drei Jahren haben Sie 11 Millionen Euro investiert und die Fertigungskapazitäten verdoppelt. Was kommt nun?

Bohle: Gebäudetechnisch haben wir eine Menge getan. Jetzt müssen wir mit der Maschinentechnik nachziehen. Wir wollen den Markt nicht nur mit effizienten, sondern auch mit preiswerteren Maschinen bedienen und das bei kürzerer Lieferzeit. Wir müssen auch in Europa mit einem Markteintritt der Asiaten rechnen und dagegen hilft nur mehr Automation und schnellere Fertigung.

Mit welchen Maßnahmen wollen Sie die Lieferzeiten verkürzen?

Bohle: In dem im letzten Jahr fertiggestellten Werk werden wir Lean Production betreiben. Wir wollen stark auf Rationalisierung setzen und auch auf Zulieferer. Momentan fertigen wir 80 % selbst, das ist zu viel. Viele Peripheriegeräte wie CIP-Anlagen stellen wir selbst her. Das können andere auch, nach dem entsprechenden Training von uns. Nur das Kern-Know-how muss im Werk bleiben.

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zur Person:
Lorenz Bohle

Vor seinem Sprung in die Selbstständigkeit im Jahr 1981 hat Lorenz Bohle sechs Jahre lang als Ingenieur bei den Akkumulatorenwerke in Hoppeke gearbeitet. Danach war er neun Jahre lang technischer Leiter des Pharmazeutischen Lohnherstellers Rottendorf in Ennigerloh. Er hat an der Staatlichen Ingenieursschule in Kassel Maschinenbau mit Fachrichtung Fertigungstechnik studiert. In seiner Freizeit widmet sich Lorenz Bohle seinem Hobby, der Jagd.

* Das Gespräch führte Anke Geipel-Kern, Stellvertretende Chefredakteurin PharmaTEC.

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