Exklusiv-Interview mit Lorenz Bohle

„Der Markt entscheidet, ob eine Maschine gekauft wird“

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Wie war der Einstieg?

Bohle: Natürlich war das ein schweres Unterfangen. Es gab ja am Anfang nur eine einzige Maschine und wenn Aufträge kamen, mussten wir Fremdfertigen lassen. Wir hatten lediglich ein Büro in einer ehemaligen Maschinenfabrik und ein kleines Labor für Testversuche gemietet. Meine Frau übernahm das Sekretariat und mein jetziger Betriebsleiter war auch schon mit dabei. Ich selbst habe die Hälfte der Zeit gezeichnet und konstruiert, die andere Hälfte war ich als Verkäufer beim Kunden unterwegs. Unser Plan war, erst genügend Substanz aufzubauen und Referenzen zu haben. Erst dann wollten wir kaufen oder bauen.

Und dann kam mit Bayer der erste große Referenzkunde.

Bohle: Nach drei Jahren bekamen wir eine große Chance. Wir modernisierten bei Bayer in Leverkusen die Penicillinfertigung und hatten damit den ersten großen Pharmakunden. Das war der Grundpfeiler des Geschäfts und für mich der Beweis, meine Ideen kommen auch bei anderen an. 1986 haben wir dann die erste Fertigung gebaut und verzeichneten einen Riesenwachstumsschub. In den kommenden sieben Jahren konnten wir unseren Umsatz um 50 % steigern.

Sie haben mittlerweile 44 Patente angemeldet. Wo kommen die Ideen her?

Bohle: Ideen entwickeln sich nur über Analysen und harte Arbeit. Und Teamarbeit ist sehr wichtig. Den Einstieg in die neue Coatertechnologie beispielsweise haben wir in drei Monaten geschafft, indem wir ein interdiziplinäres Team gebildet haben, das sich alle 14 Tage getroffen und nach Lösungen gesucht hat. Aber letztlich entscheidet der Markt dann, ob eine Maschine gekauft wird. Wir haben auch schon Entwicklungen gepusht, für die der Markt noch nicht reif war.

Sie meinen die kontinuierliche Produktion.

Bohle: Wir haben schon früh einzelne Prozessschritte für die Kontiproduktion entwickelt, aber jetzt erst sehen wir, dass der Markt sich öffnet. Deshalb arbeiten wir jetzt an einer kompletten Produktionskette – angefangen von der automatischen Einwaage über die Granulation bis zur Tablettenpresse. In unserem neuen Test-, Entwicklungs- und Präsentationszentrum werden wir gemeinsam mit den Universitäten Düsseldorf und Graz sowie den Mess-, Steuerungs- und Prozess-Experten von Siemens dieses Vorhaben vorantreiben. Das Wesentliche dabei ist, dass wir die Prozessführung in Absprache mit der FDA schon vorher definiert haben, sodass der Endkunde nicht mehr in diese Genehmigungsgespräche treten muss und schneller produzieren kann.

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zur Person:
Lorenz Bohle

Vor seinem Sprung in die Selbstständigkeit im Jahr 1981 hat Lorenz Bohle sechs Jahre lang als Ingenieur bei den Akkumulatorenwerke in Hoppeke gearbeitet. Danach war er neun Jahre lang technischer Leiter des Pharmazeutischen Lohnherstellers Rottendorf in Ennigerloh. Er hat an der Staatlichen Ingenieursschule in Kassel Maschinenbau mit Fachrichtung Fertigungstechnik studiert. In seiner Freizeit widmet sich Lorenz Bohle seinem Hobby, der Jagd.

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