Mit Plasmatechnologie will das Stuttgarter Start-up Cyclize schwer verwertbare Abfälle verwerten und damit eine Alternative zu fossilem Erdgas für die Chemieproduktion erschließen. Der frühere Covestro-Technologievorstand Klaus Schäfer übernimmt die industrielle Skalierung der Technologie.
Gründerteam von Cyclize an der Pilotanlage in Stuttgart (vlnr): Domnik Novakovic (CFO), Maike Lambart (CEO), Jan Stein (COO), Dr. Stephan Renninger (CTO)
(Bild: Jens Volle / Cyclize)
Das Stuttgarter Deeptech-Start-up Cyclize stellt die Weichen für die großtechnische Ablösung von fossilem Erdgas in der Chemieproduktion. Dr. Klaus Schäfer, von 2015 bis 2023 Technologievorstand bei Covestro, ist seit dem 1. Oktober 2026 Chief Industrialization Officer von Cyclize. Schäfer, der das Unternehmen seit der Seed-Finanzierung 2024 als Investor und Beiratsvorsitzender begleitet, übernimmt damit die direkte Verantwortung für die Integration der Technologie in europäische Chemieparks. Seine Funktion als Beiratsvorsitzender behält er bei.
Der frühere Covestro-Technologievorstand Dr. Klaus Schäfer übernimmt als Chief Industrialization Officer die Verantwortung für die Großanlagen-Skalierung beim Stuttgarter Deeptech-Unternehmen Cyclize.
(Bild: Covestro / Dr. Klaus Schäfer)
Unabhängigkeit von Erdgas
Ob Kunststoffe, Pharmavorprodukte, Textilien oder Automobilkomponenten: Der Großteil der europäischen Industrie basiert auf der chemischen Weiterverarbeitung von Erdgas als zentralem Kohlenstoff-Rohstoff. Hohe Energie- und Rohstoffpreise sowie die geopolitische Unsicherheit bei Importen setzen die Standorte in Europa zunehmend unter Druck.
Cyclize will dieses Kernproblem mit einer industriellen Lösung adressieren: Mithilfe einer patentierten Plasmatechnologie wandelt das Unternehmen schwer verwertbare Industrie- und Plastikabfälle in genau die chemischen Grundbausteine um, die bislang teuer aus Erdgas gewonnen werden. Das Verfahren ersetzt fossile Importe direkt am Anfang der Wertschöpfungskette und sichert Chemiekonzernen die notwendige Rohstoff-Resilienz, ist das Unternehmen überzeugt.
Die Umsetzbarkeit im Industrieumfeld ist bereits belegt: Auf dem Gelände der PCK Raffinerie in Schwedt läuft eine containerisierte Plasmaanlage im Dauertestbetrieb. Gemeinsam mit Siemens hat Cyclize zudem ein modulares Energiesystem entwickelt, das Strom aus dem Mittelspannungsnetz in die Plasmareaktoren bringt. Die von Cyclize entwickelten Plasmatreiber erreichen dabei einen Wirkungsgrad von bis zu 98 %.
Erprobter Erdgas-Ersatz vor dem Schritt in die Chemieparks
Dass die Industrie nach solchen Lösungen sucht, zeigt die kommerzielle Nachfrage im Labor- und Pilotmaßstab: Cyclize hat im Kundenauftrag bereits für 20 unterschiedliche industrielle Abfallströme die Eignung als Rohstoffersatz nachgewiesen. Derzeit laufen die Planungen für den Bau der ersten kommerziellen Großanlage (First-of-a-Kind / FOAK) an einem deutschen Chemiestandort – der zentrale Meilenstein zur Skalierung.
„Die europäische Chemieindustrie steht vor einer historischen Restrukturierung. Wir müssen uns von der Abhängigkeit von importiertem Erdgas emanzipieren, wenn wir wettbewerbsfähig bleiben wollen“, erklärt Dr. Klaus Schäfer, Chief Industrialization Officer von Cyclize. „Cyclize bietet der Industrie eine marktreife Alternative: Wir nutzen lokale Abfallströme als Rohstoffquelle und sichern so die Zukunftsfähigkeit unserer Chemiestandorte. Ich bringe meine Erfahrung aus 30 Jahren in der Chemischen Industrie ein, um diese Technologie schnell und verlässlich in großtechnische Anlagen zu übersetzen.“
„Der Sprung aus dem Pilotbetrieb in den Chemiepark entscheidet über den kommerziellen Durchbruch eines Deeptech-Start-ups“, betont Maike Lambarth, Mitgründerin und CEO von Cyclize. „Klaus Schäfer begleitet unser Unternehmen seit der ersten Finanzierungsrunde, er hat Chemieproduktion verantwortet, einen der größten Chemieparks Deutschlands geführt und weiß, was eine neue Technologie braucht, um dort anzukommen.“
Erfolgreiche Finanzierung
Die Förderung durch das Programm „Exist Forschungstransfer“ legte den Grundstein für die Gründung des Unternehmens 2023. Dem schloss sich 2024 eine überzeichnete Seed-Runde an, die mit knapp fünf Millionen Euro den Gründenden die Möglichkeit gab, sowohl den Piloten im Technikum Stuttgart zu bauen, als auch ein inzwischen 20-köpfiges Team mit großer technischer Expertise aufzubauen.
Die Seed-Runde wurde angeführt von UVC Partners, begleitet von Aurum Impact, High-Tech Gründerfonds (HTGF) und Unternehmer-Tum Funding for Innovators. Zusätzlich sind Angel Investoren im Unternehmen investiert.
Stand: 08.12.2025
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„Dr. Schäfer hat für einen Weltkonzern international Produktionsstandorte verantwortet und weiß genau, wie eine Chemieanlage aufgesetzt sein muss, damit sie den hohen Anforderungen der Industrie gerecht wird. Dass er sich bei Cyclize operativ engagiert, zeigt das Potential von Cyclize für die Industrie. Die außerordentlich gute Zusammenarbeit im Board weiß ich sehr zu schätzen und freue mich nun über sein operatives Engagement bei Cyclize." Amanda Birkenholz, Partnerin bei UVC Partners.
UVC Partners ist ein etablierter Deeptech Investor mit über 800 Millionen Euro AUM und hat die Seed Runde in Cyclize angeführt.