Exportschlager Chemiepark

Chemieparks: Wohin geht die Reise?

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Andere Betreibergesellschafften bauen ihr Portfolio aus und nehmen über die Chemie hinaus andere Branchen ins Visier. Infraserv Knapsack beispielsweise will mit Dienstleistungen in Anlagenplanung und -bau sowie im Anlagenservice und Standortbetrieb für Wachstum sorgen. Auf der jüngsten Jahrespressekonferenz konnte Helmut Weihers, Geschäftsleiter von Infraserv Knapsack auch bereits erste Erfolge verkünden: z.B. das Maincontracting bei der Deutschen Infineum im Kölner Norden und den Schaltschrankbau für den Tagebau bei RWE Power.

Abnahme von Nebenprodukten trägt zur Kostensenkung bei

Ein wichtiger Pluspunkt ist der Stoffverbund innerhalb des Standortes. Deshalb tragen neben dem Verbundsystem, in dem die Wertstoff- und Nebenproduktströme wie die Teilchen eines Puzzles in einander passen auch die Standortfirmen selbst zur Attraktivität eines Industrieparks bei. Vor allem wenn sie Nebenprodukte abnehmen, die bisher ungenutzt waren und damit helfen, Kosten zu senken. Zwar können sich nicht alle Chemieparkbetreiber den Luxus des Dow Valuepark leisten, die nur Neuansiedlungen zulassen, wenn diese die Wertschöpfungskette der Kunststoffproduktion erweitern, aber ein gewisses Maß an Lenkung ist schon erwünscht.

Eine echte Bereicherung ist für Gendorf etwa die Neuansiedlung von Linde Gas. Gleich zwei Anlagen hat der Gasehersteller gebaut: eine Stickstoffverflüssigung sowie eine Anlage zur Reinigung und Verflüssigung von Kohlendioxid. „Mit beiden Anlagen können unter Anwendung gleicher Technologie bisher nicht genutzte Nebenprodukte des Industrieparks erfolgreich vermarktet werden. Dies bedeutet zugleich eine deutliche Verbesserung der Energieeffizienz und gleichzeitig eine Verringerung unserer Kohlendioxidemissionen“ erklärt Langhammer. Besondere Bedeutung hat auch die Neuansiedlung von W. L. Gore & Associates, das derzeit eine Anlage zur Herstellung von Fluorpolymeren aufbaut.

Strategische Partnerschaften im Trend

Auch das Verhältnis von Betreibergesellschaft und Standortfirmen hat sich gewandelt und trägt zur Profilbildung mit bei. Wurden früher eher Einzelgewerke beauftragt, geht der Trend gerade bei der Abnahme von Instandhaltungsdienstleistungen in Richtung strategischer Partnerschaften, bei denen sich beide Partner über einer längeren Zeitraum binden und klar kommunizierte Ziele verfolgen. Auch in Gendorf spürt Langhammer diesen Trend. Dies setze aber voraus, dass der Dienstleistungspartner wirklichen Mehrwert bieten könne.

Nicht erst seit der Diskussion um die Energiewende großes Thema: die Energieversorgung und die Strompreise, die viele Betreiberfirmen gegenüber den europäischen Nachbarn mittlerweile als Standortnachteil empfinden. Status quo sind Kraftwärme-Kopplungs-Anlagen, die einen bislang unübertroffenen Wirkungsgrad haben. Und die große Mehrheit der von PROCESS befragten Standorte plant in diesem Bereich Investitionen, um für die Zukunft gerüstet zu sein.

* Die Autorin ist Redakteurin der PROCESS.

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