Newsticker März: Aktuelles aus der ProzessindustrieBASF investiert in Kanada +++ Pharmakonzern R-Pharm pleite +++ Agrofert plant Millioneninvestition in Wittenberg
Im ständig aktuellen Newsticker fasst die PROCESS-Redaktion das Geschehen in der Branche kompakt zusammen. Ob Chemie-, Pharma-, oder Lebensmittelindustrie, alle verfahrenstechnischen Themen werden – ebenso wie politische und wirtschaftliche Nachrichten zur Prozessindustrie – zusammengefasst.
Ludwigshafen (dpa/lrs) *17:39 Uhr – BASF investiert 17 Millionen Euro in Raps-Züchtung in Kanada
BASF investiert 17 Millionen Euro in den Ausbau von Rapszüchtung in Kanada. Wie der Chemiekonzern mitteilte, soll die Investition innerhalb der Agrarsparte des Unternehmens in das «Canola Breeding Centre of Innovation» in Saskatoon, Kanada, fließen. Damit will BASF seine Marktführung in der Züchtung der speziellen Rapssorte «Canola» ausbauen.
Die neue Anlage soll den Angaben zufolge die Züchtungskapazitäten erweitern, moderne Technologien integrieren und somit die Entwicklung von Sorten mit verbesserten Eigenschaften beschleunigen. Mit dem Unternehmensbereich «BASF Agricultural Solutions» entwickelt und vertreibt der Chemiekonzern weltweit Produkte und digitale Lösungen für die Landwirtschaft.
Mainz/Berlin (dpa/lrs) *16:36 Uhr – Schweitzer fordert von Merz mehr Engagement für Chemiedialog
Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) hat von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) mehr Engagement für die Chemiebranche auf Bundesebene gefordert. Obwohl Deutschland laut Koalitionsvertrag innovativster Standort für Chemie, Pharma und Biotechnologie in ganz Europa werden wolle, sei in dem Chemiedialog «irgendwie kein Zug drinne», sagte Schweitzer in Mainz nach einem Gespräch mit Vertretern der Gewerkschaft IG BCE und der Chemieverbände.
«Ich habe das als Auftrag genommen, ein Schreiben an unseren Kanzler zu richten, mit der Bitte, diesen Chemiedialog jetzt mit großer Entschlossenheit anzupacken», berichtete Schweitzer. «Die Themen, die da besprochen werden müssten, werden eher jeden Tag mehr, als dass sie sich von alleine auflösen», sagte der stellvertretende SPD-Bundeschef.
«Der Industriestrompreis ist immer noch nicht da. Da bin ich inzwischen fassungslos.» Dieser sei auch in der Bundesregierung schon lange Konsens. «Ich habe den Eindruck, da stimmt die Prioritätensetzung nicht.»
Die Vertreter der chemischen Industrie sähen eine Riesenherausforderung darin, dass die Lieferketten infolge des Iran-Kriegs unterbrochen seien. Die Baustoffindustrie leide unter steigenden Preisen etwa für Grundstoffe. «Das ist angesichts der Tatsache, dass wir vor historischen Investitionsvolumina stehen in Deutschland natürlich einfach frappierend», sagte Schweitzer.
Schweitzer warf Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) vor, sie habe sich nach dem Preisschock an den Tanksäulen zu lange zurückgehalten. Pendler und die Handwerksbetriebe in Deutschland hätten - mit Blick auf die nicht so stark gestiegenen Spritpreise in Nachbarländern - dafür «einen verdammt hohen Preis» bezahlt.
Illertissen (dpa) *15:26 Uhr – Deutsche Tochter des Moskauer Pharmakonzerns R-Pharm pleite
Die deutsche Tochter des russischen Medikamentenherstellers R-Pharm hat Insolvenz angemeldet. Hauptgrund sind nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters Markus Fröhlich die im Zuge des Ukraine-Kriegs verhängten Sanktionen der EU und die russischen Gegenmaßnahmen, die Kunden und Geschäftspartner verunsichert und sich negativ auf die Geschäftsentwicklung ausgewirkt hätten. Die in Illertissen im bayerischen Teil des Allgäu ansässige R-Pharm Germany hat 300 Mitarbeiter, der Betrieb läuft nach Angaben des Anwalts eingeschränkt weiter. Fröhlich hofft auf einen Investor, der das Unternehmen übernehmen könnte.
Das Unternehmen hat eine lange Historie: 1860 wurde die Produktion in Illertissen vom Ulmer Unternehmer Heinrich Mack eröffnet, in den ersten Jahrzehnten stellte die Fabrik Seife und Drogerieartikel her - bekanntestes Produkt war das noch in der Nachkriegszeit weit verbreitete «Kaiser Borax». Anfang der 1970er Jahre übernahm der US-Pharmakonzern Pfizer den Standort, 2014 dann R-Pharm.
Heute vertreibt das Unternehmen nach Angaben auf der Firmenwebseite Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel an 150 Kunden rund um die Welt. «Das sind grundsätzlich gute Voraussetzungen für eine Sanierung, wenngleich die Ausgangssituation sicherlich nicht einfach ist», schrieb der vorläufige Insolvenzverwalter. In der Mitteilung des Juristen war auch die Gewerkschaft IG BCE zitiert, derzufolge die beiderseitigen Sanktionen dazu führten, dass es keinen gesicherten Geldfluss der in Moskau sitzenden Muttergesellschaft nach Illertissen mehr gab. Während der Corona-Pandemie wollte R-Pharm in Illertissen eigentlich eine Produktion des russischen Impfstoffs Sputnik aufbauen, doch die Pläne zerschlugen sich.
Stand: 08.12.2025
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Prag/Wittenberg (dpa/sa) *14:46 Uhr – Agrofert plant Millioneninvestition in Wittenberg
Der tschechische Konzern Agrofert plant Millioneninvestitionen im Agro-Chemie Park Piesteritz in Lutherstadt Wittenberg. In diesem Jahr sollen rund 50 Millionen Euro für Projekte der SKW Stickstoffwerke Piesteritz ausgegeben werden, außerdem soll der zum Konzern gehörende Backwarenhersteller Lieken 70 Millionen Euro bekommen, um seine Produktionskapazitäten auszubauen, teilte die Staatskanzlei mit. Die erste Auslandsreise von Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) führte nach Prag. Dort trafen er und eine Wirtschaftsdelegation die Agrofert-Geschäftsführung.
Das Unternehmen hat den Angaben nach seit 2005 mehr als 1,6 Milliarden Euro in seinen Standort in Wittenberg investiert. Im Agro-Chemie Park Piesteritz arbeiteten rund 2.500 Menschen, darüber hinaus hingen etwa 10.000 Jobs in der Region von dem Standort ab.
Agrofert ist Gesellschafter der SKW Stickstoffwerke Piesteritz, einem Düngemittelwerk. «Unser Ziel ist klar: Wir müssen die Grundstoffchemie in Sachsen-Anhalt erhalten und gleichzeitig Rahmenbedingungen für neue Investitionen ermöglichen», erklärte Ministerpräsident Schulze.
Frankfurt am Main (ots) *09:51 Uhr – Kunststofferzeugung sinkt 2025 um 4,5 Prozent / Branche warnt vor Dominoeffekt
Die deutsche Kunststofferzeugung steckt weiterhin in der Krise. 2025 entwickelten sich alle zentralen wirtschaftlichen Kennzahlen der deutschen Kunststofferzeugung negativ: Die Produktion sank um 4,5 Prozent, der Umsatz um 7,6 Prozent auf 24,6 Milliarden Euro, die Exporte um 5,5 Prozent.
Ursachen waren die schwache Konjunktur und die damit verbundene geringere Nachfrage, zunehmender Wettbewerb aus dem Ausland sowie anhaltende Handelskonflikte. Unter anderem war die Umlenkung von chinesischen Produkten, die ursprünglich für den US-amerikanischen Markt vorgesehen waren, nach Europa deutlich sichtbar.
Seit Beginn der Energiekrise 2022 summiert sich der Produktionsrückgang der Kunststofferzeuger in Deutschland auf mehr als 26 Prozent, während die weltweite Nachfrage nach Kunststoffen weiter gestiegen ist. Das teilte Plastics Europe Deutschland, der Verband der Kunststofferzeuger, auf seiner Wirtschaftspressekonferenz mit.
Die enge Verzahnung der Wertschöpfungskette ist bislang ein zentraler Standortvorteil Deutschlands: kurze Wege zwischen Forschung und Industrie, hochqualifizierte Fachkräfte und die Nähe zu Schlüsselbranchen.
Daher träfen die Folgen der Krise in der Kunststoff- und Chemieindustrie weit mehr als nur eine Branche, erklärt Dr. Ralf Düssel, Vorstandsvorsitzender von Plastics Europe Deutschland. «In Chemieparks gibt es kein Rosinenpicken. Rohstoffe, Energie, Dampf und Infrastruktur sind standortübergreifend kalkuliert.» Man könne nicht einzelne Anlagen herausnehmen und glauben, der Rest funktioniere weiter. Falle ein zentraler Baustein weg, drohe ein Dominoeffekt - zunächst am Standort und dann auch für Zulieferer, Verarbeiter, Maschinenbau und andere Partner.
Für die Stabilisierung des Industriestandorts braucht es aus Sicht der Kunststofferzeuger dringende und umfassende Reformen: den Abbau verbliebener Handelsbarrieren im EU-Binnenmarkt, weniger nationale Sonderwege bei der Umsetzung europäischer Vorgaben und spürbare Entlastungen bei Energie- und Strompreisen.
Die aktuellen geopolitischen Entwicklungen führen vor Augen, wie verletzlich Europas Rohstoffversorgung ist. Deutschland und Europa sind rohstoffarm. Wer die industrielle Basis sichern wolle, müsse die Rohstoffe, die bereits im Land sind, konsequent im Kreislauf halten, so Dr. Christine Bunte, Hauptgeschäftsführerin von Plastics Europe Deutschland.
Zwar habe es zuletzt positive Impulse gegeben, doch reichten diese aus Sicht des Verbands nicht aus, um in der Kreislaufwirtschaft das nötige Tempo zu entfalten. Gleichzeitig holen andere Regionen der Welt rasch auf: China hat seine Recyclingkapazitäten innerhalb von nur zwei Jahren nahezu verdoppelt und ist bezogen auf die Menge zum weltweit größten Lieferanten von recycelten Kunststoffen aufgestiegen. Europa hat zwar noch einen Technologie- und Infrastrukturvorsprung, doch häufen sich aktuell die Insolvenzen auch bei Kunststoffrecyclern.
Der Verband betont: Marktanreize wie Recycling- und Rezyklateinsatzquoten oder Hebel wie die öffentliche Beschaffung seien unverzichtbar, um Nachfrage zu schaffen. Doch ohne einen Rahmen, der die Zielerreichung ermögliche, liefen diese Maßnahmen ins Leere. Bunte hebt in dem Zusammenhang die zentrale Bedeutung von pragmatischen und anwendbaren Massenbilanzregeln hervor.
«In beiden Bereichen - Standortsicherung und Transformation - müssen wir Pragmatismus vor Perfektion stellen,» fasst Bunte zusammen. «Nicht jede Regel muss von Beginn an vollständig ausformuliert sein. Nicht jede offene Frage lässt sich vorab klären. Wir können nicht darauf warten, dass andere langsamer werden. Wir müssen schneller werden.»
16.03.2026
Mainz (dpa/lrs) *17:20 Uhr – Nachfolge von Sahin und Türeci – Biontech schaut gen USA
Nach dem angekündigten Abschied der Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci schaut Biontech bei der Suche nach einer neuen Unternehmensführung schwerpunktmäßig über den Atlantik. Die Suche laufe international, fokussiere sich jedoch auf die Vereinigten Staaten, teilte das Biotechnologie-Unternehmen in Mainz mit. Die Stellen werden Biontech zufolge auch künftig am Firmensitz in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt sein. Zuvor hatte die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» darüber berichtet.
In der vergangenen Woche hatten Sahin und Türeci überraschend bekanntgegeben, Biontech verlassen und eine neue Firma gründen zu wollen. Die Eheleute werden demnach spätestens Ende 2026 ausscheiden. In dem neuen Unternehmen möchten sich die beiden Mediziner der Entwicklung der nächsten Generation von Medikamenten auf mRNA-Basis widmen. Anteilseigner von Biontech werden sie aber bleiben.
Sahin und Türeci hatten Biontech 2008 gegründet. In der Corona-Pandemie wurde das Unternehmen weltbekannt, weil es gemeinsam mit dem US-Partner Pfizer die erste Marktzulassung für einen Impfstoff gegen Covid-19 bekam. Dieser spülte in der Folge Milliardengewinne in die Kassen der Mainzer.