Aus dem Leben eines Auditors Abenteuer im Supermarkt

Autor / Redakteur: Karl Metzger / Anke Geipel-Kern

Corona fesselt unseren Auditor ans Haus – Für einen Auditor, dessen Wirkungskreis sonst von China über Indien bis Russland reicht, ist die Beschränkung auf die umgebende Bannmeile schwer zu ertragen. Auditoren können ihrem Hang zur Besserwisserei aber auch im Supermarkt freien Lauf lassen. Eine Selbstbeobachtung!

(Bild: Bild: ©dedMazay - stock.adobe.com; [M]Grimm)

Statt durch ostasiatische „Fake Factories“ oder hinduistische Männerwohnheime mit integrierter Zytostatikaproduktion pirsche ich jetzt im Rahmen des wöchentlichen Einkaufs durch den nächstgelegenen Supermarkt. Da ich schon geahnt habe, was mich erwarten könnte, habe ich vorher etwas Dämpfendes eingenommen und hundert Mal geschrieben: „Du hast hier keinen Bildungsauftrag.“

Dadurch verpasse ich wohl die legendären Massenschlägereien um Toilettenpapier. Bis ich im Markt erscheine, hat man dort, wo einst die Paletten mit dem mehrlagigen Blattgold standen, inzwischen Pflanzenregale aufgebaut. Wie auch immer, trotzdem ist es sehr interessant zu sehen, wie sich ein ganzes Volk plötzlich mit dem Thema Hygiene im Allgemeinen und Personalhygiene im Speziellen befasst und welche Stilblüten man dabei beobachten kann.

Es geht damit los, dass man sich einen Einkaufswagen aus dem entsprechenden Unterstand holt. Gerne liegen darin noch die benutzten Zellstofftücher oder Handschuhe der Vorbenutzer. Am Markteingang ist dann ein Zelt aufgebaut, in dem der Einkaufswagen „desinfiziert“ wird. Anschließend fasst man den nun reingewaschenen Wagen mit den gleichen Händen an wie vorher – Zeit- und Energieverschwendung.

Im Markt dann Horden von maskierten und behandschuhten Kandidaten für den „Darwin-Award“ – nur zwei Beispiele: Ein Paar mit zwei offensichtlich noch nicht schulpflichtigen Jungs; Erwachsene maskiert, Kinder nicht. Bei der rudimentär verbalen Kommunikation der Sprösslinge fliegen neben Fäusten vor allem Speichelfäden durch den Markt. Die zwei Meter Sicherheitsabstand halten nur die beiden Erwachsenen untereinander und nicht zum Rest der Kunden ein. Über drei Regale hinweg wird sich dann gegenseitig die aktualisierte Einkaufsstrategie zugebrüllt. Vorher wird natürlich der Mund-/Nasen-Schutz runtergezogen, da man sich sonst ja nicht richtig verstehen kann. Außerdem sind es wohl auch keine ­geübten Maskenträger, ständig zupfen sie an den Teilen rum.

Ein anderes Gespann (keine Masken, dafür behandschuht), vermutlich Mutter mit ihrer etwa zwölfjährigen Tochter, beide offensichtlich in der taktilen Phase ihrer Persönlichkeitsentwicklung. Da ich kurz davor war die Selbstbeherrschung zu verlieren, habe ich mir das Schauspiel keine Minute zu Gemüte geführt. In dieser Zeit haben die beiden Damen – ungelogen – jeweils mindestens zehn verschiedene Waren angefasst; das Kind hat nebenbei noch ein klebriges süßes Teilchen verzehrt und sich zwischendurch mehrfach die Finger abgeleckt.

Hoffentlich ist dieser Spuk bald vorbei. Bleiben Sie gesund – oder werden Sie es ganz schnell wieder.

Ihr Karl Metzger

P.S. Mein bisher letztes „richtiges“ Audit war vor ein paar Wochen bei einem Alkoholhersteller. Wenn ich geahnt hätte, was auf mich zukommt, hätte ich großzügig Muster gezogen – mit deren Verkauf hätte ich dann die wirtschaftlichen Folgen der derzeitigen Flaute abmildern können.

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