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Meilenstein Prozessautomatisierung

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Endress & Hauser

Exklusiv-Interview: Meilenstein Prozessautomatisierung „Wir geben dem Kunden, was er braucht“

| Autor/ Redakteur: Sabine Mühlenkamp / Dr. Jörg Kempf

Das Familienunternehmen Endress+Hauser schafft seit 65 Jahren den Balanceakt, trotz des ständigen Strebens nach Innovation die Wurzeln nicht zu vergessen. Damals wie heute geht es darum, dem Kunden zu dienen. Wie dies in den Zeiten der Digitalisierung gelingt, zeigen Günther Lukassen, Geschäftsführer bei Endress+Hauser Deutschland, und Nikolaus Krüger, Mitglied des Executive Board bei Endress+Hauser, auf.

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„Wir sind stolz, dass wir mit prominenten Kunden und starken Partnern schon eine Reihe von Industrie-4.0-Installationen vorzeigen können, die die Möglichkeiten und den Nutzen der Digitalisierung und Vernetzung vor Augen führen.“ Günther Lukassen, Geschäftsführer bei Endress+Hauser Deutschland
„Wir sind stolz, dass wir mit prominenten Kunden und starken Partnern schon eine Reihe von Industrie-4.0-Installationen vorzeigen können, die die Möglichkeiten und den Nutzen der Digitalisierung und Vernetzung vor Augen führen.“ Günther Lukassen, Geschäftsführer bei Endress+Hauser Deutschland
(Bild: Endress+Hauser)

Ein Unternehmen mit 14.000 Mitarbeitern zu führen und dennoch im Herzen Familienunternehmen zu bleiben, ist keine einfache Aufgabe. Endress+Hauser geht seit mehreren Jahrzehnten diesen Weg außerordentlich erfolgreich. Ein Erfolgsrezept ist neben der stetigen technologischen Weiterentwicklung die Tatsache, dass dem Kunden zugehört und von ihm gelernt wird. Vorangetrieben wird die Technik, die dem Anwender nachhaltig einen Nutzen bringt. Dabei geht man durchaus in Vorleistung – so wird seit 20 Jahren jedes Feldgerät von Endress+Hauser digital erfasst, also lange bevor das Stichwort Industrie 4.0 im Raum stand.

„Wir sehen uns als Vorreiter, vor allem, wenn es darum geht, die installierte Basis zu einem Teil des Internets der Dinge zu machen. Das ist prinzipiell mit neun von zehn Instrumenten machbar.“ Nikolaus Krüger, Mitglied des Executive Board bei Endress+Hauser
„Wir sehen uns als Vorreiter, vor allem, wenn es darum geht, die installierte Basis zu einem Teil des Internets der Dinge zu machen. Das ist prinzipiell mit neun von zehn Instrumenten machbar.“ Nikolaus Krüger, Mitglied des Executive Board bei Endress+Hauser
(Bild: Endress+Hauser)

PROCESS: Herr Lukassen, Herr Krüger: Was waren die Schlüsseltechnologien auf dem Weg zum globalen Anbieter von Mess- und Automatisierungslösungen?

Krüger: Es hat in der Geschichte von Endress+ Hauser immer wieder Technologien gegeben, die uns vorangebracht haben – erst die kapazitive Füllstandmesstechnik, das Vibrationsprinzip für die Grenzstanddetektion, dann Coriolis für den Durchfluss, die Memosens-Technologie in der Flüssigkeitsanalyse, jetzt das selbstkalibrierende Thermometer iTHERM TrustSens. Der eigentliche Schlüssel aber war immer, dass wir den Kunden das gegeben haben, was sie brauchen.

Lukassen: Oder, wie es unser Gründer formuliert hat: Wir dienen unseren Kunden und lernen von ihnen. Das bestimmt seit 65 Jahren unser Handeln, vom kleinen Spezialisten hin zum weltweit tätigen Lösungsanbieter – und es macht uns erfolgreich. In Deutschland sind wir der größte Anbieter. Und der deutsche Markt strahlt weit über die Grenzen hinaus, bedingt durch die vielen exportstarken Kunden von Endress+Hauser.

PROCESS: Wie beurteilen Sie die weltweite Situation von Endress+Hauser im Bereich der Prozessautomatisierung?

Krüger: Wir sind auch weltweit einer der führenden Anbieter. Unser Marktanteil ist zwar in Europa am höchsten, dafür wachsen wir in Amerika und Asien mit deutlich größerer Dynamik. Die lokale Konkurrenz ist überall stark. Aber es zahlt sich aus, dass wir weltweit in allen Wachstumsmärkten vertrieblich und vor allem im Service gut präsent sind und in den jeweiligen Regionen nach europäischen Qualitätsstandards produzieren. Streng nach dem Motto: Wo Endress+Hauser drauf steht, ist Endress+Hauser drin!

Lukassen: Hinzu kommt der Wunsch unserer international tätigen Kunden, weltweit standardisiert zu agieren. In den Angeboten, den Technologien und vielem mehr.

PROCESS: Endress+Hauser ist ein Familienunternehmen. Welche Rolle spielt dies im Unternehmensalltag?

Krüger: Eine Eigentümerfamilie denkt in Generationen, nicht in Quartalen. Das sorgt für Stabilität und gibt Kunden und Mitarbeitern Sicherheit. Wir können das Unternehmen sehr langfristig entwickeln.

Lukassen: Man spürt es auch im Miteinander. Die Überzeugung, dass loyale Beziehungen zwischen Kunden, Mitarbeitern und Gesellschaftern am Ende allen nützen, zieht sich durch alle geschäftlichen Aktivitäten – und zeigt sich in der Kultur, dem Spirit von Endress+Hauser.

PROCESS: Welche Herausforderungen in der Prozessautomatisierung müssen in den nächsten Jahren bewältigt werden?

Krüger: Vor die größte Herausforderung stellt uns sicher die Digitalisierung. Sie verändert die Welt unserer Kunden und unsere eigene. Hier möchten wir die Möglichkeiten nutzen, die sich uns bieten, mit unserer Messtechnik als Teil des industriellen Internets der Dinge, mit neuen digitalen Services, ebenso in der virtuellen Interaktion mit unseren Kunden.

PROCESS: Welche strategischen Überlegungen stecken hinter den Zukäufen von Analytik Jena, Kaiser Optical Systems oder Spectrasensors?

Krüger: Diese Akquisitionen stehen für eine zweite wichtige Stoßrichtung unserer Strategie: Wir wollen analytische Verfahren, die bislang nur im Labor möglich waren, in den Prozess holen, und wir wollen unsere Kunden sowohl im Labor wie auch in der Produktion begleiten. Das ist ein ehrgeiziges Ziel. Wir sind überzeugt, dass darin viel Potenzial steckt. Aber es braucht einen langen Atem!

PROCESS: Welche Rolle hat Endress+Hauser bei den Entwicklungen rund um die Themen Industrie 4.0 und IIoT?

Krüger: Wir sehen uns als Vorreiter, vor allem, wenn es darum geht, die installierte Basis zu einem Teil des Internets der Dinge zu machen. Das ist prinzipiell mit neun von zehn Instrumenten machbar. Wir haben vor fast 20 Jahren begonnen, für jeden produzierten Sensor einen spezifischen Datensatz anzulegen. In unserer Gerätedatenbank schlummern heute mehr als 30 Millionen digitale Zwillinge, die wir in weniger als einer Minute zum Leben erwecken können!

PROCESS: Wie überzeugen Sie die bisher zögerlich agierenden Anwender in der Prozessindustrie von der Digitalisierung?

Lukassen: Das gelingt am besten, indem wir ihnen den konkreten Nutzen von praktischen Anwendungen demonstrieren. Wir sind stolz, dass wir mit prominenten Kunden und starken Partnern schon eine Reihe von Industrie-4.0-Installationen vorzeigen können, die die Möglichkeiten und den Nutzen der Digitalisierung und Vernetzung vor Augen führen.

PROCESS: Eine These auf der Namur-Hauptversammlung war, dass in Zukunft wesentliche Teile der klassischen Automatisierungspyramide wegfallen können und nur noch die Feldgeräteebene übrigbleibt. Wie stehen Sie dazu?

Krüger: In dieser Deutlichkeit habe ich diese These noch selten gehört. Aber wenn wir uns die Entwicklung anschauen, dann ist sie auch nicht ganz abwegig, zumindest für viele Anwendungen. Umgekehrt bedeutet dies, dass die Anforderungen an die Instrumentierung wachsen, etwa was die Leistungsfähigkeit, die Zuverlässigkeit oder Integrationsfähigkeit unserer Sensoren anbelangt. Das sind schon enorme Erwartungen, die da an uns als Hersteller gerichtet werden!

PROCESS: Herr Lukassen, Sie gehen bald in den Ruhestand, was geben Sie Ihrem Nachfolger und dem Unternehmen mit auf den Weg?

Lukassen: Herr Stöckl mit all seinen Erfahrungen wird sicher seinen Weg gehen und mit frischen Ideen die Herausforderungen der Zukunft meistern. Das geht aber nur gemeinsam mit den Kunden und Mitarbeitenden. Das Fundament bilden der Endress+Hauser-Spirit und die Nähe zu den Kunden. Beides hilft, die Erwartungshaltungen zu verstehen und das „Wir-Gefühl“ weiterzuentwickeln.

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