DIN EN 15051 in der Praxis

Wie staubig ist mein Schüttgut?

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Untersuchung von T-Stäuben für umwelthygienische Fragestellungen

Aufgrund ihrer physiologischen Wirkung wurden bestimmte Stoffe (u.a. Biozide zur Wasserbehandlung und Quarzmehle) zusätzlich auf die Entwicklung der thorakalen Staubfraktion (T-Staub) entsprechend EN 481 untersucht. Dazu wird zusätzlich und gleichzeitig mit den oben beschriebenen Probenahmesystemen das Staubsammelgerät CIP 10-T mit einem Messkopf für die thorakale Fraktion in das Fallrohr eingesetzt. Der zusätzlich entnommene Teilvolumenstrom von 10 l/min wird durch Reduzierung des Hauptvolumenstroms so ausgeglichen, dass der in der Norm vorgegebene Gesamtvolumenstrom im Rohr von 53,0 l/min beibehalten wird.

Die Probenahmebedingungen entsprechen insoweit der DIN EN 15051-B. Auch für umwelthygienische Fragestellungen wird das Verfahren eingesetzt. Dazu können zusätzlich zu A- und E-Staub die umweltrelevanten Fraktionen PM 2,5- und PM 10 mithilfe des Kaskadenimpaktors Johnas II im IGF-Gegenstrom-Fallrohr gemessen werden. So wurden z.B. zahlreiche bei einer geplanten Flughafenerweiterung anfallende Bodenproben hinsichtlich der Staubentwicklung untersucht und mit der Bestimmung der Metallgehalte in den gewonnenen E-Staub-Proben die zu erwartende Freisetzung von einatembaren Schwermetallstäuben (hier insbesondere Arsen) ermittelt.

Aufgrund des stark wachsenden Interesses betreibt das IGF ferner einen eigenständigen Fallrohr-Prüfstand zur Messung ultrafeiner Partikel mit Partikelgrößen < 0,1 µm. Dazu wurde die Apparatur so modifiziert, dass die Gegenstromluft über einen ULPA-Filter der Filterklasse U 15 partikelfrei einströmt und die Partikel z.B. mittels Kondensationskernzähler SMPS gemessen werden.

Zusammenfassung: 750 Produkte erfolgreich untersucht

Mit dem vom Institut für Gefahrstoff-Forschung des BG RCI entwickelten und als DIN EN 15051:2006-Methode B veröffentlichten Messverfahren wurden bis heute rund 750 verschiedene Produkte im Auftrag von Herstellern, Anwendern, Forschungs- und Prüfinstituten auf ihre Staubentwicklung untersucht.

Die Ergebnisse ermöglichen Herstellern wie Verwendern einen direkten Vergleich verschiedener Produkte, getrennt nach den gesundheitsrelevanten Fraktionen A- und E-Staub und eine Einstufung von „staubarm“ bis „stark staubend“ mithilfe des genormten Klassifizierungssystems. Es könnte aber auch die Festlegung eigener, auf Branchen oder Produktgruppen bezogener Klassengrenzen sinnvoll sein.

Das Messverfahren zeigte dabei eine sehr gute Reproduzierbarkeit und mit über fünf Zehnerpotenzen reichenden Messwerten eine so hohe Empfindlichkeit, dass auch sehr ähnliche Produkte deutlich voneinander unterscheidbar sind.

Durch Analyse der gewonnenen Staubproben ist zusätzlich eine Beurteilung der Staubentwicklung durch spezifische Inhaltsstoffe wie Quarzfeinstaub, Asbestfasern oder Schwermetalle möglich. Ebenso können modifizierte Messeinrichtungen für weitere Partikelfraktionen wie ultrafeine Partikel, T-Staub oder PM 2,5 und PM 10 eingesetzt werden.

Literatur

[1] DIN 33897-2:2002: Arbeitsplatzatmosphäre – Bestimmung des Staubungsverhaltens von Schüttgütern, Teil 2: Kontinuierlicher Fall im Gegenstrom

[2] Dahmann, D., Möcklinghoff, K. u. Hartfiel, G.-D.: „Ein Verfahren zur wirklichkeitsnahen Bestimmung der Staubungsneigung von Schüttgütern“, Gefahrstoffe – Reinhaltung der Luft, 1997, Nr. 12

[3] E DIN EN 15051-3:2011: Exposition am Arbeitsplatz-Messung des Staubungsverhaltens von Schüttgütern – Teil 3: Verfahren mit kontinuierlichem Fall

[4] Dahmann, D., Möcklinghoff, K.: „Das Staubungsverhalten quarzfeinstaubhaltiger Produkte“, Gefahrstoffe – Reinhaltung der Luft, 2000, Nr. 5

[5] TRGS 517 „Tätigkeiten mit potenziell asbesthaltigen mineralischen Rohstoffen und daraus hergestellten Zubereitungen und Erzeugnissen“, Ausgabe Januar 2007

* Quellenhinweis: BG RCI.magazin 9/10 2013

Ergänzendes zum Thema

Dr. Dirk Dahmann: Er ist Jahrgang 1952. Von 1988 bis 1994 war er Leiter des Referats Gefahrstoffe, seit 1994 ist er Technischer Direktor des Instituts für Gefahrstoff-Forschung der BGRCI, Institut an der Ruhr-Universität Bochum. Seine Schwerpunkt sind Forschung und Entwicklung im Bereich Staub und Aerosole.

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