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Neue Wege bei Werkstoffen
Seit jeher ist Festo bereit, auch ungewöhnliche Wege zu gehen, um in neue Anwendungsfelder vorzustoßen. So erhielt das Unternehmen im Dezember 2010 gemeinsam mit dem Fraunhofer IPA den deutschen Zukunftspreis für den Bionischen Handling-Assistenten. Aber nicht immer müssen es bahnbrechende neue Erfindungen sein; für Hofmann finden Innovationen für die Zielgruppe der Prozessindustrie auf ganz verschiedenen Ebenen statt. „Ein leichtes Demontieren eines Ventils ist sicher kein Quantensprung in der Entwicklung. Wenn Sie jedoch einen Steuerkopf mit zwei Handgriffen und ohne Spezialwerkzeug sicher montieren und demontieren können, ist das für viele Anwender der ausschlaggebende Grund, das Produkt zu kaufen.“
Großes Potenzial sieht Hofmann auch bei den Werkstoffen und nimmt als Beispiel die Magnetventile, die mediumsberührend arbeiten. Das Problem: Zusätze im Metall, die die Magnetisierungsfähigkeit des Stahls erhöhen, steigern auch die Rostanfälligkeit. Wenn es gelänge, neue Materialien mit einer höheren Magnetisierungskraft mit einer besseren Korrosionsbeständigkeit zu entwickeln, wäre dies für Festo schon eine erhebliche Verbesserung. Von hohem Interesse ist für Hofmann auch die Kombination von Elektronik und Ventiltechnik oder die Einbeziehung der Optik.
Hier eröffnet das Thema Biosensoren vollkommen neue Perspektiven, wie die Kombination aus biologischen Substanzen mit Mikrosystemen für Online-Detektierungen. Überhaupt wartet das Gebiet der Biosensoren mit spannenden Aspekten auf. Wenn es beispielsweise gelingt, das Enzym Penicillinase auf einen Chip aufzubringen, lässt sich damit die Konzentration von Penicillin detektieren. „Für die Automatisierungstechnik bieten sich hier noch ungeahnte Chancen“, ist Hofmann sicher.
Fokus auf zwei Zielmärkte: Wasseraufbereitung und Bio-/Pharmaindustrie
Festo setzt bei der zukünftigen Ausrichtung auf zwei Kernbranchen: Als größte Wachstumbranchen sieht das Unternehmen die Wasseraufbereitung, die Bio- und Pharmabranche. Ebenso werden Potenziale in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie sowie in der Chemie gesehen, die aber derzeit nicht im Hauptfokus der Entwicklungsaktivität stehen. Gerade für die automatisierte Trinkwasseraufbereitung und Abwasserbehandlung stellt die Pneumatik eine kostengünstige und zuverlässige Alternative zu elektrischen Automatisierungssystemen dar.
Schon heute bietet das Festo-Portfolio vielfältige Lösungen von der Armatur bis zur Leitebene. Großer Vorteil der Pneumatik: Über ihre gesamte Lebensdauer hinweg bleiben pneumatische Antriebe wartungsfrei. Da Armaturen in der Wassertechnik unregelmäßig betätigt werden, können Ablagerungen oder Verbackungen entstehen, die zu deutlich höheren Losbrechmomenten führen. Hier ist die Überlastsicherheit der Pneumatik eine wichtige Eigenschaft. Bei einem Stillstand des Antriebs kann einfach der Druck am Druckregler erhöht werden, um mehr Kraft anwenden zu können – eine aufwändige Wartung entfällt.
Pneumatische Komponenten in der Lebensmittelproduktion
Auch die Lebensmittelbranche gehört zu den langjährigen Kundensegmenten von Festo. Besonderes Augenmerk setzen die Entwickler dabei auf den hygienischen Aspekt. Werden pneumatische Komponenten in der direkten Lebensmittelproduktion eingesetzt oder kommen sie mit Lebensmitteln in Berührung, müssen besonders reinigungsfreundliche Produkte und speziell zugelassene Schmiermittel verwendet werden. Dazu gehören Schläuche mit Lebensmittelzulassung ebenso wie hydrolysebeständige Verschraubungen mit FDA-Zulassung. Eine entscheidende Komponente im Festo-Portfolio sind Hochgeschwindigkeitskameras, die eventuelle Fehler in atemraubender Geschwindigkeit detektieren. Da die Branche naturgemäß viele Schnittstellen zwischen Prozess- und Fabrikautomatisierung aufweist, liegt bei den Pneumatik-Spezialisten vor allem die Automatisierung aus einer Hand im Fokus.
In der Chemieproduktion dagegen rücken Korrosionsfragen und der Ex-Schutz in den Vordergrund. Auch für diese Branche hat Festo neue Ideen, wie z.B. die Ex-Haube zeigt. In Arbeitsumgebungen mit explosiven Stoffen verlangen die europäischen Atex-Richtlinien schützende Gehäuse für Schalt- und Steuergeräte. Standard-Schaltschränke beanspruchen jedoch oft weit mehr Platz als deren tatsächliches funktionales Innenleben erfordert.
Mit der Haube CAFC-X1-GAL bringen die Esslinger jetzt die platz- und kostensparende Alternative auf den Markt. Klein und flexibel, ist die CAFC dank geprüftem Schlagschutz bis Atex-Zone 2/22 geeignet – für Arbeitsbereiche mit zeitweiser Gefährdung durch explosive Gase und Dämpfe. Ihre kompakten, materialsparenden Abmessungen senken die Kosten im Vergleich zu handelsüblichen Schaltschränken um bis zu 70 Prozent. Die Haube lässt sich mit einem Handgriff aufklappen, was den Installations- und Wartungsaufwand zusätzlich senkt.
Neue Perspektiven mit Optik und Fluidik
Besonders attraktiv sieht Hofmann das Thema „Optische Technologien“ in der Pharma-/Biotech-Branche. Schon jetzt ist Festo in der Branche mit dem Thema „Maschine Vision“ vertreten. Mit der Kombination optischer und fluidischer Technologien werden zukünftig völlig neue Bereiche in der Automatisierungstechnik erschlossen werden.
Einen ersten Einblick über die Perspektiven der Optofluidik gab man bereits auf der diesjährigen Hannover Messe: Die Kombination aus Optik und Fluidik ermöglicht Diagnose- und Analyseverfahren, bei denen aus bewegten Fluiden bestimmte Parameter (wie Dichte, Volumen, Farbe oder Schadstoffgehalt), Eigenschaften und Bestandteile erkannt und bewertetet werden. Dabei wird das Fluid mit Informationen aufgeladen, die später von den optischen Komponenten ausgelesen werden.
Da diese online Aufschluss über den Zustand des Fluids geben, ist eine Analyse in Echtzeit möglich. Der Prozessablauf muss also nicht für die Probenahme unterbrochen werden. Für dieses neue Aufgabengebiet fühlt sich Festo bestens gerüstet, da einerseits viele Basiskomponenten in der Bildverarbeitung bereits vorhanden sind, andererseits das Unternehmen im Team um Prof. Hofmann über die entsprechenden Spezialisten mit dem erforderlichen Know-how und vor allem aber über den unternehmerischen Mut verfügt, in solche zukunftsweisende Technologien zu investieren.
* G. Kielburger ist Chefredakteur und S. Mühlenkamp freie Mitarbeiterin bei PROCESS.
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