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Lebensmittelverpackungen Wie findet man den richtigen Biokunststoff?

| Autor: M.A. Manja Wühr

Lebensmittelverpackungen müssen zunächst einmal das Produkt schützen und transportfähig machen. Sie fungieren aber auch als Kommunikatoren. Dabei muss sie sich effizient verarbeiten lassen und darf nicht allzu viel kosten. Nun fordern Verbraucher und Gesetzgeber zunehmend nachhaltige Lösungen. Lässt sich Kunststoff nicht vermeiden, könnte man auch auf Biokunststoffe umschwenken. Nur auf welchen? Das Biokunststofftool hilft bei der Entscheidung.

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Wie finde ich den geeigneten Biokunststoff? Das Biokunststoff-Tool hilft dabei, zu Entscheidungen zu kommen.
Wie finde ich den geeigneten Biokunststoff? Das Biokunststoff-Tool hilft dabei, zu Entscheidungen zu kommen.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Die Verpackung von Lebensmitteln hat es heutzutage nicht leicht. Sie soll das Lebensmittel schützen und lange haltbar machen. Sie gibt Verbraucher*innen wichtige Produktinformationen und dient den Marketingstrategen als wichtiges Instrument. Hersteller hingegen fordern eine schnelle und kostengünstige Verarbeitung. Und nun soll sie auch noch nachhaltig sein. Vor allem an Bio-Lebensmittelhersteller werden besonders hohe Anforderungen gestellt. Verbraucher*innen erwarten von ihren Bio-Produkten ein ökologisches Gesamtpaket. Allein mit Recycling ist es nicht getan. Zum einen sind Kunststoffe auf Erdölbasis kein Zukunftskonzept. Zum anderen sind Rezyklate für Lebensmittelverpackungen aufgrund von Hygiene- und Sicherheitsrichtlinien nur begrenzt einsetzbar.

Eine Alternative muss her. Doch welche? Glas, Metall oder doch Papier? Erste Versuche gibt es – beispielsweise Nuss- und Früchteriegel in Papier statt Plastik. Doch oft macht das technisch, ökonomisch und auch ökologisch wenig Sinn. Also gilt es Kunststoffe auf eine nachhaltige Basis zu stellen und erneuerbare Rohstoffe zu verwenden. Biokunststoffe sind gefragt.

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Selbst mit gutem Willen bleiben dabei viele Frage offen. Welche Barriereeigenschaften bieten die einzelnen Bio-Kunststoff? Wie lassen sie sich maschinell verarbeiten? Lässt sich der Biokunststoff in den Recyclingkreislauf integrieren? Wo kann man den gewünschten Biokunststoff eigentlich beziehen. Antworten und weiterführende Informationen über die fünf wichtigsten Stoffgruppen biobasierter Kunststoffe, die als Verpackungsmaterial genutzt werden können, liefert das biokunststofftool.de.

Die fünf wichtigsten Biokunststoffe im Überblick

Der Begriff Biokunststoff wird sehr divers verwendet. Das Biokunststofftool stellt biobasierte Kunststoffe vor, die sowohl biologisch abbaubar als auch nicht abbaubar sind. Für diese Biokunststoffe verwenden Hersteller vor allem Zucker, Stärke und Cellulose als Ausgangsstoffe, die sie aus Pflanzen wie Mais und Zuckerrohr, Zuckerrüben oder Hölzern gewinnen. Das Biokunststofftool liefert für fünf Werkstoffe Informationen zu Werkstoffherstellern, Convertern, Anwendungsbeispielen im Lebensmittelbereich, Materialeigenschaften und verwendeten Rohstoffen. Zudem werden die Werkstoffe in Hinblick auf Ökologie, Sozialverträglichkeit, Sicherheit und Technik sowie Qualität tabellarisch verglichen.

Biomassebasiertes Polyethylen (Bio-PE):

  • Anwendungen: Verpackungsfolien, Schrumpffolien und Beutel ebenso wie Flaschen und Behälter
  • Eigenschaften: recyclingfähig, gute Temperaturbeständigkeit, beständig
  • Rohstoffe: gentechnikfreier Zuckerrohr

Biomassebasiertes Polyethylenterephthalat (PET)

  • Anwendungen: Folien/Beutel, Flaschen und Fässer
  • Eigenschaften: recyclingfähig, stark bruchfest, mittleren Barriereeigenschaften (gegenüber starken anorganischen Säuren unbeständig)
  • Rohstoffe: Zuckerrohr

Cellulose

  • Anwendungen: Folien/Beutel
  • Eigenschaften: wasserdampfdurchlässig (Barriereeigenschaften können durch Beschichtung verbessert werden), sehr reißfest, hitzestabil
  • Rohstoffe: Holz

Polylactid (PLA)

  • Anwendungen: Folien/ Beutel, Becher, Flaschen
  • Eigenschaften: biologisch abbaubar bei industrieller Kompostierung, gute Aromabarriere, gut bedruckbar
  • Rohstoffe: stärke- oder zuckerhaltigen Ausgangsmaterialien gewonnene Milchsäure

Stärkepolymere

  • Anwendungen: Beutel, Becher
  • Eigenschaften: kompostierbar, hoher Wasserdampfdurchlässigkeit
  • Rohstoffe: Stärke, Pflanzenöle, Zucker

Checkliste zur Bewertung von biobasierten Verpackungen

Die Anforderungen an Lebensmittelverpackungen sind so individuell wie die Lebensmittel selbst. Wer also eine neue, biobasierte Lösung finden will, muss zunächst seine Ansprüche formulieren und priorisieren. Dann müssen diese mit den entsprechenden Werkstoffen verglichen werden. Ein mühseliges und diffiziles Unterfangen. Hilfe kommt auch hier vom Projektteam des Internettools. Es hat eine Checkliste erstellt, mit der sich die möglichen Stoffgruppen vergleichen lassen, um so die am besten geeignetste auszuwählen.

Der Status quo sieht aktuell noch ernüchternd aus: „Derzeit wird, gemessen an den kunststoffbasierten Lebensmittelverpackungen, in Deutschland der mengenmäßige Anteil biobasierter Kunststoffe auf ca. 0,5 % geschätzt“, sagt Brunhard Kehl, Projektleiter bei der Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller. Doch das muss nicht bleiben. Er und sein Team konnten zeigen, dass es bereits viele Praxisbeispiele gibt. Sei es der Austausch durch sogenannte Drop-In-Kunststoffe, z.B. der Ersatz von fossilem PE durch Bio-PE, oder der neue Einsatz von biobasiertem Verpackungsmaterial. Möglichkeiten gibt es viele.

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Über den Autor

M.A. Manja Wühr

M.A. Manja Wühr

Redakteurin