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Klimapolitik als Treiber
Die klimapolitischen Ziele, die sich die Schweiz gesetzt hat, haben die Anstrengungen noch befördert. „Die Reduktion des CO2 in der Atmosphäre ist ein Gebot der Zeit“, sagt Helbling. Die Firma schloss mit dem Eidgenössischen Departement für Umwelt (UVEK) eine Zielvereinbarung zum Kohlendioxid-Ausstoß ab und erarbeitete mit der Energieagentur der Wirtschaft (EnAW) den zur Erfüllung erforderlichen Maßnahmenkatalog.
Anfang 2010 erhielt das Werk in Hedingen von der EnAW das Zertifikat für aktive CO2-Reduzierung – dadurch wird die in der Schweiz erhobene Klimaabgabe dem Chemieunternehmen zurückerstattet. „Ohne Optimierung des Energieverbrauchs müssten wir jährlich einen schönen Batzen an CO2-Abgaben bezahlen“, betont Helbling.
Dass die Zielvereinbarung mit dem Staat eingehalten werden konnte, ist auch auf den Anschluss des Werks an die neue Erdgasversorgung im Knonauer Amt zurückzuführen, der Ende 2007 fertiggestellt wurde. Öl benötigt das Unternehmen jetzt nur noch, um Lieferengpässe beim Erdgas auszugleichen.
Seit der Liberalisierung der Energiemärkte in der Schweiz sind aber auch kaufmännische Kompetenzen gefragt. Werden wirklich die bestmöglichen Energiepreise erzielt? Um diese Frage zu klären, entschied sich Viktor Helbling für das Engagement des Beratungsunternehmens BFE Institut für Energie und Umwelt (Mühlhausen bei Heidelberg).
Die Energieberater unterzogen die Lieferverträge für alle Energiearten einem Benchmark. Beim Erdgas ebenso wie beim Stickstoff sahen die Berater Handlungsbedarf. Der Erdgaslieferant lag acht Prozent oberhalb des externen Vergleichspreises. Mit neu ausgehandelten Erdgaspreisen verbesserte sich der Alkoxylierer um rund 50 000 Schweizer Franken im Jahr.
Der Preisunterschied beim Stickstoff war eindeutig zu groß und die Firma erwog sogar, den zu teuren Lieferanten auszutauschen. Kolb benötigt Stickstoff als Inertgas für die Reaktionsprozesse. Da der Lieferant die Versorgung bislang aber reibungslos gewährleistet hatte und auch bereit war, rückwirkend eine Gutschrift zu gewähren, entschloss man sich zu Verhandlungen. Der Tarif pro Kubikmeter konnte über 30 Prozent gesenkt werden. Auch bei der Miete für den Stickstofftank kam der Anbieter der Firma Kolb entgegen. Die jährlichen Kosten wurden insgesamt um rund 100 000 Schweizer Franken reduziert.
Das Fazit von Helbling: Nicht nur bei den Energieverträgen könne man bei Kolb ein „gutes Gewissen“ haben, die umweltpolitische Verantwortung werde bei jedem neuen Anlagenbau mitberücksichtigt. Das Erreichen der künftig noch strengeren Klimaziele werde schwierig und fordere sehr kreative Lösungen. Es gelte, Energiekonzepte für ganze Regionen zu erarbeiten: „Die einen brauchen Wärme, die anderen müssen sie loswerden; nur gemeinsame Lösungen werden hier zum Ziel führen“.
* Der Autor ist Journalist in Minden
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