Schneller, Sicherer, Sauberer

Wegweiser im Turnaround: Die Trends und Herausforderungen

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Bei der Auswahl geeigneter Spezialisten und Subkontraktoren hingegen entscheidet nicht nur der Geldbeutel, sondern zunehmend auch die Personaldecke des Dienstleisters: Etwa 50 % der Entscheider haben bereits Kontraktoren wegen fehlender personeller Ressourcen gewechselt. Damit ist Personal neben Qualitätsmängeln, Terminproblemen oder besseren Konditionen beim Wettbewerber einer der wichtigsten Gründe, sich nach alternativen Anbietern umzusehen, ergab die T. A. Cook-Studie. Billig ist eben nicht alles.

Turnaround-Dienstleister sind gefordert

In Zukunft wird es für Dienstleister wichtig, Anlagenbetreiber schon bei der Planung mit Vorschlägen zur Prozessoptimierung zu unterstützen. „Die meisten Turnarounds haben noch erhebliches Optimierungspotenzial, teilweise sind bis zu 20 % weniger Kosten möglich. Neben Projektplanung und -management allgemein sind vor allem Scope- und Risikomanagement und die richtige Partnerfirmenstrategie entscheidende Faktoren“, erläutert Turnaround-Experte Dirk Frame, Managing Partner bei T.A. Cook.

Seien es Aspekte des Projektmanagements wie die Staffelung von Abfahr- und Neustartprozessen, die Synergien freisetzen – eine Möglichkeit, die nach T.A. Cook schon etwa 84 % der Verantwortlichen nutzen – oder standardisierten Risikoanalysen (genutzt von 80 %) und Terminpläne mit mehreren Ebenen (78 %).

Optimierungspotenziale in der Instandhaltung heben

Ein hoher Vorfertigungsgrad kann helfen, den eigentlichen Aufwand des Turnarounds zu reduzieren, erhöht aber die Komplexität der Planungsphase signifikant. Auf Technischer Ebene helfen Maßnahmen von Condition Monitoring über Trainingssimulatoren oder der Aufbau redundanter Strukturen, Turnarounds schneller und sicherer zu gestalten. Auto-ID-Systeme für Equipment und Komponenten helfen, das Asset Management auf der Baustelle zu koordinieren, und moderne Diagnosemethoden ersetzen zunehmend invasive Methoden der Revisionsprüfung. Auch empfehlen Insider, bei der Revision auch eine Neukonstruktion oder den Austausch von Komponenten gegen effizientere und weniger wartungsintensive Neuteile ins Auge zu fassen. Wer die routinemäßige Instandhaltung berücksichtigt, kann häufig erhebliche Synergien heben.

Wer solche Maßnahmen anbietet, macht sich als Partner unersetzlich. Dass Outsourcing den Kompetenzmangel der Betreiber noch verstärkt, ist die Kehrseite der Medaille: Zwar können Unternehmen durch die Bildung von Kompetenzzentren und Netzwerken gegensteuern, wirklich umsetzbar ist das nur für Großkonzerne. Die wachsenden Ansprüche an Turnaround-Projekte beschleunigen die Entwicklung zusätzlich. Mehr Aufgaben in immer kürzerer Zeit – Anlagenbetreiber werden in Zukunft beim Turnaround genauer hinsehen müssen, um langfristig erfolgreich zu sein. ●

* Der Autor ist Redakteur der PROCESS.Kontakt: dominik.stephan@vogel.de

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