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Laborlogistik Speziallogistik für Labore

Redakteur: Marc Platthaus

Wenn Rechenzentren, medizinische Geräte oder wissenschaftliche Ausrüstungen umziehen, sind neben Fingerspitzengefühl viele weitere besondere Qualifikationen gefragt. Martin Pankok, Prokurist beim Logistikdienstleister Hasenkamp High-Tech Logistik, erklärt im LP-Exklusivinterview unter anderem, was in der Laborlogistik oder auch beim Transport von Bauteilen für die Raumstation ISS so spannend ist.

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1 Bei der High-Tech-Logistik kommt es auf die richtige Planung an. (Bilder: Hasenkamp)
1 Bei der High-Tech-Logistik kommt es auf die richtige Planung an. (Bilder: Hasenkamp)
( Archiv: Vogel Business Media )

LaborPraxis: Herr Pankok, wie kommt man als Familienunternehmen mit über 100-jähriger Tradition zur High-Tech-Logistik?

Martin Pankok: Traditionell decken wir die gesamte Bandbreite der logistischen Dienstleistungen ab, vom klassischen Wohnhausumzug bis hin zu kompletten Kunst-Umzügen von Museen. In den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts kamen dann die Umzüge von Rechenzentren hinzu. Außerdem waren wir damals für einen großen IT-Gerätehersteller der Logistik-Partner. Vom Umzug empfindlicher Computer bis hin zum Transport von häufig ebenso empfindlichen Laborgeräten war es da eigentlich nur noch ein kleiner Schritt.

LaborPraxis: Solche Laborumzüge stehen aber doch nicht jeden Tag an?

Pankok: Sie würden sich wundern, wie oft Laboratorien umziehen. Aber es stimmt, unser Brot- und Buttergeschäft in der Laborlogistik sind eher die Geräteauslieferungen für namhafte Labortechnik- und Gerätehersteller. Hier steckte eigentlich auch die Keimzelle für unser Laborumzugsgeschäft, denn in dieser Branche geht viel über Mund-zu-Mund-Propaganda und da wird man oft angesprochen, wenn ein Gerät ausgeliefert wird, ob man auch mehr machen kann.

LaborPraxis: Empfindliche Analysengeräte können aber sicher nicht so einfach wie ein Fahrrad in den LKW geladen werden...

Pankok: Das stimmt, eine physikalische Laserbank beispielsweise muss ohne die Gefahr der Dejustierung von A nach B gebracht werden. Hierzu werden in unserer hauseigenen Schreinerei Kisten und Verpackungen maßgeschneidert, wenn es sein muss auch mit Luftfederung und feuerfester Hülle. Da kann die Konzeptionierung und Herstellung dieses Materials schon einmal länger dauern als der eigentliche Umzug.

LaborPraxis: Stichwort Umzugsdauer, Laborausfallzeit produziert Kosten...

Pankok: Absolut, von daher sind Wochenenden oder Feiertage für viele unserer Kunden die bevorzugten Umzugstermine und wir sind natürlich auch so flexibel, dass wir uns nach diesen Wünschen richten. So reduzieren wir die Ausfallzeiten für den Laborbetreiber auf ein Minimum und damit bleiben dann auch seine Kosten in einem überschaubaren Rahmen.

LaborPraxis: Ein Labor besteht aber nicht nur aus Geräten, der zweite große Posten ist die teilweise extrem hohe Anzahl von Proben in unterschiedlichsten Behältnissen. Was machen Sie damit?

Pankok: Sind es Proben oder Substanzen, die in Kühlschränken lagern, dann werden diese Kühlschränke gar nicht ausgepackt, sondern komplett in Spezial-LKWs mit Stromanschluss gebracht. Hier werden die Kühlschränke dann angeschlossen, sodass die Kühlkette nie unterbrochen wird. Ziehen wir allerdings ein Labor mit 40 oder mehr Kühl- und Tiefkühlschränken um, ist dies natürlich nicht mehr möglich. In solchen Fällen werden die Proben in speziellen Styroporbehältern mit Trockeneis gelagert.

LaborPraxis: Installieren Sie auch Geräte dann wieder vor Ort?

Pankok: Ähnlich wie bei einem Privatumzug, bieten wir vom reinen Umzug bis zur Full-Service-Dienstleistung das komplette Portfolio an. Wir können also in Zusammenarbeit mit anderen Spezialisten ein Labor an Ort A deinstallieren und an Ort B wieder aufbauen. Der Wissenschaftler kann dann nach dem Umzug direkt wieder mit seiner Forschung weitermachen.

LaborPraxis: Bieten Sie Ihr Portfolio nur in Deutschland an?

Pankok: Deutschland, Schweiz und Österreich sind sicher unser Kerngebiet. Wir verfügen aber international über ein enges Netzwerk, das es uns ermöglicht, auch internationale High-Tech-Umzüge durchzuführen. Bestes Beispiel sind hier unsere Logistikdienstleistungen für die NASA und die Raumstation ISS.

LaborPraxis: NASA, das klingt nach Raketen, Weltraumforschung und extrem wertvollem Equipment. Was haben Sie denn hier transportiert?

Pankok: Wir haben in Deutschland das AMS-2-Spektrometer der NASA für die internationale Raumstation ISS auf dem Boden transportiert. Hierzu haben wir das Spektrometer mit einem Spezialtransporter auf einer Army-Airbase abgeholt und dann zu seinem Bestimmungsort in Deutschland transportiert. In Sachen Wert und Aufmerksamkeit natürlich ein eher außergewöhnlicher Auftrag. Trotz des Stresses, den man bei solchen Fahrten ausgesetzt ist – Passt alles beim Transport?, Wie verhält sich der Zoll?, Klappt alles mit der wertvollen Ware? – sind solche Aufträge natürlich das Salz in der Suppe eines Spediteurs.

LaborPraxis: Wieviel Zeit hat denn die Vorbereitungsphase in Anspruch genommen?

Pankok: Hier beginnt die Arbeit schon bei der Verpackung. Einer unserer Experten ist hierfür im engen Kontakt mit den NASA-Ingenieruen, damit hier im Vorfeld schon die richtigen Entscheidungen getroffen werden können. Allerdings sind wir bei solchen Projekten nicht die zeitkritischen Faktoren. Dieser Auftrag hat sich über zwei Jahre erstreckt, die logistische Dienstleistung war da nur ein sehr kleiner Bruchteil.

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