Energieeffizienz So wird die Elektrolyse zum Joker im Energiemarkt

Redakteur: Anke Geipel-Kern

In 15 Minuten von 0 auf 100 – die Chlor-Alkali-Elektrolyse ist ein Flexibilitätswunder und deshalb bestens geeignet, um Demand-Side-Management zu betreiben. Der in Marl ansässige PVC-Produzent Vestolit wirbt für die Einbindung in den Energiemarkt. Wir waren war vor Ort und stellen Ihnen die Idee vor.

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Martin Trennhaus, Energiemanager bei Vestolit, plädiert für einen Energiemarkt, der das Vorhalten von Kapazitäten belohnt.
Martin Trennhaus, Energiemanager bei Vestolit, plädiert für einen Energiemarkt, der das Vorhalten von Kapazitäten belohnt.
(Bild: Vestolit)

Die Elektrolyse auf dem neuesten Stand, die Vinylchlorid-Anlage die anerkannt energieeffizienteste in Europa, die größte vollintegrierte PVC-Produktion Europas – angesichts solcher Superlative könnte sich Martin Trennhaus eigentlich zurücklehnen und ganz entspannt in die Zukunft blicken. Aber Trennhaus ist schon von Berufs wegen jemand, der niemals ganz entspannt sein darf, denn er ist bei Vestolit in Marl nicht nur Controller und damit Herr über die Zahlen, sondern als Energiemanager auch für das Stopfen von Energieschlupflöchern zuständig.

Und rund 80 MW jährlicher Stromverbrauch, allein der Chlor-Alkali-Elektrolyse geschuldet, sind allemal Antrieb genug, auch noch das letzte Verbesserungspotenzial aus den Anlagen herauszukitzeln. Rohstoffe und Energie sind überall billiger und „ohne die Reduktion der EEG-Umlage wären wir international nicht konkurrenzfähig“, sagt Trennhaus beim Vorort-Termin in Marl.

400 000 Tonnen PVC stellt das Unternehmen pro Jahr her. Aus dem Kunststoff entstehen Tapeten, Fußböden, Fensterprofile oder Planenstoffe. Auch als Unterbodenschutz für Autos ist das Material nicht mehr wegzudenken – Bedarf steigend.

Nicht nur, aber auch wegen der wachsenden amerikanischen und asiatischen Konkurrenz ist der sparsame Umgang mit Energie eine Überlebensfrage für Vestolit, und ohne die vor sieben Jahren getroffene Entscheidung, die Amalgamanlage durch eine moderne Membranelektrolyse zu ersetzen, hätte Trennhaus wohl heute ein paar schlaflose Nächte mehr.

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