China Market Insider Renaissance der Kohlechemie trotz Klimapolitik: China plant riesige CTO-Anlage in der Inneren Mongolei

Von Henrik Bork

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China setzt weiterhin massiv auf den Einsatz von Kohle zur Produktion von Olefinen: Der Konzern Baofeng Energy hat soeben eine Investition von 67,3 Milliarden Yuan (rund 8,7 Milliarden Euro) in eine riesige CTO-Anlage angekündigt, berichtet PROCESS (China).

Mit dem Format „China Market Insider“ berichtet PROCESS regelmäßig über den chinesischen Chemie- und Pharmamarkt.(Bild:  ©sezerozger - stock.adobe.com)
Mit dem Format „China Market Insider“ berichtet PROCESS regelmäßig über den chinesischen Chemie- und Pharmamarkt.
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Peking/ China – Der gewaltige Kohlevergasungs-Komplex mit einer Jahreskapazität von vier Millionen Tonnen an Olefinen soll in Ordos in der Inneren Mongolei entstehen. Schon Ende 2023 sollen die insgesamt vier Kohle-zu-Olefin-Produktionslinien mit der Produktion beginnen. EZusätzlich entstehen fünf Methanol-Produktionslinien, jede mit einer Jahreskapazität von 2,2 Millionen Tonnen Methanol pro Jahr, berichtet ergänzend das Fachmedium Yicai.

Die Kohlechemie erlebt in China seit einigen Jahren eine Renaissance, weil die chinesische Zentralregierung die Abhängigkeit der heimischen Industrie von Öl- und Olefin-Importen reduzieren will, während die Nachfrage nach Ethylen und Propylen weiter steigt. Die CTO-Technik gilt daher als willkommener Ersatz für die übliche Gewinnung dieser Grundstoffe durch Naphta-Steam-Cracking.

In der neuen CTO-Anlage in Ordos komme ein relativ umweltfreundliches, neues DMTO-Verfahren zum Einsatz, berichten chinesische Medien. „Die angewandte DMTO-III-Technologie, die vom Dalian Institute of Chemical Physics entwickelt worden ist, ist eine innovative, saubere und effiziente Technologie der Kohlenutzung”, schreibt PROCESS (China).

In einer DMTO-Einheit wird das zuvor durch Kohlevergasung gewonnene Methanol mit Hilfe von Katalysatoren zu Ethylen und Propylen weiterverarbeitet. Das Institut in Dalian behauptet, bei der dritten Generation seiner DTMO-Technologie gelinge diese Konversion mit einer Selektivität von 85 bis 90 Prozent und ohne das Recycling von C4+-Kohlenwasserstoffen. „Die Anwendung der DTMO-Technologie verändert gerade die Strategie und den Rahmen für das Angebot von leichten Olefinen in China”, schreibt das Institut auf seiner Webseite. Bereits 14 solcher Anlagen seien derzeit in China in Bau, heißt es.

Trotz Klima–Absichtsbekundung: China setzt weiter auf Kohle

China ist das einzige Land der Erde, das weiterhin so massiv auf die Kohlechemie setzt. Die großen Kohlevorkommen des Landes sind ein wichtiger Grund dafür. Auch bei der Energiegewinnung stellt Kohle in China mit 56,8 Prozent (Stand Ende 2020) noch den Löwenanteil, auch wenn der Einsatz erneuerbarer Energien aus Sonne, Wind und Wasserkraft schnell wächst.

Trotz der Beteuerungen der chinesischen Industrie, bei den CTO-Anlagen und auch bei modernen Kohlekraftwerken handele es sich um „saubere Energien“, ist dieser Weg umstritten. Manche Insider bezeichnen auch moderne CTO-Anlagen wie die von Baofeng Energy in Ordos, die nun gebaut werden soll, als „gewaltige CO2-Schleudern, die nebenbei chemische Produkte liefern”.

Chinas Präsident Xi Jinping hat im vergangenen Jahr die Klimaneutralität der chinesischen Wirtschaft bis zum Jahr 2060 zum Ziel erklärt. Bei der weiteren massive Nutzung von Kohle kollidieren also zwei strategische Ziele der kommunistischen Führung Chinas - das der Selbstversorgung und Energiesicherheit und das neue, ambitionierte Ziel zur Rettung des Weltklimas. Wie so oft scheint China auch hier einen pragmatischen Mittelweg einzuschlagen, auf dem der Kohle weiterhin eine wichtige Rolle eingeräumt wird, bis neue Energieträger und alternativer Feedstock für die chemische Industrie weit genug entwickelt sind.

Die Volksrepublik macht auch beim Wasserstoff Strecke

Baofeng Energy, das nun gerade knapp 9 Milliarden Euro in die neue CTO-Anlage steckt, investiert gleichzeitig auch stark in die Wasserstoff-Produktion: Im Februar dieses Jahres hat eine entsprechende Anlage mit einer Jahreskapazität von 160 Millionen Kubikmetern Wasserstoff, gewonnen mit Hilfe von Solarstrom, mit dem Probebetrieb begonnen, berichtet PROCESS in China.

* Henrik Bork, langjähriger China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau, ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking. „China Market Insider“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Vogel Communications Group, Würzburg, und der Jigong Vogel Media Advertising in Beijing.

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