Suchen

Experten-Tipps auf dem 15. Pumpen-Forum

Pumpen auslegen und betreiben – bitte immer mit Blick auf die gesamte Anlage

Seite: 3/5

Firmen zum Thema

Abwasserpumpen: Effizienz oder Funktionalität?

Die Ökodesign-Richtlinie beschäftigt sich im LOT 28 seit Jahren bereits mit dem Thema Abwasserpumpen. Die große Frage lautet: wie kann man die Energieeffizienz einer Abwasserpumpe erhöhen, ohne deren Funktionalität zu beeinträchtigen? Denn klar ist, dass für Betreiber von Abwasserentsorgungsnetzen die Betriebssicherheit der technischen Systeme eine übergeordnete Rolle spielt.

Die Aussteller der Förderprozess-Foren 2017

Bildergalerie mit 29 Bildern

Diese Frage beschäftigt auch Prof. Dr.-Ing. Peter Uwe Thamsen (TU-Berlin): „Wer hier nur auf den Wirkungsgrad schaut, müsste glatt das im Abwasserbereich so wichtige Freistromlaufrad verbieten.“ Deshalb empfiehlt Thamsen, dass für Abwasserpumpen die Funktion mit dem Wirkungsgrad gekoppelt werden müsse.

Dazu hat er mit seinem Team in Berlin einen Prüfstand entwickelt, um künstliches Abwasser zu testen (der Ersatzstoff definiert drei verschiedene Abwasserklassen). Ziel ist ein Funktions-Effizienz-Index FEI für Abwasserpumpen. Dieser setzt sich zusammen aus dem Klarwasserwirkungsgrad und den Ergebnissen der Funktionsprüfungen und einer Dauerfunktionsprüfung. Erstes Ergebnis: Man kann mit diesem Index nachweisen, dass typgleiche Laufräder verschiedener Hersteller bedeutende Unterschiede in der Qualität aufweisen. Während es beispielsweise Freistromräder gibt, die bei steigendem Verschmutzungsgrad des Abwassers kaum an Wirkungsgrad einbüßen, kommen andere Freistromräder viel schlechter mit verschmutztem Abwasser zurecht und verzeichnen deutliche Wirkungsgradeinbußen (bis zu 80 %).

„Die zunehmende Spreizung mit zunehmender Verschmutzung des Wassers verdeutlicht noch mehr die Unterschiede innerhalb der gleichen Laufradtechnologie“, so Thamsen. „Es wird also deutlich, dass man kein generelles Urteil über Laufradtechnologien und ihre Funktionalität treffen kann. Manche Freistromräder entsprechen den Vorurteilen und sind sehr robust, während andere so empfindlich gegenüber Schmutzstoffe sein können wie Mehrkanalräder!“

Gilt für Pumpen-Hersteller das Strafrecht?

Einen ganz anderen Aspekt diskutierte Prof. Dr. Dr. Eric Hilgendorf (Universität Würzburg) in seiner Keynote „Mensch – Technik – Recht: Vor welchen zentralen Herausforderungen stehen wir angesichts des rasanten technischen Fortschritts?“ Denn mit der Technik-Entwicklung entstehen fortlaufend neue Rechtsfragen. Sie betreffen Gebiete wie den Schadensersatz für entstandene Schäden, Strafe für vorsätzlich oder fahrlässig herbeigeführte Schädigungen sowie den Datenschutz. Daraus entwickeln sich auch für die Versicherungsunternehmen neue Geschäftsfelder, weiß Hilgendorf.

Autonome und vernetzte Systeme sowie die Entwicklungen der Künstlichen Intelligenz müssen auch in rechtlicher Hinsicht bewertet werden. Wem gehört beispielsweise bei einem 3D-Druck die Originalkonstruktion? Oder wer darf die Daten beanspruchen, die beim Betrieb von Pumpen generiert werden – der Betreiber, der Hersteller, der Servicedienstleister?

Technische Systeme kann man strafrechtlich nicht belangen – nur das Personal und/oder den Hersteller. Hilgendorf rät: Wichtig sei es für jeden Hersteller, nach dem Stand der Technik zu produzieren. Man vermeide auch Fahrlässigkeit; es müsse nach aller praktischen Erfahrung ausgeschlossen sein, dass die Technik den Menschen gefährde.

Im Gegensatz zu Autos, Kernkraftwerken und beispielsweise auch Dampfkesseln gibt es für Pumpen keine Gefährdungshaftung, auch wenn eine Pumpe explodieren kann, was durchaus schon mal passiert. Hersteller sollten sich dennoch unter Umständen gegen Folgeschaden versichern, so Hilgendorf.

Fazit: Um die Eingangsfrage von Schlücker zu beantworten – was schädigt eine Pumpe? Es sind konstruktive Fehler ebenso wie der Einsatz des falschen Mediums. Die Auswahl der richtigen Pumpe für den jeweiligen Einsatzfall entscheidet darüber, ob die Pumpe die Chance auf einen langen störungsfreien Betrieb hat – das ist ebenso wichtig wie dieser Punkt: Eine Pumpe arbeitet nie für sich allein, sondern ist Teil eines Pumpsystems.

„Wir zerstören Pumpen, weil keine Zeit zur Ursachenklärung bleibt!“

Ernüchternd war die Anmerkung eines Teilnehmers, dass heute gar keine Zeit bleibe, sich um solche Themen zu kümmern: „Wir zerstören Pumpen, weil keine Zeit zur Ursachenklärung bleibt!“ In den Anlagen dieses Teilnehmers verursachen Pumpenschäden jährlich Kosten in Höhe von 400.000 bis 500.000 Euro. Wohl dem Unternehmen, das solche Kosten locker zu schultern vermag.

Worüber noch auf dem Pumpen-Forum diskutiert wurde, lesen Sie auf der nächsten Seite.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 45037940)

Über den Autor