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Nachgefragt bei Dr. Klaus Brüggemann, Geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des Vd TÜV

Dr. Klaus Brüggemann, Geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des VdTÜV: „Insgesamt hat der Arbeitgeber durch die novellierte Betriebssicherheitsverordnung nun mehr Handlungsfreiheit, wobei er den Aufwand bei der Umsetzung aller Anforderungen nicht unterschätzen sollte.“
Dr. Klaus Brüggemann, Geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des VdTÜV: „Insgesamt hat der Arbeitgeber durch die novellierte Betriebssicherheitsverordnung nun mehr Handlungsfreiheit, wobei er den Aufwand bei der Umsetzung aller Anforderungen nicht unterschätzen sollte.“
(Bild: Vd TÜV)

? Herr Dr. Brüggemann, was sind die wesentlichen Änderungen der novellierten Betriebssicherheitsverordnung im Hinblick auf die Prozessindustrie?

Brüggemann: Schauen wir als Beispiel auf die Ex-elh-Anlagen, z.B. Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen. Anlagen dieser Art spielen in der chemischen Industrie eine große Rolle und sind deswegen sehr interessant, weil hier zusätzlich die geänderte Gefahrstoffverordnung zu beachten ist. Nach der neuen Verordnung erfolgen Gefährdungsbeurteilungen und die Festlegung von Schutzmaßnahmen jetzt ausschließlich auf Grundlage der Gefahrstoffverordnung, die Regelungen zur Prüfung sind hingegen weiterhin Teil der Betriebssicherheitsverordnung. Betreiber und Arbeitgeber müssen nun vor allem die Dokumentation auf diese neuen Strukturen ausrichten, die geänderten Paragraphen und Anhänge berücksichtigen und gegebenenfalls Explosionsschutzdokumente anpassen. Von inhaltlichen Änderungen betroffen sind z.B. Prüfinhalte, Prüffristen oder Prüfzuständigkeiten. Zudem wird Explosionssicherheit nun nicht mehr einmalig vor Inbetriebnahme, sondern spätestens alle sechs Jahre geprüft. Auch müssen erlaubnispflichtige Anlagen mit Explosionsgefährdungen immer durch eine zugelassene Überwachungsstelle (ZÜS) geprüft werden, bei den nicht erlaubnispflichtigen dürfen dies auch „befähigte Personen“. Insgesamt hat der Arbeitgeber nun mehr Handlungsfreiheit, wobei er den Aufwand bei der Umsetzung aller Anforderungen nicht unterschätzen sollte.

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? Wie hat sich das Geschäft der Prüforganisationen seit der Deregulierung im Jahr 2008 entwickelt – welche Angebote sind hinzugekommen, wo sehen Sie weiteres Potenzial?

Brüggemann: Grundsätzlich können wir feststellen, dass die hohe technische Expertise und die lange Erfahrung unserer Mitglieder entlang der gesamten Wertschöpfungskette stark nachgefragt werden. Das gilt sowohl für Prüfungen als auch zur Unterstützung bei der sachgerechten Umsetzung der neuen Anforderungen.

? Welche Herausforderungen stellen Industrie 4.0 und die Digitalisierung aus Sicht des VdTÜV?

Brüggemann: Computergesteuerte Maschinen und Anlagen sind seit langem Stand der Technik in Deutschland. Neu sind die globale Verfügbarkeit großer Datenmengen, die Vernetzung und die neuen Möglichkeiten des Fernzugriffs auf Anlagen und Maschinen, aber auch auf Produkte des täglichen Gebrauchs. Neben den klassischen Sicherheitsthemen, die sich aus Auslegung und Wartung ergeben, kommen also weitere Problemstellungen hinzu, z.B. unautorisierte Zugriffe oder Manipulationen zu erkennen und verhindern

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