Bericht von der Namur-Hauptsitzung (2. Tag)

Namur-Typprüfung – aktuell wie nie

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„Auf dieser Basis lässt sich die Anlagenverfügbarkeit optimieren, etwa in dem man Prüfzyklen anpasst und eine vorbeugende Wartung auf der Basis identifizierter Schwachstellen anstößt“, nennt Hablawetz ein Beispiel. Wenn man viele Geräte vergleicht, lässt sich die Gebrauchsdauer von Geräten unter Einsatzbedingungen optimieren. Und die Datenbasis ist gewaltig. So bringen mehr als 40 Namur-Firmen seit 2001 ihre Daten in Bezug auf PLT-Sicherheitseinrichtungen ein oder praktisch ausgedrückt: Hier stehen rund 55000 PLT-Sicherheitseinrichtungen unter Beobachtung. „Doch nun ist es Zeit, die NE 93 gezielt weiter zu entwickeln“, gibt Hablawetz den weiteren Weg vor. Mit Namur.smart (SIS Malfunction Analysis and Reporting Tool) sollen neue Anforderungen globaler Sicherheitsstandards berücksichtigt werden. Dabei werden nicht nur PLT-Kreise sondern auch Einzelgeräte betrachtet und es soll vor allem proaktiv statt reaktiv gehandelt werden. Erklärtes Ziel ist es, die Namur-Stördatenerfassung und Namur.Smart international als Standard zu etablieren.

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Effiziente Automatisierung

Schon im vergangenen Jahr heiß diskutiert wurde das Thema der modularen Produktionsanlagen, welche einen enormen Effizienzgewinn versprechen. Allerdings können heutige Prozessleitsystemen nicht oder nur schwer diese Vorgänge nachbilden. „In den Anfängen wurde das Thema Automatisierung noch nicht so richtig angegangen“ erklärte Dr. Jens Bernshausen, Invite, die Problematik. Allerdings kam Bewegung in das Thema: Zunächst entstand eine Namurempfehlung (NE148) im Jahr 2013, vergangenes Jahr wurde das DIMA-Konzept von Wago vorgestellt. Derzeit entsteht eine herstellerneutrale Beschreibung von Modulen und Teilanlagen, die zurzeit von Namur und ZVEI spezifiziert wird. „Die Verwendung des Namur-MTP, soll erheblich zur Reduzierung des Engineering-Aufwands bei Neubau und Änderungen von bestehenden Anlagen beitragen. Und somit zu einer Verkürzung des „Time-to-Market“ und zur Erhöhung der Anlagenverfügbarkeit beitragen“, so Dr. Bernshausen. Das Namur-MTP entsteht unter Mitwirkung von Herstellern, Anwendern und Universitäten. Bereits im nächsten Jahr soll die Spezifikation hierfür stehen.

Zukunft proaktiv gestalten

Das Thema Automation Security rückt immer weiter in den Fokus der Anwender der Prozessautomatisierung. Allerdings gibt es nach wie vor immer noch zu viele Fragen und zu wenige Antworten. Moderne Automatisierungslösungen setzen im zunehmenden Maße offene und vernetzte Systemarchitekturen sowie Komponenten der Standard IT ein, häufig mit direkter oder indirekter Verbindung zum Internet. „Insellösungen in Produktionsbetrieben sind ein Auslaufmodell“, machte Martin Schwibach deutlich. „Hersteller favorisieren sowohl bei Hardware, als auch bei der Software und Kommunikationstechnik verstärkt auf diese Entwicklungen, die auch in der IT erfolgreich eingesetzt werden.“ So ist selbstverständlich, dass die Plattformen moderner Automatisierungssysteme auf modernen Standard PCs aufsetzen und z.B. Windows Technologien nutzen. Schon vor einigen Jahren wurde die Forderung laut, dass Security ein integrales Entwicklungs- und Designziel von Automatisierungssystemen werden muss.

Im Augenblick stellt sich die Situation anders dar: Es werden technische IT-Security- Maßnahmen zusätzlich zu den eigentlichen automatisierungstechnischen Komponenten eingebaut. „Dies führt zur Erhöhung der Komplexität von Automatisierungslösungen, die immer schwerer beherrschbar wird“, so Schwibach. Aus diesem Grund hatte Schwibach vor einem Jahr dazu aufgerufen, gemeinsam, also Anwender, Hersteller, Behörden und Hochschulen, ein sinnvolles Konzept zu erarbeiten, wie man den Gefahren begegnet. Dies mündete nun in der Namur Empfehlung NE 153 „Automation Security 2020 – Design, Implementierung und Betrieb industrieller Automatisierungssysteme.“ Ein Roadmap ist in Vorbereitung, erste Zwischenergebnisse sollen im vierten Quartal präsentiert werden. Einen Freibrief wird mit der NE153 übrigens nicht erteilt, wie Schwibach abschließend anmerkte: „Security kann man nicht kaufen, das muss man tun“.

Wer hat den Schlüssel für Global Excellence?

Die Aufgaben werden für die Automatisierer also nicht weniger. Für Martin Zeller, Bayer Crop Science ist die Automatisierung sogar der Schlüssel für Global Excellence. Zum einen lässt sich Verfahrens- und Anlagensicherheit nicht ohne Automatisierung erreichen, zum anderen sind die Vorgaben an Quantität und Qualität der Produktion ohne diese schlicht nicht möglich. Aber Zeller geht noch einen Schritt weiter: Auch eine Prozessverbesserung oder Optimierung lässt sich mit Mitteln der Automatisierung erreichen, etwa mit dem Einsatz von Soft-Sensoren. Auch sollte inzwischen eine datenbasierte statistische Analyse für schnelle Aussagen zur Prozessverbesserung möglich sein. Hemmend ist dabei, dass sich die dafür nötigen Daten allenfalls halbautomatisch verarbeiten lassen.

Das Problem dabei ist, dass viel Zeit damit verloren geht, die Daten so aufzubereiten, dass man sie auswerten kann. Sinnvoller wäre es, wenn die Entscheidungsfindung in Echtzeit stattfinden könnte. Eventuell zeigt schon die Namur-Hauptsitzung im nächsten Jahr, wie eine innovative und dennoch einfach handzuhabende Automatisierungs-Technologie Prozesse schnell und nachhaltig verbessern kann. Das Motto der nächsten Hauptsitzung, die von Yokogawa gesponsert wird, passt dazu ‚Lösungen zur Optimierung in der globalen Prozessindustrie‘.

Den Beitrag zum ersten Namur-Tag finden Sie hier:

Eine Video-Zusammenfassung der Namur finden Sie hier:

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