Klärschlammentsorgung Nachhaltiges Recyclingverfahren: Aus Klärschlamm wird phosphorhaltiger Dünger

Quelle: Pressemitteilung

Der Entsorgungsfachbetrieb Wiese Umwelt Service mit Sitz in Berga/Elster will im Chemie- und Industriepark Zeitz eine thermische Klärschlammverwertungsanlage bauen und 2024 in Betrieb nehmen. Aus der schadstoffarmen Asche wird ein phosphorhaltiger Dünger für den Ackerbau und sogar den Biolandbau in der Region erzeugt.

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Auf dem Gelände des Chemie- und Industrieparks Zeitz in Sachsen-Anhalt entsteht eine Recyclinganlage für Klärschlamm.
Auf dem Gelände des Chemie- und Industrieparks Zeitz in Sachsen-Anhalt entsteht eine Recyclinganlage für Klärschlamm.
(Bild: Infra-Zeitz Servicegesellschaft)

Magdeburg – Ein nachhaltiges Recyclingverfahren für Klärschlamm leistet bald einen aktiven Beitrag zur Ressourcenschonung und die regionale Kreislaufwirtschaft in Sachsen-Anhalt. Eine Verwertungsanlage in Zeitz soll eine bedarfsorientierte Lösung für die Verwertung von Klärschlamm bieten, die alle gesetzlichen Anforderungen erfüllt. Mit dem Bau wurde Wiese Umwelt Service beauftragt.

Das Kerngeschäft des Familienunternehmens ist die Kompostierung von kommunalen Klärschlämmen für die landwirtschaftliche Nutzung. Bis heute bewirtschaften das Unternehmen zwölf Kompostierungsanlagen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit einer gesamten stofflichen Verwertungsmenge von 300.000 Tonnen kommunalem Klärschlamm pro Jahr. Die kompostierten Schlämme werden auf den landwirtschaftlichen Nutzflächen direkt in den regionalen Nährstoffkreislauf rückgeführt. Doch mit den gesetzlichen Änderungen des Düngemittelrechts und der Klärschlammverordnung wird künftig die bodenbezogene Verwertung von Klärschlamm zunehmend erschwert. Wie Unternehmenschef Michael Wiese erklärt wird die Aufbringung von Klärschlämmen als Dünger in der Landwirtschaft rechtlich zunehmend eingeschränkt, und die Verpflichtung zur Wiedergewinnung des Phosphats rücke näher.

„Der Klärschlamm bietet aber ein sehr großes Recycling-Potenzial. Er enthält insbesondere den lebensnotwendigen Rohstoff Phosphor“, betont Wiese. Auf dem Gelände des Chemie- und Industrieparks Zeitz im südlichsten Zipfel Sachsen-Anhalts will seine Firma ihre neueste Idee realisieren. „Durch ein hochwertiges Recycling der phosphorhaltigen Asche“, sagt er, „können sehr hohe Phosphor-Rückgewinnungsraten aus dem Klärschlamm erzielt werden.“

Bei der Verwirklichung seiner Vision von einer umweltverträglichen Verbrennungsanlage mit Phosphataufbereitung hat Wiese einen erfahrenen Spezialisten für Klärschlammverwertung an seiner Seite. Das Unternehmen Emter aus Bayern baute selbst 2008 eine Klärschlamm-Monoverbrennungsanlage in Altenstadt. Für die Anlage der Firma Wiese in Zeitz wird die vorhandene Technologie weiterentwickelt. Die Klärschlämme sollen nach neuestem Stand der Technik thermisch verwertet und anschließend die nährstoffreiche Asche zu einem hochwertigen phosphorhaltigen Langzeitdünger recycelt werden. Zudem fände durch die Verbrennung eine vollständige Zerstörung aller im Klärschlamm enthaltenen organischen Schadstoffe statt, betont Wiese.

Begrenzte Ressourcen in Krisenländern

Das Verfahren sei somit ein Schlüssel zur Lösung des anstehenden Problems: Ab 2029 ist die Rückgewinnung von Phosphor aus dem Klärschlamm von Kläranlagen mit einer Ausbaugröße für mehr als 100.000 Einwohner gesetzlich vorgeschrieben, ab 2030 für mehr als 50.000 Einwohner. „Phosphor“, erklärt Wiese, „ist ein lebensnotwendiger Nährstoff für alle Organismen. Denn ohne Phosphor gibt es kein Wachstum. Doch die Ressource ist begrenzt, zudem oft mit Cadmium und Uran belastet. Deutschland muss Phosphate importieren. Aber die limitierten Abbauvorkommen sind auf wenige, zum Teil politisch instabile Länder begrenzt.“

Die Kläranlagenbetreiber aus der Region hat Wiese mit im Boot. Denn sie müssen bis Ende 2023 darlegen, welche Phosphorrückgewinnungsmaßnahmen sie planen. „Auch die Landwirte im Umland haben ein großes Interesse an dem hier hergestellten hochwertigen Dünger“, weiß Michael Wiese von seinen langjährigen Kunden. Kunstdünger werde schon seit einigen Jahren immer teurer. Aktuell würden wohl auch die ausbleibenden Stickstoff- und Phosphatlieferungen aus Russland und damit verbunden die steigenden Düngepreise am Weltmarkt die Nachfrage nach einem regional hergestellten Phosphatdüngemittel erhöhen.

Unterstützt wird er von der Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt und vom Chemie- und Industriepark Zeitz. Das geschlossene Gelände biete günstige Bedingungen für dieses Vorhaben, so Arvid Friebe, Geschäftsführer der Infra-Zeitz Servicegesellschaft, die den Park betreibt. „Jährlich 100.000 Tonnen entwässerter Klärschlämme aus dem Dreiländereck Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen könnten auf Straßenrouten innerhalb des Parks die Anlage anfahren, ohne dass die Transporte von der Bevölkerung wahrgenommen werden“, betont Friebe. Auch Sorgen bezüglich der Geruchsbelästigung kann er entkräften: „Der Klärschlamm wird in einen geschlossenen Bunker gekippt, aus dem die Luft kontinuierlich abgesaugt und in die Verbrennung geleitet wird. Dadurch entsteht im Bunker ein leichter Unterdruck, der das Ausdringen von Gerüchen in die Umgebung verhindert.“

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Auch Thomas Böhm, Amtsleiter für Wirtschaftsförderung des Burgenlandkreises, sieht die Anlage im Chemie- und Industriepark gut angesiedelt, wo sich bereits zahlreiche Unternehmen zu „grünen Konzepten“ zur Bewältigung des Strukturwandels verpflichtet haben.

„21 neue Arbeitsplätze werden in der Gemeinde Elsteraue nahe Zeitz entstehen, etwa 19.650 Tonnen Phosphatdüngemittel können hier jährlich produziert und an die Kunden der umliegenden Agrarwirtschaften geliefert werden“, prognostiziert Michael Wiese und beschreibt das Herstellungsverfahren: „Bei Anlieferung besteht der Klärschlamm zu 75 % aus Wasser. Für eine autarke Verwertung muss er vor der Monoverbrennung zur Steigerung des Heizwertes getrocknet werden. Dieser Prozess erfolgt durch die beiden effizienten Bandtrockner. Die anschließende Rostfeuerung verbrennt den vollgetrockneten Klärschlamm im Dauerbetrieb bei 850°C ohne zusätzliche Brennstoffe. Die Rostfeuerung ist eine speziell auf den Materialstrom Klärschlamm angepasste Verbrennungsart. Dabei entstehende Rauchgase werden in einer Anlage mit Biofilter nach derzeit neuestem Stand der Technik gereinigt. Alle gesetzlich geforderten Emissionsgrenzwerte werden durch die Gestaltung der Rauchgasreinigung eingehalten. Im nächsten Prozessschritt wird die schadstoffarme Asche behandelt, damit sich der darin enthaltene Phosphor in eine pflanzenverfügbare Form umwandelt. Das Düngergranulat als Endprodukt entsteht in einem eigens für die Anlage entwickelten energiesparenden thermischen Aufschlussverfahren.“ Die Aufbereitung der Asche zu einem marktfähigen Düngemittel vor Ort in Zeitz werde überregionale Aschetransporte vermeiden.

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