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VDMA-Trendanalyse

Heißt der nächste Pharmamulti Apple?

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Herr Dr. Golz, sein Hausarzt, freut sich über einen Bonus derselben Krankenkasse. Er betreut 40 Programmteilnehmer als Wellness-Coach und übermittelt deren anonymisierte Gesundheitsdaten zur wissenschaftlichen Auswertung, die unter Leitung der 2021 gegründeten EU-Behörde für die Nutzenbewertung von Arzneimitteln und Medizinprodukten, European Health Technology Assessment Institution (EHTAI) stattfindet. Der EHTAI ist es in den letzten Jahren gelungen, auf Basis der so genannten „Real World Evidence“ der gesammelten Gesundheitsdaten:

  • die Wechselwirkung von Arzneimitteln besser zu verstehen und entsprechende Medikationsrichtlinien zu erlassen,
  • den therapeutischen Nutzen von Arzneimitteln auch nach der Zulassung kontinuierlich, effizient und genau zu überwachen und entsprechend regulatorisch zu reagieren,
  • Bioverfügbarkeit und Dosierung von Arzneimitteln weniger an der Durchschnittspopulation sondern an patientenindividuellen Parametern zu orientieren,
  • die Auswahlkriterien von Probanden für klinische Studien entscheidend zu verbessern,
  • die durch fehlende Patientenadhärenz entstehenden Systemkosten in der EU um mehrere Milliarden Euro/Jahr zu senken.

Wie viel von der Vision 2032 wohl Wirklichkeit wird?

So fremd uns heute die Welt von Morten Schlothauer und Dr. Golz im Jahr 2032 erscheinen mag, so sprechen doch viele Entwicklungen für den Eintritt eines solchen oder ähnlicher Szenarien:

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  • Die geschilderten Technologien sind heute alle bereits vorhanden und die technologische Entwicklung wird sich weiter beschleunigen.
  • Die datenbasierte Medizin als Baustein der integrierten Patientenversorgung ist auf dem Vormarsch.
  • Die Pharmaindustrie fokussiert sich seit Jahren auf personalisierte Medizin, in der Onkologie ist sie bereits Standard.

Und schließlich sprechen wirtschaftliche Gründe für unsere Vision der Welt im Jahr 2032:

  • Allein der deutsche Markt für Multimedikation von Patienten mit einem Alter von über 65 Jahren beträgt 6,6 Milliarden Euro und hochgerechnet für Europa, Japan und die USA 118 Milliarden Euro.
  • Fehlende Patientenadhärenz führt allein in den die USA zu Systemkosten von jährlich 100 bis 290 Milliarden Dollar und zu geschätzten 125 000 jährlichen Todesfällen.

Auch für die Frage, wer mögliche Treiber der aufgezeigten Entwicklung sein können, ergeben sich seit Kurzem interessante Antworten:

  • Im Januar erklärten Amazon, Berkshire Hathaway und JP Morgan Chase, einen Gesundheitsdienstleister für ihre mehr als eine Million Mitarbeiter zu gründen.
  • Apple will im Frühjahr zwei Gesundheitszentren eröffnen, um in diesen Kliniken mit seinen Mitarbeitern Technologien im Gesundheitswesen zu testen.

Bedeutung des Szenarios für den Maschinenbau

Wie viel des aufgezeigten Szenarios tatsächlich real wird, ist schwer abzuschätzen. Die Autoren halten in den nächsten zehn bis 15 Jahren einen Marktanteil von bis zu 20 % für möglich, mit entsprechenden Folgen für die Wertschöpfungsketten der Pharmaindustrie und der Zulieferindustrien.

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