Achema 2024-Eröffnung Habeck, die Prozessindustrie und der eindringliche Aufruf zur internationalen Zusammenarbeit

Von Wolfgang Ernhofer 3 min Lesedauer

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Bei der Achema-Eröffnung am Montagabend beleuchteten Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck sowie Vordenker aus Finanzsektor, der chemischen Industrie und Zulieferindustrie, wie sich die Prozessindustrie unter neuen globalen Rahmenbedingungen positionieren kann und muss. Dabei waren sich alle einig, dass die Prozessindustrie für die Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft unverzichtbar sei und internationale Zusammenarbeit das Gebot der Stunde, um die vielfältigen Herausforderungen zu meistern.

Mit seinen Grußworten eröffnet Wirtschaftsminister Robert Habeck die Achema.(Bild:  Ernhofer / PROCESS)
Mit seinen Grußworten eröffnet Wirtschaftsminister Robert Habeck die Achema.
(Bild: Ernhofer / PROCESS)

In seiner Eröffnung betonte Bundeswirtschaftsminister Dr. Robert Habeck die Rolle der Prozessindustrie als Motor für wirtschaftliches Wachstum und gesellschaftlichen Fortschritt: „Chemie- und Pharmatechnik, Biotechnologie und Umwelttechnologien bergen ein enormes Potenzial für eine nachhaltigere Wirtschaft“, sagte der Minister und führte dafür Beispiele an, die von der nachhaltigen Produktion von Gütern des täglichen Bedarfs bis zur Entwicklung neuer Arzneimittel, von energieeffizienten Anlagen bis zu digitalisierten, aber effizienteren Anlagen reichen.

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Die Achema-Innovationsthemen Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Labortechnik, Pharma, Prozesstechnik und Wasserstoff verdeutlichen laut Habeck die zentrale Bedeutung der Prozessindustrie für die Transformation unserer Wirtschaft und Gesellschaft insgesamt: „Diese Themen sind nicht nur Schlagworte, sondern das Fundament, auf dem wir die Zukunft bauen“, so der Minister.

„Für unsere Disziplinen war Wegducken noch nie eine Option“

In seiner Begrüßungsrede ging Dr. Klaus Schäfer, Vorsitzender der Dechema und ehemaliger CTO von Covestro, auf die Herausforderungen ein, denen sich die Prozessindustrie gegenübersieht: zunehmende Instabilität und teilweise protektionistische Tendenzen in der Handelspolitik, der Wandel zu mehr Nachhaltigkeit, die Entwicklung der Wasserstoffwirtschaft und das Bestreben nach Rohstoffsicherung. Diese Entwicklungen rühren laut Schäfer an tief verwurzelte Gewissheiten und führen dazu, dass einige sich wegducken hinter etablierten – wenn auch veralteten – Technologien und Grenzen schließen – auch die Grenzen des Geistes. „Für unsere Disziplinen war Wegducken aber noch nie eine Option – Innovation und das Denken über Grenzen hinweg liegt in unserer DNA. Und dafür werden Sie in der Ausstellung und im Kongress der Achema 2024 viele herausragende Beispiele finden“, so Schäfer.

Achema-Impressionen: 1. Tag
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Die aufkommende Wasserstoffwirtschaft, aber auch neue Konzepte zur Energieerzeugung, -nutzung und -speicherung oder die Vision einer Kreislaufwirtschaft erforderten ein noch engeres Zusammenspiel und gemeinsame Ideen für unser Wirtschaftssystem. „Trotz aller Herausforderungen, denen wir uns derzeit stellen, müssen wir neue Wege der internationalen Zusammenarbeit finden. Diese muss auf Vertrauen beruhen, sie muss fair sein und sie erfordert gemeinsam akzeptierte Ziele. Fairness bedeutet auch gleiche Wettbewerbsbedingungen in Bezug auf die rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen; die Festlegung gemeinsamer Ziele setzt voraus, dass wir uns der Interessenkonflikte bewusst sind und versuchen, sie aktiv zu bewältigen.“

Zukunftsgerichtete Prozessindustrie: Schlüssel zum Gelingen der Transformation

In der nachfolgenden Podiumsdiskussion beleuchteten Julia Schlenz, Präsidentin Dow Deutschland, Österreich und Schweiz, Marcus Miertz, Vorstandsmitglied bei Samson, und Dr. Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW Bankengruppe, kritisch beispielhafte Herausforderungen und diskutierten mögliche Lösungswege.

„Die Transformation der chemischen Industrie zur CO2-Neutralität ist ein vielschichtiger und komplexer Prozess. Viele der dafür notwendigen Technologien, um zum Beispiel unsere Produktionsanlagen umzustellen, müssen erst noch entwickelt, skaliert und implementiert werden. Gleichzeitig sind viele unserer Produkte essenziell für die Transformation. Deshalb setzen wir mit Nachdruck auf Innovationen und sind uns bewusst, dass eine zukunftsgerichtete Prozessindustrie der Schlüssel zum Gelingen der Transformation ist“, so Schlenz. Sie plädierte zugleich dafür, technologieoffen zu bleiben, regulatorische Rahmenbedingungen entsprechend zielgerichtet zu setzen und der Industrie die Möglichkeit und das Vertrauen zu schenken, die besten Technologien und Verfahren zur Erreichung der gemeinsamen Ziele zu finden.

Miertz zeigte sich davon überzeugt, dass die Zukunft der Prozessindustrie stark von Innovationen in den Bereichen Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Effizienz geprägt sein wird. Entscheidend werde dabei der Einsatz von künstlicher Intelligenz sein. Diese Technologien können dazu beitragen, die Effizienz zu steigern, Fehler zu reduzieren und die Qualität der Produkte zu verbessern. „Insgesamt sind wir zuversichtlich, dass die Prozessindustrie durch diese Entwicklungen neue Chancen und Möglichkeiten nutzen kann, um sich weiterzuentwickeln und zu wachsen“, so Miertz.

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„Klimaneutralität und Digitalisierung erfordern einen massiven Wandel und große Investitionen in allen Sektoren, aber sie bieten auch große Chancen für künftiges Wachstum und Beschäftigung“, betonte Köhler-Geib. In Europa befänden wir uns trotz der Herausforderungen dank einer starken Innovationskraft in einer guten Position. „Darauf müssen wir aufbauen“, so ihr Apell.

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