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China Market Insider Für gefährliche Einsätze: Baidu stellt autonomen Bagger vor

Von Henrik Bork

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Beim Anblick eines fahrerlosen Baggers, der wie von Geisterhand bewegt schweres Geröll wegschaufelt oder eine Grube aushebt, bitte nicht erschrecken! Die chinesische Internet-Firma Baidu hat gerade gemeinsam mit der Universität Maryland in den USA ein „autonomes Baggersystem“ entwickelt, mit dem die schweren Baumaschinen künftig ohne Baggerfahrer auskommen sollen.

Mit dem Format „China Market Insider“ berichtet PROCESS regelmäßig über den chinesischen Chemie- und Pharmamarkt.
Mit dem Format „China Market Insider“ berichtet PROCESS regelmäßig über den chinesischen Chemie- und Pharmamarkt.
(Bild: ©sezerozger - stock.adobe.com)

Peking/VR China – Die AES (für „Autonomous Excavator System“) getaufte Entwicklung ist Ende Juni in einem wissenschaftlichen Artikel im Magazin „Science Robotics“ vorgestellt worden. Baidu hat parallel dazu in einer Pressemeldung in Peking selbstbewusst nichts weniger als eine „Revolution für die Bauindustrie“ angekündigt.

Baidu, als Ersatz für das in China aus Zensurgründen gebannte Google mit seiner Internet-Suchmaschine groß geworden, investiert seit mehreren Jahren heftig in KI und dessen Anwendungen in Robotik und autonomem Fahren, weil die Einnahmen aus Anzeigen im Internet kontinuierlich schrumpfen. In der Bauindustrie arbeite man mit mehreren führenden Herstellern zusammen, um neue Technologien zu entwickeln, heißt es in der Presseerklärung zu AES.

„Wir beabsichtigen, unsere robuste und sichere Plattform zu nutzen, um - gekoppelt mit leistungsstarker Künstlicher Intelligenz und Cloud-Anwendungen - die Bauindustrie zu modernisieren,“ sagte Haifeng Wang, der CTO von Baidu, anlässlich der Veröffentlichung des Artikels mit dem eher sachlichen Titel “Ein autonomes Bagger-System für Material-Lade-Aufgaben”.

Gefahrguthandling ohne Gefährdung

Auf einem Youtube-Video ist der fahrerlose Bagger dabei zu sehen, wie er fleißig Berge giftiger Materialien in bereitstehende Behälter lädt oder Erde hin- und herbewegt. Er hat einen Fahrersitz, der in dem Video jedoch verwaist bleibt.

Im Vergleich zu Robotern oder autonomen Fahrzeugen in der Fertigungsindustrie oder in Lagerhäusern seien die Herausforderungen an Bagger - und damit auch an deren menschliche Führer - ungleich höher, schreibt Baidu auf seiner Webseite. Die Maschinen seien nicht nur größer, sondern müssten auch oft „in gefährlichen Umgebungen operieren“ und mit schwierigen Wetterbedingungen fertigwerden. Auch hier wieder gilt natürlich dasselbe für die Baggerfahrer.

In der Bauindustrie gebe es einen Mangel an Baggerfahrern. Ausserdem kämen bei Unfällen - etwa bei Einstürzen von Gebäuden oder dem plötzlichen Wegsacken ganzer Erdschichten - allein in dem USA in jedem Jahr rund 200 Menschen bei Baggerarbeiten ums Leben, schreibt Baidu.

Die Bauindustrie und der Absatz von Baggern aber erlebt derzeit einen Boom - unter anderem wegen der Vielzahl von Infrastruktur-Projekten im Zuge der Digitalisierung. Der globale Markt für Bagger habe Baidu zufolge 2018 einen Wert von 44,12 Milliarden US-Dollar (rund 37,15 Milliarden Euro) Wert erreicht. Bis 2026 soll er Prognosen zufolge schon Umsätze von 63,14 Milliarden US-Dollar (rund 53,16 Milliarden Euro) erreichen, schätzt Baidu.

AES nutze „akkurate Algorithmen in Echtzeit für die Umgebungserkennung, die Planung und Kontrolle“, um eine fahrerlosen Einsatz von Baggern verschiedenster Größenklassen zu ermöglichen, gab die Internet-Firma bekannt. Mehr als 24 Stunden am Stück könne ein Gerät mit AES ununterbrochen im Einsatz sein, und habe in mehreren Tests 67,1 Kubikmeter Material pro Stunde bewegt, was in etwa der Leistung eines erfahrenen Baggerführers entspreche, so Baidu.

LIDAR macht es möglich

Bagger mit AES seien mit LIDAR-Sensoren für die Entfernungs-Messung, mit Kameras und Spezialgeräten für die kinematische Positionsbestimmung in Echtzeit (RTK für „real-time kinematics“) ausgerüstet, heißt es chinesisch-sprachigen Veröffentlichungen über die neue Technologie. Es handele sich also um ein „multi-modulares“ System verschiedener Sensoren, mit denen Zielobjekte wie Materialhaufen, bereitstehende LKWs oder Hindernisse jeder Art zuverlässig erkannt werden können, schreibt das chinesische Robotik-Portal Jiqi Zhixin.

„AES arbeitet konsistent und verlässlich über längere Zeitspannen, während die Leistung von menschlichem Bedienungspersonal unsicher sein kann,“ zitiert Baidu Zhang Liangjun, einen der an der Entwicklung beteiligten Experten und Leiter von „Baidu Robotics“.

* Henrik Bork, langjähriger China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau, ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking. „China Market Insider“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Vogel Communications Group, Würzburg, und der Jigong Vogel Media Advertising in Beijing.

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