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5. Digital Plant Kongress

Digital Plant: Wer bremst da?

| Autor / Redakteur: Hans-Jürgen Bittermann / Matthias Back

155 Teilnehmer diskutieren beim 5. Digital Plant Kongress über Visionen, Wünsche und Realitäten bei den digitalen Planungsprozessen im Anlagenbau. Es geht voran - aber die Dynamik könnte besser sein, urteilen Vortragende wie Teilnehmer.
155 Teilnehmer diskutieren beim 5. Digital Plant Kongress über Visionen, Wünsche und Realitäten bei den digitalen Planungsprozessen im Anlagenbau. Es geht voran - aber die Dynamik könnte besser sein, urteilen Vortragende wie Teilnehmer. (Bild: Stefan Bausewein/PROCESS)

Heuer bereits zum 5. Mal diskutieren auf dem Digital Plant Kongress im Vogel Convention Center Würzburg Fach- und Führungskräfte aus den Bereichen Prozessindustrie, Anlagenbau, Anlagenplanung, Anlagenkonstruktion und Instandhaltung essentielle Fragen rund um die ‚Digitale Fabrik‘: Wie lassen sich Projekte und Planungsprozesse im Anlagenbau effizienter und kostengünstiger gestalten? Wie helfen technische Entwicklungen im Mobile Computing wie z.B. Datenbrillen dabei, Betrieb und Planung weiter zu optimieren?

Würzburg – Michael Heberle, Air Liquide Global E&C Solutions, eröffnete den ersten Tag des Digital Plant Kongresses mit dem Thema ‚Gewerkeübergreifender Datenaustausch als Effizienzfaktor‘ – es ist dies nach wie vor DAS Thema der Branche überhaupt. Über intelligente Schnittstellen und die Nutzung von Daten unterschiedlicher Planer diskutieren IT-Anbieter und IT-User im Grunde schon seit Jahren. Für Aufmerksamkeit sorgten die Hinweise von Heberle zur Nutzung von Kommunikationsplattformen wie Google Drive und dass man die wichtigen Engineering-Tools in der Cloud zur Verfügung stelle - ob er da keine Bedenken wegen der Datensicherheit habe, wurde er in der Diskussionsrunde gefragt. Heberle zeigte keine Bedenken; mehrere Teilnehmer sehr wohl.

Auch wenn im ersten Vortrag durchaus 'modern times' zur Sprache kamen - generell scheint es bei der Umsetzung der Digital Plant entsetzlich wenig Bewegung zu geben: Seit Jahren diskutiert man über Themen wie Schnittstellen, Standardisierung und integriertes Datenmanagement im globalen Engineering. Und dann hört man beim 5. Digital Plant Kongress von einem international aktiven Konzern, wo sich der IT-Chef mit 200 Planungs-Tools herumschlägt. Oder man staunt darüber, dass beim großen Chemie-Unternehmen nur ein Teil der P&ID-Schemata als intelligent zu bezeichnen sind - und noch weniger in die Kategorie 3D-Modell fallen. Wer bremst da?

BASF startet Projekt Team Digital Plant

Es ist zumeist wohl der langjährig aktive Planer, der sich gegen Änderungen bei aus seiner Sicht bewährten Planungsabläufen stemmt, unterstützt durch ein eher desinteressiertes Top-Management.

Was ist gegen so viel Bremskraft zu tun? Bei der BASF will man die Digital Plant seit etwa einem Jahr mit einem 20köpfigen, intensiv auch zum Thema Change Management geschulten Projekt-Team forcieren: Das Team begleitet die Ingenieur-Kollegen bei realen Projekten, gibt konkrete Tipps zur Nutzung digitaler Tools, wie der Projektleiter Dr. Dieter Traub berichtet. Mit die wichtigsten Randbedingungen dabei: D as Management unterstützt diese Vorgehensweise aktiv top-down, die 20 Mitarbeiter des Teams sind für diese Initiative quasi hauptamtlich tätig, machen den Job nicht nur nebenbei. Traub zeigt sich überzeugt davon, dass insbesondere über die wiederholte Nutzung des digitalen Modells über den gesamten Lebenszyklus der Anlage sich ein deutlicher Zeitvorteil ergibt - und dass die längere Anlagennutzung auch nennenswerte Kostenvorteile bietet. Traub: "Wir müssen dazu aber konsequent digital bleiben, Qualität geht über Geschwindigkeit!"

Vorteile der digitalen Anlage besser kommunizieren

Vielleicht muss man das Thema Digital Plant bereits im Grundsatz breiter aufstellen, um die Vorteile klarer zu machen: Konzentriert man sich in der Argumentation auf schnellere Planungszeiten, wird sich der eine oder andere Planer nicht angesprochen fühlen - er ist ja auch tatsächlich beim einzelnen Loop nicht in jedem Fall mit den digitalen Tools schneller. Der Vorteil ergebe sich in der Regel erst bei der Wiederverwendung dieses Loops - dann steige in der Tat die Produktivität, war in Würzburg zu hören.

Oder man müsse kommunizieren, dass beispielsweise mit einem Walktrough-Tool durch das mögliche Training des Personals die Fehlbedienungen zurückgehen - das berichtet beispielsweise Andreas Geiss (Siemens) nach dem Einsatz von Comos Walk Through beim Kunden Total. Auch bei der Instandhaltung seien praktische Vorteile keine reine Theorie, wenn dem Mitarbeiter per Tablet vor Ort Wartungs- oder Reparaturhinweise gegeben werden können.

Auch dieser Aspekt kam immer wieder zur Sprache: Wer eine Anlage perfekt dokumentiere, leiste einen wichtigen Beitrag zur Sicherung von Know-how im Unternehmen bzw. zur Wissensvermittlung an jüngere Ingenieure.

Zum Ausklang des ersten Tages wurde es leicht melancholisch: Was denn die Utopie bei der Digital Plant sei? Es sei dies eine Anlage, die sich selbst überwacht, korrigiert und die Prozesseabläufe abfährt. Die Anlage als Blackbox. Diese Digital Plant bräuchte allerdings kein Personal mehr. Das autonom fahrende Automobil ist ja mehr oder weniger bereits verfügbar - auch da ist der Fahrer entbehrlich. Schöne neue Welt?

Weitere Informationen zum Digital Plant Kongress finden Sie auch auf unserer Webseite zum Event.

* Der Autor ist freier Mitarbeiter bei PROCESS.

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