Die Achema zum ersten mal seit ihrer Verschiebung wieder als Live-Event – Nach einigem hin und her öffnet die Leitmesse der Prozessindustrie im August ihre Tore. Trotz großer Vorfreude auf das bevorstehende Treffen sind die Erwartungen gemischt. Die Achema zwischen Ukrainekrieg und abebbender Pandemie.
Die Achema 2018 war eine der größten aller Zeiten. In diesem Jahr wird voraussichtlich alles kleiner, trotzdem ist die Vorfreude groß.
(Bild: Dechema e.V / Jean-Luc Valentin)
Keine Zeit zum Durchatmen: Gerade meint die Prozessindustrie, mit dem Corona-Impfstoff die Welt gerettet zu haben, da kommt auch schon die nächste Krise. Mit Beginn des Krieges in der Ukraine sind längst überwunden geglaubte Gespenster zurück in Europa. In Zeiten der Handelskriege und Energieknappheiten kann die Industrie nicht die Augen davor verschließen, dass 2022 kein gewöhnliches Achema-Jahr sein wird.
Und trotzdem bemüht sich die Dechema um Zuversicht: Nach einer doppelten Verschiebung sollen im August 2022 endlich die Weichen für eine Rückkehr von Messe und Industrie auf die große Bühne gestellt werden.
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Schließlich seien es gerade Chemie-, Pharmaindustrie und Umwelt-Verfahren, welche die entscheidenden Lösungen für die Herausforderungen von Gegenwart und Zukunft bieten könnten, erklärt Thomas Scheuring, Geschäftsführer der Dechema Ausstellungs-GmbH und quasi oberster Achema-Macher: „Mit der Achema setzen wir dieses Jahr – vielleicht mehr denn je – ein Zeichen dafür, dass technologische Zusammenarbeit über Branchengrenzen, aber auch über Ländergrenzen hinweg unverzichtbar ist, um die bedeutenden Krisen unserer Zeit zu lösen.“ Der Messeveranstalter sieht besonders die fünf Bereiche klimaneutrale Produktion, Kreislaufwirtschaft, Industriewasser, nachhaltige Chemie und biobasierte Wirtschaft gefordert.
Daher gibt sich die Weltleitmesse der Chemie dieses Jahr mit dem Motto „Inspiring Sustainable Connections“ zwar nicht besonders einfallsreich, dafür aber maximal progressiv. Das Motto soll sich nicht nur auf Plakaten und Internetpräsentationen wiederfinden, sondern selbstverständlich auch in Ausstellung und Kongress „leben“, erklärt die Dechema.
Für alle Produkte und Verfahren, die sich dem Ziel der Nachhaltigkeit verpflichtet sehen, haben die Achema-Veranstalter in Halle 6.0 (der „Forschungshalle“ neben dem zentralen Torhaus) die „Green Innovation Zone“ aus der Taufe gehoben. Diese soll Vorreiter, Experten und Lösungsanbieter aus Industrie, Politik und Wissenschaft mit Entscheidungsträgern und Anwendern zusammenbringen und grüne Innovationen und die Herausforderungen der Prozessindustrie auf dem Weg zur klimaneutralen Produktion beleuchten. Dabei wollen die Messemacher auch gemeinnützige Organisationen, kleine Firmen oder Start-Ups einbeziehen, für die es Sonderkonditionen gibt.
Defossilierung im Fokus der Chemie
Und auch die Eröffnungsveranstaltung am Montag, den 22. August 2022 (ab 17:00 Uhr) will nichts weniger als die „Klimaneutrale Chemische Industrie“ – dazu bringt die Achema den BASF-CEO und Präsidenten des europäischen Chemieverbands Cefic, Martin Brudermüller, für einen Impulsvortrag mit anschließender Podiumsdiskussion auf die Bühne. Doch wieviele Möglichkeiten dafür hat die energie- und rohstoffintensive Branche überhaupt?
(Bild: Dechema)
„Die Prozessindustrie wird ihrer Verantwortung für eine nachhaltige Wertschöpfung nur dann gerecht, wenn sie ihre Anlagen konsequent und zu 100 Prozent elektrifiziert und mittelfristig Wasserstoff als Energiequelle einsetzt“, glaubt Frank Jenner, Global Chemicals & Advanced Materials Industry Leader bei Ernst & Young. „Die Branche unternimmt hier bereits große Anstrengungen, und die Herausforderung ist riesig – aber sie kann gelingen.“
Megathema Wasserstoff steht auf der Achema im Zentrum
Ob das die Aussteller auch so sehen? Darauf hat die Dechema natürlich keinen Einfluss. Beim Kongressprogramm jedenfalls zeigt sich, wie die Achema-Macher Nachhaltigkeit buchstabieren wollen: Vom Wasserstoff-Montag (mehr über das Thema Wasserstoff auf der Achema finden Sie auf S. 32) über die „Fossil Free Production“ am Dienstag werden zwei Kernthemen der Debatte eindrucksvoll bespielt. Technologischer wird es Mittwoch und Donnerstag, die sich jeweils der Digitalisierung des Labors bzw. der Produktion widmen.
Das Dauerbrenner-Thema „Digitalisation in Process Industry“ findet sich auch in der neuen Ausstellungs- gruppe „Digital Hub“ (Halle 12.1). Und weil es ohne neue biotechnologische Verfahren nicht geht, steht der Freitag mit dem Motto „Novel Bioprocesses and Technologies“ für neue Biopharmazeutika, biobasierte Feinchemikalien oder biotechnologisches Recycling.
Dr. Björn Mathes, stellvertretender Geschäftsführer der Dechema- Ausstellungs-GmbH, ergänzt: „Als Branchenplattform können wir in unseren Vortragsformaten und in den Diskussionen an den Ständen einen Nukleus schaffen, in dem die Branche gemeinsam an einer Lösung arbeitet.“
Für die „Laborratten“ der Zukunft werden auf der Aktionsfläche „Digital Lab“ fünf Use Cases zum vernetzten und digitalisierten Labor präsentiert, die smarte Forschung von morgen erlebbar machen wollen. Dazu gehören herstellerübergreifende Digitalisierungslösungen und relevante Praxisbeispiele.
Das Spektrum reicht dabei von Cobot-assistierten Arbeitsprozessen für die Probenvorbereitung und -analyse, über benutzerorientierte Prozessführung mit Laboratory-Execution-Systemen bis hin zu horizontal und vertikal vernetzten und modular anpassbaren Gerätelösungen – immer mit der Perspektive zur gemeinsam genutzten Laborinfrastruktur und der nahtlosen Integration vom Probeneingang hin zum qualitätsgesicherten Analyseergebnis, erklären die Organisatoren.
Stand: 08.12.2025
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Achema in neuen Zeiten
„Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Versorgungssicherheit – die anstehenden Herausforderungen sind enorm und lassen sich nur gemeinsam und branchenübergreifend bewältigen“, so Thomas Scheuring. „Lassen Sie uns deshalb die Achema als weltweit einzigartige Gesamtschau der aktuellen Techniktrends unserer Branche nutzen, um zusammen Lösungen zu finden und anzugehen.“
Grün, Klima, nachhaltig und Kreislaufwirtschaft – das klingt ein bisschen nach Naturfreunde-Ortsgruppe und nur wenig nach Chemieindustrie. Ob und wie ernst es der Branche wirklich mit dem Wandel von Saulus zum Paulus ist, wird sich zeigen müssen, sollten tatsächlich Rohstoffe oder Energie knapp werden und ein Wettlauf um die begehrten Ressourcen beginnen. Die Industrie jedenfalls scheint das alte Lagerdenken hinter sich lassen zu wollen.