Pumpen in der Abwasserbehandlung Den Dreh raus: Die Rohrpost für Schlamm hält den Prozess im Fluss

Von Dominik Stephan 3 min Lesedauer

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Wenn kommunale Wasserversorger sich mit der Anschaffung moderner Pumpentechnik beschäftigen, spielen Umweltaspekte als auch wirtschaftliche Erwägungen eine maßgebliche Rolle. Aber natürlich darf man bei all dem das Medium nicht vergessen, insbesondere, wenn es sich um eine zähe Substanz mit geringem Wasseranteil handelt.

Eingedickter Klärschlamm geht auf Reisen – per Rohrpost und mit Seepex Smart Air Injection.(Bild:  Seepex)
Eingedickter Klärschlamm geht auf Reisen – per Rohrpost und mit Seepex Smart Air Injection.
(Bild: Seepex)

Entwässerte Schlämme - das klingt für Laien erst einmal widersprüchlich. In der Abwasserbehandlung sind derartige Medien aber nicht so ungewöhnlich – nicht selten müssen die derartig vorgetrocknete Rückstände über weite Strecken gefördert werden. Das geht sogar vergleichsweise effizient und mit Niederdruck, wenn man clever die Vorteile zweier Fördertechnologien – Pumpenförderung mittels Exzenterschneckenpumpe und pneumatische Dichtstromförderung – kombiniert.

Im südholsteinischen Hetlingen hatte ein lokales Klärwerk nach dem Umbau der Klärschlammentwässerung die Feststoff-Fördertechnik ins Visier genommen: Hier war eine effiziente und gleichzeitig flexible Lösung gefragt, da die Bestandsanlage vergleichsweise verschachtelt ist. Fündig wurde man bei den Bottroper Pumpenexperten Seepex – das Smart Air Injection (SAI) genannte Verfahren kann „Pfropfen“ komprimierter Klärschlämme bis zu einen Kilometer lang auf die Reise schicken, ein Ansatz der bereits über 60 Kunden in In- und Ausland überzeugt.

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Wie geht der Klärschlamm auf die Reise? Das Video der Exzenterschneckenpumpen-Experten zeigt, wie SAI in der Praxis funktioniert:

Weniger Energieverbrauch, weniger Wartung und kein Geruch

Doch wie läuft die Rohrpost für den Dickschlamm? „Der Klärschlamm wird über eine Zentrifuge auf einen Trockenstoffgehalt von 23 - 25 Prozent Trockensubstanz entwässert und gelangt von dort aus über einen Fallschacht in die Trichterpumpe. Sie fördert ins Rohr, wo sich der Seepex typische Pfropfen bildet. Damit er noch besser durch die Rohrleitung gelangt, wird er mit einem Gleitmittel ummantelt. Durch kurzweilige Druckluftinjektionen ist das Rohr nie ganz gefüllt, es bilden sich kleine „Pakete“ des Feststoffes, die durch das System geschossen werden. Fluide sorgen für eine weitere Scherverdünnung“, fassen die Seepex-Entwickler die technische Seite zusammen.

„Die Reduktion der Druckluftverluste um den Faktor zehn macht das System im Vergleich zu anderen so besonders effizient“, so Dr. Stephan Mottyll, Leiter des Produktmanagement bei den Pumpenexperten. Der Seepex-Spezialist ist überzeugt, dass so der um bis zu 72 Prozent reduziert werden könnte. Zudem sei die SAI-Fördertechnik langlebig und wartungsarm, da es durch den reduzierten Einsatz von Druckluft es weniger Verschleiß gebe. Darüberhinaus sorgt das "Maintain-in-Place"-Konzept des Herstellers dafür, dass Antrieb, Gelenk und andere Verschleißkomponenten einfach zugänglich sind, während das Gehäuse eingebaut bleiben kann.

DAS PUMPEN-FORUM 2023

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Ein weiterer großer Vorteil gerade im Bereich der Klärschlamm-Entsorgung: Das geschlossene System mit Reinigungsfunktion sorgt für Geruchsneutralität.

Energieeinsparungen verbessern Energiebilanz

Das Klärwerk Hetlingen arbeitet für über 40 Städte und Gemeinden und versorgt über 500. 000 Einwohner in Südholstein. Pro Jahr werden rund 31 Millionen Kubikmeter Wasser gereinigt und nach erfolgter Aufbereitung in die Elbe geleitet. Den entstehenden Schlamm befördert die neue Seepex-Förderung in Schlammverladesilos, wobei ein vertikaler Anstieg von 30 Metern zu überwinden ist.

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Anschließend führt ein 60 Meter langer Hochschacht zu den Silos von denen der Schlamm direkt auf die Ladefläche von LKW verladen wird. Er landet dann in Verbrennungsanlagen und wird dort thermisch verwertet. Nach den ersten Erfahrungen mit der Seepex-Technik ist man in Hetlingen zufrieden, wie Projektleiter Stefan Holzwarth bestätigt: „Es stellt sich jetzt dar, dass wir mit SAI gleichzeitig den Wartungsaufwand reduzieren, weniger Eingriffe im Betrieb tätigen müssen und die Energieeinsparungen große Vorteile für die Klimaschutzmaßnahmen bieten.“

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