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Unterschiede zwischen den Branchen
Hinsichtlich der Unterschiede in den Industriebranchen fällt auf, dass die Fertigungsindustrie meist durch eine deutlich höhere Produkten- und Variantenvielfalt gekennzeichnet ist. Hieraus ergeben sich entsprechende Anforderungen an die MES-Anwendungen, insbesondere bei der Produktionsplanung sowie bei der Steuerung von Fertigungsaufträgen und Teilaufträgen. Die Zwischen und Endprodukte in der Fertigungsindustrie werden häufig aus einer hohen Anzahl von Einzelkomponenten zusammengefügt. Weiterhin ist der Herstellprozess in diesem Industriezweig eher durch stark verkettete Anlagen mit wenigen Zwischenpuffern gekennzeichnet. Aus diesen Gründen werden MES-Anwendungen in der Fertigungsindustrie oft auch zur Steuerung verketteter Produktionsschritte verwendet. Diese Merkmale der Fertigungsindustrie setzen daher die wirksame Beherrschung einer anspruchsvollen Versorgungskette voraus. MES-Anwendungen müssen hier im Vergleich höheren Anforderungen hinsichtlich der Aktualität, Vollständigkeit, Konsistenz und Geschwindigkeit von Datenmengen gerecht werden. In Fertigungsanlagen sind häufig viele Anlagenbereiche unterschiedlicher Hersteller anzutreffen, die nicht selten auch eine heterogene DV- und MES-Landschaft mit sich bringen. Übergeordnete, insbesondere bereichsübergreifende Leitsysteme haben sich in der Fertigungsindustrie im Gegensatz zur Prozessindustrie weniger durchgesetzt.
Herstellvorschriften werden im Rezeptmodul des MES definiert
Die in der diskreten Fertigung üblichen Stücklisten und Fertigungspläne eignen sich hingegen in der Prozessindustrie meist weniger für die vollständige Abbildung und Modellierung der dort vorherrschenden Arbeitsabläufe. Die MES-Anwendung in der Prozessindustrie muss hingegen in der Lage sein, Struktur und Parameter der Rezepte aus den angeschlossenen Zielsystemen als Stammdaten, aber auch als Bewegungsdaten für die Steuerung und Dokumentation von Produktionsaufträgen zu erfassen und in geeigneten Datenbankstrukturen abzuspeichern.
In der Prozessindustrie werden die Herstellvorschriften (d.h. die Grundrezepte) nicht im ERP-System definiert, wie dies häufig in der diskreten Fertigung praktiziert wird, sondern im Rezeptmodul des MES oder PLS. Die Grundrezepte selbst müssen sehr speziellen Test- und Validierungsprozeduren unterzogen werden, bevor sie für den Herstellprozess freigegeben werden dürfen. Die letztgenannten Aspekte sind insbesondere in der Pharma-, aber auch in der Lebensmittelindustrie von überragender Bedeutung für die Gewährleistung der Produktsicherheit.
Archivierungszeiträume erstrecken sich meist über
Jahre
Die meisten Messwerte in der Prozessindustrie werden kontinuierlich in Messwertkurven bzw. Trends erfasst und archiviert. Die Archivierungszeiträume erstrecken sich in der betrieblichen Praxis meist über
Jahre. Da die Messwerte und somit die Kurvendarstellungen sich sehr schnell ändern können, muss die Archivierung entsprechend robust ausgelegt sein. Standard-SQL-Datenbanken sind in diesem Umfeld wegen ihrer geringen Performance weniger geeignet. Deshalb kommen hier spezielle Datenbanken zum Einsatz, die sich für die Verarbeitung großer, sich schnell ändernder Messwerte eignen und spezielle Algorithmen zur Komprimierung und Reduzierung der erfassten Datenmengen nutzen.
* Quelle: "Manufacturing Execution Systems (MES) - Branchenspezifische Anforderungen und herstellerneutrale Beschreibung von Lösungen", herausgegeben vom ZVEI - Zentralverband Elektrotechnik und Elektronikindustrie e.V., Fachverband Automation
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