Im ständig aktuellen Newsticker fasst die PROCESS-Redaktion das Geschehen in der Branche kompakt zusammen. Ob Chemie-, Pharma-, oder Lebensmittelindustrie, alle verfahrenstechnischen Themen werden – ebenso wie politische und wirtschaftliche Nachrichten zur Prozessindustrie – zusammengefasst.
Frankfurt/Main (dpa) *15:39 Uhr – Chemiebranche fürchtet Lieferkettenengpässe wegen Iran-Krieg
Die deutsche Chemieindustrie warnt vor Störungen in den Lieferketten wegen des Kriegs im Iran. Grund sei die Blockade der Straße von Hormus, die längst nicht nur die Öl- und Gasversorgung betreffe. «Es besteht die Sorge ernster, zunehmender Versorgungsengpässe bei Rohstoffen - zum Beispiel bei Ammoniak und Phosphat, Helium und Schwefel», berichtet der Verband der Chemischen Industrie (VCI) in Frankfurt. Es gebe erste Hinweise auf Störungen bei internationalen Lieferketten.
Betroffen von der Blockade der Straße von Hormus seien etwa Düngemittel, denn 20 Prozent des Welthandels mit Ammoniak würden aus Nahost durch die Meerenge geliefert, sagte Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup. Bei Schwefel verlaufe 50 Prozent des Seehandels durch die Straße von Hormus. Schwefelsäure ist essenziell etwa für Düngemittel und Chemikalien. «Bei Helium hat die Chipindustrie bereits erhebliche Sorgen, weil 40 Prozent des weltweiten Heliums aus Katar kommt», sagte er. «Hier geht es um Elektronikindustrie, Halbleiterfertigung und Luft und Raumfahrttechnik.»
Je länger der Krieg dauere, desto heftiger seien die Folgen. Die hohen Preise und die anhaltende Unsicherheit brächte viele Betriebe an ihre Grenzen, sagte Große Entrup. «Strategische Planung ist immer weniger möglich. Stattdessen fahren die Unternehmen auf Sicht.»
Der Iran-Krieg trübt die Aussichten für die seit Jahren schwächelnde Chemiebranche, die unter hohen Energiepreisen, Überkapazitäten am Weltmarkt und der schwachen Wirtschaft leidet. Der VCI zog seine Prognose für 2026 zurück. Zuletzt hatte er eine stagnierende Produktion in der Chemie- und Pharmaindustrie erwartet und für die Chemie allein einen Rückgang um ein Prozent. In den vergangenen vier Jahren seien in Europa bereits rund zehn Prozent der chemischen Produktionskapazitäten stillgelegt worden, sagte Große Entrup.
Viele Chemiekonzerne haben wegen der Krise Sparprogramme aufgelegt. So baut Branchenführer BASF Tausende Jobs ab: Rund 4.800 Beschäftigte haben den Konzern zwischen Ende 2023 und Ende 2025 verlassen.
2025 litt die Chemie- und Pharmabranche mit 478.000 Beschäftigten unter Nachfrageschwäche und billiger Konkurrenz aus China. Der Umsatz fiel um 1,4 Prozent auf 219,6 Milliarden Euro. In der konjunktursensiblen Chemie sank die Produktion um 3,3 Prozent, in der Pharma-Branche stieg sie dagegen um 4,5 Prozent.
Die Gewerkschaft IG BCE warnt vor einem Kahlschlag in der deutschen Chemieindustrie wegen Überkapazitäten. Es bestehe die Gefahr eines «unkontrollierten Kapazitätsabbaus» in der chemischen Grundstoffproduktion, sagte der IG-BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis. Damit drohe der Verlust kompletter Industriecluster.
Viele Grundstoffhersteller erwägen laut der Gewerkschaft Schließungen von Anlagen, weil sich am Weltmarkt Überkapazitäten bei Grundchemikalien von geschätzt 20 Prozent gebildet haben. In der Chemie, wo Grundchemikalien als Ausgangsstoffe für Folgeprodukte wie Kunststoffe, Medikamente und Farbstoffe dienen, sorgt das für Preisdruck. Vassiliadis appellierte an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), sich für die Branche einzusetzen.
12.03.2026
Paris (dpa) *18:37 Uhr – Totalenergies setzt Ölförderung in Nahost teils aus
Der französische Ölkonzern Totalenergies dürfte trotz Produktionsunterbrechungen in Nahost wegen des Iran-Krieges vom Ölpreisanstieg profitieren. Die Produktion in Katar, im Irak und vor der Küste der Vereinigten Arabischen Emirate (UAE) sei eingestellt oder werde aktuell eingestellt, teilte das Unternehmen mit. Das entspreche rund 15 Prozent der Gesamtförderung des Konzerns. Die Produktion auf dem Festland der UAE sei nicht betroffen.
Der gestiegene Ölpreis dürfte den Ausfall zudem mehr als ausgleichen. So reiche ein Anstieg des Preises für Öl der Sorte Brent um 8 US-Dollar je Barrel (159 Liter) aus, um den Finanzmittelfluss des operativen Geschäfts aus dem Irak, Katar und Offshore UAE auf Basis von 60 Dollar je Barrel auszugleichen. Brent-Öl kostete am Donnerstagabend zuletzt gut 97 Dollar je Barrel. Ende Februar, vor dem Angriff der USA und Israels auf den Iran, hatte der Preis bei rund 73 Dollar gelegen.
Hohn (dpa/lno) *04:30 Uhr – Schnelle Regulierung von Ewigkeitschemikalien gefordert
Stand: 08.12.2025
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Schleswig-Holsteins Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne) warnt davor, dass die sogenannten Ewigkeitschemikalien PFAS ins Grundwasser gelangen. PFAS steht für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen - die künstlichen Chemikalien sind sie in Alltagsprodukten wie Outdoor-Kleidung, Teflonpfannen oder Löschschäumen enthalten.
«PFAS machen in vielen Anwendungen unser Leben leichter und sind gleichzeitig eine schwere Hypothek für die Gesundheit künftiger Generationen, weil sie sich im Wasser anreichern und krank machen können», sagte der Grünen-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Am Nachmittag will der Minister das neue Spurenstoffzentrum in Reinfeld im Kreis Stormarn besuchen.
Im Februar war bekanntgeworden, dass 31 Brunnen am Fliegerhorst Hohn im Kreis Rendsburg-Eckernförde mit PFAS belastet sind. Nach Angaben des Kreises untersucht die Bundeswehr seit längerem ihre Militärstandorte auf Altlasten. 2019 wies man auf dem Gelände erstmals erhöhte PFAS-Werte im Bereich des Feuerlöschübungsbeckens nach. Die Verunreinigungen entstanden vor allem durch den Einsatz von PFAS-haltigem Feuerlöschschaum bei Übungen, der damals noch erlaubt war.
Diverse Ewigkeitschemikalien stünden im Verdacht, krebserregend zu sein, sagte Goldschmidt. Auch eine Hormonwirksamkeit sei gegeben. «Mit solchen Stoffen ist Vorsicht geboten. Aber bis auf wenige Ausnahmen sind PFAS bislang nicht reguliert, leider nicht mal in unseren Wasserschutzgebieten.» Dabei bedrohten sie die Gesundheit.«Deshalb ist völlig klar: Wir müssen uns besser vor PFAS schützen.»
Einmal im Wasserkreislauf, blieben die Chemikalien so gut wie ewig bestehen. «Deshalb hat der Schutz unserer Gewässer besondere Bedeutung», sagte Goldschmidt. Notwendig sei eine Beschleunigung des EU-Regulierungsverfahrens.
Der Minister verwies auf ein Sonderprogramm der schwarz-grünen Landesregierung. In den kommenden fünf Jahren stehen 3,5 Millionen Euro für das Monitoring von PFAS in Boden und Grundwasser sowie für die Unterstützung der Kommunen für die Erkundung und Sanierung von belasteten Standorten bereit. «Mit dem Sonderprogramm gehen wir einen wichtigen Schritt weiter. Unsere Böden, Gewässer und unser Trinkwasser müssen besser geschützt werden», sagte Goldschmidt.
PFAS kommen nicht natürlich vor und überdauern je nach Stoff extrem lange in der Umwelt - daher die Bezeichnung Ewigkeitschemikalien. Sie stehen unter anderem im Verdacht, Leberschäden sowie Nieren- und Hodenkrebs zu verursachen. Aufgrund ihrer einzigartigen Merkmale werden die Substanzen in einer großen Zahl vor allem in industriellen Produkten und Alltagsgegenständen verwendet.
11.03.2026
München (dpa) *14:21 Uhr – Wacker Chemie: erneute Verluste in diesem Jahr möglich
Nach einem hohen Verlust 2025 drohen dem Chemiekonzern Wacker in diesem Jahr erneut rote Zahlen. Der oberbayerische Konzern erwartet für dieses Jahr vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen ein Ergebnis von 550 bis 700 Millionen Euro, wie Vorstandschef Christian Hartel und Finanzvorstand Tobias Ohler in München erläuterten. Doch ob davon am Ende nach Abzug der Steuern und der übrigen Kosten unter dem Strich ein Nettogewinn übrig bleiben wird, ist fraglich: «Es ist noch nicht klar, ob wir eine schwarze Null schaffen», sagte Ohler.
Der Iran-Krieg und dessen mögliche Auswirkungen sind in die Prognose noch gar nicht eingerechnet. Wacker war 2025 mit einem Nettoverlust von 805 Millionen Euro tief in die roten Zahlen gerutscht. Vorstand und Aufsichtsrat wollen deswegen in diesem Jahr keine Dividende zahlen. Die deutschen Standorte einschließlich des großen Stammwerks im oberbayerischen Burghausen sind nach Ohlers Worten «im Verlust». «Die chemische Industrie ist 2025 unter enormen Druck geraten», sagte Hartel.
Der Konzern ist nach Firmenangaben führender Hersteller hochreinen Polysiliziums, dem Grundmaterial für Computerchips. Weitere Geschäftsbereiche sind Silikone, aus denen unter anderem Harze und Öle hergestellt werden können, sowie Polymere für die Herstellung von Lacken oder Klebstoffen. Beide Bereiche entwickelten sich schlecht, auch das nach wie vor gut laufende Geschäft mit den Chipherstellern konnte das nicht ausgleichen, ebenso wenig die kleine Biotechnologie-Sparte.
«Wir sehen momentan keine Trendwende», sagte Hartel - bezogen nicht nur auf Wacker, sondern auf die Chemieindustrie insgesamt. In Deutschland sind die hohen Energiekosten nach Worten der Manager ein schwerer Nachteil, insbesondere weil die chinesische Chemieindustrie große Überkapazitäten aufgebaut hat und die Preise chemischer Erzeugnisse auf dem Weltmarkt deshalb fallen.
Der Wacker-Vorstand will mit einem Sparprogramm und dem Abbau von 1.500 Stellen gegensteuern, letzteres zum Großteil in Deutschland. Derzeit laufen noch die Verhandlungen mit dem Betriebsrat. Hartel appellierte an die Arbeitnehmervertreter, schnell zu einer Einigung zu kommen: «Je länger wir warten, desto umfangreicher werden die Einschnitte werden.» Ende 2025 beschäftigte Wacker weltweit 16.000 Menschen.