Im ständig aktuellen Newsticker fasst die PROCESS-Redaktion das Geschehen in der Branche kompakt zusammen. Ob Chemie-, Pharma-, oder Lebensmittelindustrie, alle verfahrenstechnischen Themen werden – ebenso wie politische und wirtschaftliche Nachrichten zur Prozessindustrie – zusammengefasst.
Leuna/Premnitz (dpa) *12:30 Uhr – Chemiekrise spitzt sich zu – Domo-Tochterfirmen insolvent
Hohe Energiekosten, ein zunehmend schwieriger internationaler Wettbewerb, Materialknappheit – seit Monaten schlägt die Chemieindustrie Alarm. Erst kurz vor Weihnachten fand im sächsischen Böhlen der «Chemiegipfel Ostdeutschland» statt, bei dem Branchenexperten und Politik über Auswege aus der Krise berieten. Wenige Tage später nun die nächste Hiobsbotschaft – drei deutsche Tochtergesellschaften des belgischen Chemieunternehmens Domo Chemicals haben Insolvenz angemeldet.
«Das Tagesgeschäft geht an allen Standorten weiter, Fertigung und Belieferung der Kunden laufen ohne Unterbrechung», sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Lucas Flöther. Betroffen sind insgesamt 585 Mitarbeiter in Leuna (Sachsen-Anhalt) und Premnitz (Brandenburg), sie wurden am Vormittag über die Situation informiert. Die Löhne und Gehälter sind für drei Monate über das Insolvenzgeld gesichert. Zunächst hatte die «Mitteldeutsche Zeitung» darüber berichtet.
Flöther will sich jetzt ein genaues Bild von der wirtschaftlichen Situation machen und Sanierungsoptionen prüfen. «Wir versuchen, den Betrieb zu stabilisieren», sagte er der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Denkbar seien etwa eine Investorenlösung oder eine Einigung mit den Gläubigern. Die deutschen Unternehmen der Domo-Gruppe würden zu den Technologieführern ihrer Branche gehören, so Flöther. Zuletzt waren Gespräche über die weitere Finanzierung kurzfristig gescheitert.
Die Insolvenzanträge betreffen ausschließlich die drei deutschen Unternehmen der Domo-Gruppe. Die meisten Mitarbeiter sind in Leuna beschäftigt, bei der Domo Chemicals GmbH sind es rund 35, bei der Domo Caproleuna GmbH etwa 480. In Premnitz hat die Domo Engineering Plastics GmbH rund 70 Mitarbeiter. Die drei Unternehmen gehören zu Domo Chemicals, einer Unternehmensgruppe mit Hauptsitz in Gent (Belgien).
Die Gruppe fertigt und vermarktet laut dem Insolvenzverwalter weltweit Polymere, technische Kunststoffe und Hochleistungsfasern für Kunden in der Automobilbranche, für Konsum- und Industriegüter sowie Elektrotechnik und Elektronik. Diese Kunststoffe werden auch im Bauwesen und für Verpackungen verwendet.
Die Insolvenz könnte auch Auswirkungen auf andere Firmen in der Region haben, etwa solche, die Stoffe an Domo liefern. Man müsse jetzt vermeiden, dass bei anderen Unternehmen eine größere Betroffenheit entstehe, sagte Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Sven Schulze (CDU) der dpa. «Daran wird gearbeitet.» Schulze ist grundsätzlich optimistisch, was die Lösungssuche angeht. Die Probleme bei Domo würden nicht bei den Unternehmen in Sachsen-Anhalt, sondern in anderen Bereichen der Gruppe liegen, so der Minister.
Die chemische Industrie steht seit Monaten unter erheblichem Druck. «Die Lage der deutschen chemischen Industrie erfüllt uns alle mit großer Sorge», sagte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kurz vor Weihnachten im Bundestag. Unter anderem hatte der US-Konzern Dow Chemical vor einigen Monaten bekanntgegeben, dass ein Teil seiner Anlagen in Schkopau (Sachsen-Anhalt) und Böhlen (Sachsen) Ende 2027 geschlossen werden soll.
Der Steamcracker in Böhlen ist eine zentrale Anlage, die aus Rohbenzin chemische Grundstoffe herstellt. Diese Anlage steht am Anfang der chemischen Wertschöpfungskette. Es wird befürchtet, dass eine Abschaltung viele angeschlossene Unternehmen im Osten in Gefahr bringen könnte. Merz betonte, dass derzeit Gespräche über eine Nachnutzung des Geländes geführt würden. Laut der Gewerkschaft IG BCE arbeiten in der chemisch-pharmazeutischen Industrie in Ostdeutschland rund 63.000 Menschen.
27.12.2025
Hannover (dpa/lni) *05:31 Uhr – Minister zur Chemieindustrie: Wir müssen in den Krisenmodus
Niedersachsens Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne sieht die Chemieindustrie im Land in einer schweren Krise und dringt auf rasches politisches Handeln. «Die Lage der Chemieindustrie ist extrem angespannt», sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Die Produktionsauslastung liege derzeit nur noch bei rund 70 Prozent und sei damit wirtschaftlich nicht tragfähig. «So schlecht war die Situation in der Chemieindustrie schon lange nicht mehr.»
Tonne betonte die zentrale Bedeutung der Branche für den Wirtschaftsstandort. «Chemische Produkte stehen am Anfang nahezu jeder Wertschöpfungskette. Wir brauchen sie für so gut wie alles.» Zugleich gehe es um den Erhalt von Jobs. «Wir sind Industrieland und wir bleiben Industrieland. Wir wollen diese Arbeitsplätze hier bei uns behalten», sagte der Minister.
Stand: 08.12.2025
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Niedersachsen habe mit einem Positionspapier sechs Vorschläge vorgelegt, die von anderen Ländern wie Nordrhein-Westfalen aufgegriffen worden seien. Nun müssten diese auf Bundesebene gebündelt werden. Tonne fordert unter anderem Anpassungen beim EU-Emissionshandel, realistische Grenzwerte unter tatsächlichen Produktionsbedingungen sowie einen «wirklich wirksamen Industriestrompreis» für die energieintensive Branche.
Der SPD-Politiker sieht einen wesentlichen Grund für den Druck auf die Unternehmen im zunehmenden Wettbewerb durch Anbieter aus China. Diese fluteten bewusst auch die Märkte in Niedersachsen, um Preise zu drücken. «Das ist ein massiver Wettbewerbsdruck für unsere Unternehmen», sagte er.
Als Reaktion auf die angespannte Lage hatte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) vor zwei Wochen zu einem Chemie-Gipfel eingeladen. Auch Tonne war vor Ort. Das Treffen markierte den Auftakt eines Arbeitsgruppenprozesses. Bis zum Frühjahr kommenden Jahres soll eine Strategie mit kurz- und mittelfristigen Maßnahmen für die Branche erarbeitet werden: die Chemieagenda 2045.
«Der Gipfel hätte mehr echte Ergebnisse bringen müssen», kritisierte Tonne. Der weitere Zeitplan sehe ein wenig nach «Business as usual» aus. Die Arbeitsgruppen seien zwar nicht verkehrt. «Wir müssen aber in den Krisenmodus, damit uns die Industrien nicht wegbrechen», betonte der Minister. Das Treffen in Berlin könne nur der erste Schritt sein. «Es reicht nicht, wenn der Bund sagt, er höre uns zu.» Jetzt müsse es um die Umsetzung gehen. «Wir haben keine Zeit zu verlieren», sagte Tonne.
23.12.2025
Schwedt (dpa) *16:19 Uhr – Raffinerie: Keine Gefahr für Grundwasser nach Öl-Austritt
Das Leck an der Ölpipeline der Raffinerie PCK im Nordosten Brandenburgs hat nach Angaben des Unternehmens keine Beeinträchtigung des Grundwassers verursacht. Proben an vier Messstellen seien unauffällig gewesen, teilte die PCK am Nachmittag mit. «Somit wurde der Nachweis erbracht, dass keine Gefährdung des Grundwassers vorliegt.» Die Analyse der Gewässer gehe aber noch weiter.
Am 10. Dezember hatte sich bei Gramzow in der Uckermark ein Unfall an der Öl-Pipeline ereignet. Sie ist eine wichtige Versorgungsader für die PCK-Raffinerie in Schwedt. Mindestens 200.000 Liter Öl waren in einer bis zu 20 Meter hohen Fontäne herausgeschossen. Der Unfall geschah bei Vorbereitungsarbeiten für einen Sicherheitstest. Die Pipeline ging nach einem Ausfall von 80 Stunden wieder in Betrieb.
Auch das Oberflächenwasser zeigt laut Unternehmen nach mehreren Proben keine Auffälligkeiten. Die Sanierungsarbeiten am Boden gingen unterdessen voran. In einem rund einen Hektar großen Bereich um die sogenannte Pipeline-Schieberstation, in dem sich der Großteil des ausgetretenen Öls befand, wurden etwa 2.000 Kubikmeter belastetes Erdreich abgetragen. Die Arbeiten dort seien weitgehend abgeschlossen.
Die PCK sei zuversichtlich, dass der Umweltschaden durch schnelles Handeln und konsequentes Vorgehen auf ein Minimum reduziert werden konnte, wie es hieß. Die Untersuchungen zur Ursache des Vorfalls dauern an. Bis zum Abschluss der Prüfungen will sich das Unternehmen nicht näher dazu äußern.
19.12.2025
Magdeburg (dpa/sa) *16:21 Uhr – 36 Millionen Euro für Chemiepark Bitterfeld-Wolfen
Die Produktion von Batteriezellen in Sachsen-Anhalt soll durch Mittel des Bundes gefördert werden. Der Chemiepark Bitterfeld-Wolfen soll 36 Millionen Euro vom Bundeswirtschaftsministerium erhalten, wie die Staatskanzlei mitteilte. Dort entsteht eine Multiproduktionsanlage für Lithiumsalze in Batteriequalität.
«Mit Projekten wie der neuen Multi-Produktionsanlage von AMG Lithium in Bitterfeld-Wolfen schaffen wir Zukunftsperspektiven im Herzen unseres Mitteldeutschen Reviers», erklärte Ministerpräsident Reiner Haseloff. Das Vorhaben zeige, «wie industrielle Wertschöpfung, technologische Souveränität und nachhaltige Produktion bei uns zusammenfinden können».
Leuna (dpa/sa) *14:11 Uhr – Bioraffinerie Leuna startet Produktion von Holzchemikalien
In der Bioraffinerie in Leuna hat das finnische Unternehmen UPM mit der Produktion und Vermarktung der ersten Chemikalien aus Holz begonnen. «Das Erreichen dieses Meilensteins ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Vollbetrieb in Leuna», sagte Massimo Reynaudo, Präsident und Geschäftsführer von UPM. Die Raffinerie habe mit der Produktion von Industriezucker begonnen.
Das finnische Unternehmen investiert im Chemiepark knapp 1,2 Milliarden Euro. Es ist nach Unternehmensangaben die weltweit erste kommerzielle Bioraffinerie, die Holz in biobasierte Chemikalien umwandelt.
In der Bioraffinerie sollen statt aus fossilen Stoffen wie Erdöl aus Holz chemische Grundstoffe hergestellt werden. Diese könnten dann unter anderem in PET-Verpackungen, Textilien oder Kosmetika verwendet werden. Das Unternehmen rechnet damit, in der ersten Hälfte des kommenden Jahres weitere kommerzielle Produkte auf den Markt zu bringen.
Das Biotech-Unternehmen Miltenyi Biotec investiert rund zehn Millionen Euro in den Ausbau seiner Produktionskapazitäten am Standort Teterow. Geplant ist eine neue Fertigungshalle, in der Einweg-Schlauchsets in speziellen Reinräumen unter sterilen Bedingungen konfiguriert, verpackt und kontrolliert werden. Die Nachfrage sei in diesem Jahr um 30 Prozent gestiegen, sagte ein Unternehmenssprecher.
Der erste Spatenstich erfolgte im Beisein von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) und Firmenchef Stefan Miltenyi. In der Halle sollen vier neue Produktionslinien entstehen. Am Standort Teterow sind etwa 570 Mitarbeiter beschäftigt, deren Zahl sich mittelfristig durch die Erweiterung um bis zu 50 erhöhen könnte.
Schwesig erinnerte daran, dass sich vor rund 20 Jahren, als sich Miltenyi Biotec in Teterow angesiedelt habe, dort knapp 100 Menschen arbeiteten. Mittlerweile sei Teterow die zweitgrößte Niederlassung des Unternehmens und der größte Arbeitgeber in der Gegend.
Miltenyi Biotec hat seinen Hauptsitz in Bergisch-Gladbach (Nordrhein-Westfalen) und gilt als eines der führenden Unternehmen in der Zell- und Gentherapie. Es geht um individualisierte Lösungen für Patienten, wobei Abwehrzellen des körpereigenen Immunsystems so verändert werden, dass sie Krebs oder Autoimmunkrankheiten im menschlichen Körper bekämpfen.
Das Pharmaunternehmen hatte 2002 das Werk der gescheiterten Plasma-Select in Teterow (Landkreis Rostock) übernommen und die eigene Produktion dort schrittweise ausgebaut. Weltweit beschäftigt das Unternehmen nach eigenen Angaben mehr als 4.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in zahlreichen Ländern. Der Hauptumsatz entfällt mit knapp 60 Prozent auf den US-Markt.
Mainz/Tübingen (dpa) *11:05 Uhr – Curevac-Übernahme durch Biontech wird im Januar vollendet
Nach Ablauf einer weiteren Frist soll die Übernahme des Biotechnologieunternehmens Curevac durch Biontech im Januar komplett abgeschlossen werden. Zum Ende einer Nachangebotsfrist an diesem Donnerstag waren 86,75 Prozent der Curevac-Anteile in Biontech-Papiere getauscht, wie Biontech in Mainz mitteilte. Bei den restlichen Curevac-Anteilen erfolge dieser Schritt nun im Laufe des Januars 2026.
Eine außerordentliche Hauptversammlung von Curevac hatte dem Prozedere zugestimmt, dass auch dann verbliebene Anteilsscheine umgetauscht werden, wenn der jeweilige Anteilseigner dies nicht tue. Im Laufe des Januars werden die Mainzer dann also wie angestrebt 100 Prozent am einstigen Konkurrenten aus Tübingen halten, Curevac-Scheine werden nicht mehr zum Handel zugelassen sein.
Das ist der Endpunkt des Mitte Juni angekündigten großen Deals in der deutschen Biotechnologie-Landschaft. Seinerzeit hatte Biontech 5,46 US-Dollar für jede Curevac-Aktie angesetzt. Das entspricht einer Bewertung des Tübinger Unternehmens von etwa 1,25 Milliarden US-Dollar (1,08 Mrd Euro). Konkret getauscht wurden und werden Curevac-Aktien in Biontech-Aktienhinterlegungsscheine («American Depositary Shares», kurz: ADS). Die für das Zustandekommen der Übernahme nötige Mindestannahmeschwelle von 80 Prozent war schon zu einer Frist Anfang Dezember überschritten worden.
Biontech und Curevac waren einst Kontrahenten im Rennen um einen Corona-Impfstoff. Während die Mainzer mit ihrem Vakzin gegen Covid-19 auf mRNA-Basis weltbekannt wurden und Milliarden verdienten, zog Curevac seinen ersten Impfstoffkandidaten wegen vergleichsweise geringer Wirksamkeit aus dem Zulassungsverfahren zurück. Nun soll die Expertise von Curevac dazu beitragen, dass Biontech der Zulassung von Krebstherapien auf mRNA-Basis näherkommt.
17.12.2025
Berlin/Leuna (dpa) *16:00 Uhr – Merz: «Lage der chemischen Industrie erfüllt uns mit Sorge»
Die Bundesregierung ist derzeit nach eigenen Angaben in Gesprächen mit dem US-amerikanischen Chemieunternehmen Dow Chemical, um über eine Nachnutzung von Anlagen im mitteldeutschen Chemiedreieck zu diskutieren. Wenn eine Nachnutzung des Betriebsgeländes systematisch verhindert würde, werde er das nicht akzeptieren, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bei der Regierungsbefragung im Bundestag. «Die Lage der deutschen chemischen Industrie erfüllt uns alle mit großer Sorge.»
Was derzeit bei Dow Chemical passiere, drohe auch an anderen Standorten in Deutschland zu geschehen, wenn die Rahmenbedingungen für die chemische Industrie in Deutschland nicht schnell besser würden. Dow Chemical hatte vor einigen Monaten bekanntgegeben, dass ein Teil seiner Anlagen in Schkopau (Sachsen-Anhalt) und im sächsischen Böhlen Ende 2027 geschlossen werden soll.
Der sogenannte Steamcracker in Böhlen ist eine zentrale Anlage, die aus Rohbenzin chemische Grundstoffe herstellt. Diese Anlage steht am Anfang der chemischen Wertschöpfungskette. Es wird befürchtet, dass eine Abschaltung viele angeschlossene Unternehmen in der Region in Gefahr bringen könnte. Merz betonte, dass derzeit Gespräche über eine Nachnutzung des Geländes geführt würden.