Saarbrücken (dpa/lrs) *14:18 Uhr – EU-Kommission genehmigt Beihilfe für Vetter-Ansiedlung
Das Saarland freut sich über grünes Licht aus Brüssel für die geplante Ansiedlung des Pharmadienstleiters Vetter in
Saarlouis: Die EU-Kommission hat mitgeteilt, sie habe eine staatliche Beihilfe Deutschlands in Höhe von 47 Millionen Euro für Vetter Pharma genehmigt. Die Beihilfe entspreche den Prioritäten der EU, weil sie zur Bereitstellung erschwinglicher Arzneimittel und der Schaffung von Arbeitsplätzen beitrage, teilte die Kommission in Brüssel mit. Es werde mit mindestens 1.200 direkten Arbeitsplätze sowie weiteren indirekten Arbeitsplätzen gerechnet.
Vetter hatte im Juni 2024 angekündigt, auf dem Ford-Gelände in Saarlouis in den folgenden Jahren für mehrere Hundert Millionen Euro eine Produktionsstätte errichten zu wollen. Dafür sollten unter anderem 50 Hektar der bisher unbebauten Ford-Flächen genutzt werden.
«Heute ist ein guter Tag für Saarlouis», teilte der SPD-Fraktionsvorsitzende Ulrich Commerçon in Saarbrücken mit. «Damit wird der Weg freigemacht, um bei uns künftig Arzneimittel in hochmodernen Verfahren abfüllen zu können.» Es sei «ein entscheidender Schritt, damit dort, wo zuletzt Unsicherheit und Sorge herrschten, wieder Hoffnung und Perspektiven wachsen können». Mitte November hatte Ford in Saarlouis die Fahrzeug-Produktion eingestellt.
Laut EU-Kommission wird mit der staatlichen Beihilfe die Errichtung einer neuen Anlage für die aseptische Abfüllung von injizierbaren Arzneimitteln in Durchstechflaschen und Spritzen in Saarlouis unterstützt.
Böhlen (dpa) *14:03 Uhr – Krise der Ost-Chemie – «Chemiegipfel» in Böhlen geplant
Angesichts der Krise in der ostdeutschen Chemieindustrie planen Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften in der kommenden Woche einen «Chemiegipfel Ostdeutschland». Dabei sollen in Böhlen bei Leipzig fünf Forderungen an die Bundesregierung übergeben werden, um die Chemie-Standorte zu erhalten und die Jobs in der Branche zu sichern.
Die Lage sei dramatisch, strukturelle Verbesserungen müssten her, erklärte Nora Schmidt-Kesseler, Hauptgeschäftsführerin der Nordostchemie-Verbände. Dazu zählten wettbewerbsfähige Energiepreise und schnellere Genehmigungsverfahren.
Zu dem Treffen am 15. Dezember werden nach Gewerkschaftsangaben die Wirtschaftsminister von Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt erwartet. Die Forderungen an die Bundesregierung sollen an die Ostbeauftragte Elisabeth Kaiser übergeben werden.
Laut Gewerkschaft IG BCE arbeiten in der chemisch-pharmazeutischen Industrie in Ostdeutschland rund 63.000 Menschen. Die Kapazitäten seien aber nur zu 70 Prozent ausgelastet. Unter anderem hatte der US-Konzern Dow Chemical vor einigen Monaten bekanntgegeben, dass ein Teil seiner Anlagen in Schkopau (Sachsen-Anhalt) und Böhlen (Sachsen) Ende 2027 geschlossen werden soll.
Mainz (dpa/lrs) *13:58 Uhr – Merz bei Forschungsinstitut: «Das ist die Zukunft»
Für Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ist die Arbeit des Forschungsinstituts Tron in Mainz samt der Kooperation mit der Universitätsmedizin beispielhaft. «Das ist die Zukunft unseres Landes, Spitzentechnologie, in diesem Fall im Bereich der Biotechnologie und der Biomedizin, zu erreichen und daraus Wohlstand für Deutschland zu entwickeln in den nächsten Jahren und Jahrzehnten», sagte Merz bei der zweiten Station seines Antrittsbesuchs in Rheinland-Pfalz.
Tron ist eine Ausgründung der Unimedizin Mainz, an der auch Ugur Sahin und Özlem Türeci beteiligt waren. Die beiden sind mittlerweile mit ihrem Unternehmen Biontech, das in der Pandemie mit einem Covid-Impfstoff Milliarden verdiente, sehr bekanntgeworden. Tron forscht unter anderem an Immuntherapien etwa gegen Krebs oder an RNA-Impfstoffen.
Merz sagte bei dem gemeinsamen Besuch mit Ministerpräsident Alexander Schweitzer, junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus allen Ländern der Welt müssten gewonnen werden. Wenn Unternehmen dann Erfolg hätten, bräuchten sie einen Kapitalmarkt in Europa, der sie aufnehme und sie finanziere. «Ich möchte, dass die Forschung in Europa ist», sagte Merz. «Ich möchte, dass die Finanzierung in Europa ist.»
Stand: 08.12.2025
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Der Besuch bei Tron sei für ihn spannend und ermutigend zugleich gewesen, sagte Merz weiter. «Denn Sie sehen hier etwas, was in Deutschland viele Jahre nicht so gut lief, nämlich die Zusammenarbeit zwischen den medizinischen Universitätskliniken und der Forschung.»
Schkopau/Magdeburg (dpa/sa) *04:01 Uhr – Wirtschaftsminister fordert Dow Chemical zu Kooperation auf
Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Sven Schulze (CDU) hat den US-Konzern Dow Chemical aufgefordert, an einer Lösung zur Versorgung der chemischen Industrie in Mitteldeutschland mitzuwirken. «Ich appelliere an Dow Chemical, dass sie sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung in Deutschland bewusst sind», sagte Schulze der Deutschen Presse-Agentur. «Das Unternehmen hat von uns jegliche Unterstützung über drei Jahrzehnte hinweg bekommen und jetzt brauchen wir ihre Unterstützung, gemeinsam nach Lösungen zu suchen.»
Dow Chemical hat vor einigen Monaten bekanntgegeben, dass ein Teil seiner Anlagen in Schkopau (Sachsen-Anhalt) und im sächsischen Böhlen Ende 2027 geschlossen werden soll. Der sogenannte Steamcracker in Böhlen ist eine zentrale Anlage, die aus Rohbenzin chemische Grundstoffe herstellt. Diese Anlage steht am Anfang der chemischen Wertschöpfungskette. Es wird befürchtet, dass eine Abschaltung viele angeschlossene Unternehmen in der Region in Gefahr bringen könnte.
«Bei dem Cracker geht es um Überkapazitäten im Weltmarkt. Wir sind jetzt negativ betroffen. Wenn diese Lieferkette auseinanderreißt und wir nicht alles substituieren können über Zulieferungen, führt das zu Problemen in Sachsen-Anhalt», sagte Schulze. Der Minister betont, der Austausch mit den Vertretern von Dow Chemical sei bisher konstruktiv gewesen. «Ich erlebe aber gerade, dass sich vielleicht auch aufgrund von Entscheidungen, die nicht in Europa getroffen werden, neue Ausgangsbedingungen ankündigen. Und da müssen wir jetzt gemeinsam schauen, was wir daraus machen.»
Die deutsche Chemieindustrie steht derzeit insgesamt unter erheblichem Druck. Ein zentrales Problem sind die hohen Energiekosten. Die Auslastung liegt teilweise deutlich unter den vorhandenen Kapazitäten. Zudem stehen deutsche Chemieunternehmen unter zunehmendem Konkurrenzdruck, besonders aus China.