Im ständig aktuellen Newsticker fasst die PROCESS-Redaktion das Geschehen in der Branche kompakt zusammen. Ob Chemie-, Pharma-, oder Lebensmittelindustrie, alle verfahrenstechnischen Themen werden – ebenso wie politische und wirtschaftliche Nachrichten zur Prozessindustrie – zusammengefasst.
Teterow/Schwerin (dpa/mv) *14:55 Uhr – Acht Millionen Euro aus EU-Fonds für Pharmaforschung in MV
Mecklenburg-Vorpommern setzt auf die Zukunftsbereiche Medizintechnik und Biotechnologie und unterstützt Forschungsvorhaben auf diesen Gebieten finanziell. Wie Wirtschaftsminister Wolfgang Blank (parteilos) anlässlich eines Besuches bei dem Biomedizin-Unternehmen Miltenyi Biotec in Teterow mitteilte, fördert das Land mit rund 8,2 Millionen Euro die Entwicklung einer Zell- und Gentherapie-Plattform. Das Geld stamme aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE).
Ziel sei, die automatisierte Herstellung von therapeutischen Zellen, die bei der Linderung und Heilung schwerster Krankheiten zunehmend zum Einsatz kommen, mit Hilfe einer neuen Gerätegeneration zu optimieren. Miltenyi Biotec mit Hauptsitz in Bergisch-Gladbach (Nordrhein-Westfalen) gilt als eines der führenden Unternehmen in der Zell- und Gentherapie. Das Pharmaunternehmen hatte 2002 das Werk der gescheiterten Plasma Select in Teterow übernommen und die eigene Produktion dort schrittweise ausgebaut. Von gezielt veränderten menschlichen Zellen erwarten Mediziner maßgebliche Fortschritte bei der Behandlung von Krebs oder Autoimmunkrankheiten.
Laut Blank gehören dem nun gebildeten Forschungsverbund neben Miltenyi Biotec die Rowe Med in Parchim sowie die Universität Rostock mit ihrer Universitätsmedizin an. «Das Vorhaben zeigt eindrucksvoll, wie international erfolgreiche Unternehmen und exzellente Forschungseinrichtungen aus Mecklenburg-Vorpommern gemeinsam medizinische Innovationen vorantreiben, die weit über die Landesgrenzen hinauswirken. Mit der Förderung investieren wir in neue Behandlungsmöglichkeiten für schwerwiegende Krankheiten, in die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und in hochwertige Arbeitsplätze», sagte Blank.
Die Förderung des Lands habe wesentlich dazu beigetragen, dass Miltenyi Biotec am Standort Teterow die Mitarbeiterzahl von 80 auf inzwischen rund 600 aufgestockt hat, erklärte Firmengründer Stefan Miltenyi. Vor seinem Wechsel in die Politik war Blank unter anderem Geschäftsführer der Bio Con Valley in Greifswald und bis 2024 Mitglied im Kuratorium Gesundheitswirtschaft des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Er äußerte die Hoffnung, dass sich das nun initiierte Verbundprojekt als Motor für den Aufbau eines neuen Entwicklungs- und Anwendungszentrum für personalisierte Zell- und Gentherapien in Rostock erweist.
Der polnische Mineralölkonzern Orlen plant gemeinsam mit einem Vertragspartner den Bau eines sogenannten Mini-Atomreaktors. Die Anlage solle in der Nähe von Wloclawek 170 Kilometer nordwestlich von Warschau entstehen, teilte der Konzern mit. Zur Umsetzung des Projekts hat Orlen eine gemeinsame Firma mit dem Unternehmen Synthos Green Energy gegründet. Zusammen will man einen sogenannten Small Modular Reactor (SMR) vom Typ BWRX-300 bauen, der von dem amerikanischen Unternehmen GE Vernova entwickelt wird. Geplant sei der Bau von zwei solcher Reaktoren bis 2035, hieß es in der Mitteilung.
Derzeit treiben mehrere Länder wie etwa Großbritannien, Tschechien und Polen die Entwicklung der Mini-Atomreaktoren voran. China und Russland haben erste Anlagen in Betrieb genommen. Diese kleineren, modularen Reaktoren gelten Befürwortern als Alternative zu herkömmlichen großen Atomkraftwerken und versprechen eine flexiblere und möglicherweise sicherere Energieerzeugung, nicht nur zur Stromproduktion, sondern auch zur Fernwärmeversorgung von Städten.
Die Nuklearbranche argumentiert, dass SMR einfacher zu bauen und kostengünstiger sowie effizienter sein könnten als traditionelle Großkraftwerke. Atomkraftgegner bezweifeln das und befürchten neue Risiken durch eine Vervielfachung der Anlagenzahl, was Kontrollen erschwere.
Polen hat bislang keine Atomkraftwerke. Die Regierung plant aber den massiven Einstieg in die Kernkraft, welche die umweltschädliche Kohle als Energieträger ablösen soll. Mit dem Bau des ersten herkömmlichen AKW soll 2028 in Slajszewo nordwestlich von Danzig begonnen werden, der erste Reaktorblock soll 2036 ans Netz gehen.
Samara/Krasnodar (dpa) *11:24 Uhr – Ukraine greift zwei Raffinerien in Russland an
Die Ukraine hat mit Drohnenangriffen in der Nacht zwei weitere Raffinerien in Russland getroffen: eine im südrussischen Gebiet Krasnodar, eine im Wolgagebiet Samara. Den Angriff auf die Raffinerie in der Ortschaft Afipski bestätigte der operative Stab des Gebiets Krasnodar auf Telegram. Der Brand sei am Morgen gelöscht worden, 63 Feuerwehrleute und 26 Löschfahrzeuge hätten daran mitgewirkt, hieß es. Angaben zum Ausmaß der Schäden gab es nicht. Die Anlage in Afipski steht mit einer Verarbeitungsmenge von etwa sieben Millionen Tonnen Öl und Gaskondensat pro Jahr auf Rang 21 der russischen Raffinerien.
Stand: 08.12.2025
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Fünf Plätze dahinter findet sich die Raffinerie Kuibyschew im Gebiet Samara, die in der Nacht laut Medienberichten ebenfalls getroffen und dabei schwer beschädigt wurde. Das unabhängige Internetportal «Astra» verbreitete am Morgen Videos, auf denen kilometerhohe dunkle Rauchwolken über der Fabrik zu sehen waren. Offizielle Stellen in Samara haben den Angriff bislang nicht kommentiert. Der ukrainische Generalstab übernahm für beide Angriffe die Verantwortung.
Das russische Militär meldete den Abschuss von insgesamt 102 ukrainischen Drohnen. Neben den Regionen Samara und Krasnodar wurden demnach auch das Gebiet Rostow und die bereits seit 2014 von Moskau annektierte Schwarzmeer-Halbinsel Krim angegriffen. Zu Schäden machte die Armeeführung wie üblich keine Angaben.
Die Ukraine hat in den vergangenen Wochen ihre Angriffe auf russische Treibstoffanlagen drastisch erhöht. Inzwischen sind nach Einschätzung von Branchenexperten bis zu 17 Prozent der Verarbeitungskapazitäten außer Gefecht gesetzt worden. Kiew hofft darauf, damit die Treibstoffversorgung des russischen Militärs zu torpedieren. Auswirkungen haben die Angriffe aber auch auf die russische Wirtschaft und für die Autofahrer im Land.
Bad Vilbel (dpa) *06:01 Uhr – Stada bereitet Milliarden-Börsengang im Herbst vor
Der Arzneihersteller Stada nimmt einen neuen Anlauf für einen milliardenschweren Börsengang in Frankfurt. Anders als im Frühjahr sei das Umfeld an den Finanzmärkten derzeit stabiler. Stada mit Sitz in Bad Vilbel bei Frankfurt wollte schon im April an die Börse. Die Pläne wurden aber vertagt, da die Kurse mit Trumps Zolldrohungen stark schwankten. Der Börsengang im zweiten Anlauf – für den der Oktober im Raum steht – soll nun schon in wenigen Tagen formell angekündigt werden.
Dabei könnte Stada, bekannt etwa für das Erkältungsmittel Grippostad und den Hustensaft Silomat, mit rund zehn Milliarden Euro bewertet werden. Damit wäre Stada wohl einer der größten Börsengänge in Europa in diesem Jahr und mindestens ein Kandidat für den MDax.
Im ersten Halbjahr hat Stada von wachsenden Geschäften besonders bei Spezialmedikamenten profitiert. Bei rezeptfreien Arzneien, die unter einer schwachen Erkältungssaison litten, sowie Nachahmermitteln konnte Stada dagegen wenig zulegen. Insgesamt stieg der Umsatz währungsbereinigt um sechs Prozent auf gut 2,1 Milliarden Euro und der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um fünf Prozent auf 481 Millionen Euro.
Stada war schon in den vergangenen Jahren auch dank einer Serie von Übernahmen gewachsen, hat dabei aber rund 5,7 Milliarden Euro Schulden angehäuft. Um für Investoren attraktiver zu werden, hatte das Unternehmen sein Russlandgeschäft abgespalten – es galt als Belastung für die Verkaufspläne. Bei einem Börsengang würde sich die Verschuldung von Stada nach Goldschmidts Worten etwa halbieren.