Branchenverband fordert Unterstützung Baden-Württembergs Pharmabranche fordert Schützenhilfe von Land und Bund

Redakteur: MA Alexander Stark

In Baden-Württemberg ist die Pharmabrachen im Vergleich zum Rest Deutschlands überproportional vertreten. Damit Forschung, Entwicklung und Produktion weiterhin profitabel betrieben werden können, fordert der Branchenverband Chemie.BW Unterstützung von Land und Bund.

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Gerade bei den Arbeits- und Energiekosten erwartet sich die baden-württembergische Pharmabranche Schützenhilfe vom Land.
Gerade bei den Arbeits- und Energiekosten erwartet sich die baden-württembergische Pharmabranche Schützenhilfe vom Land.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Baden-Baden (dpa/lsw) - Curevac in Tübingen, Roche in Grenzach-Wyhlen, Boehringer Ingelheim in Biberach: Nicht zuletzt in der Corona-Pandemie tauchen immer wieder Namen von Pharmaunternehmen mit Standorten in Baden-Württemberg auf. Darunter große, bekannte. Aber auch kleine Firmen wie Apogenix mischen mit: In Heidelberg arbeiten die Mitarbeiter an einem Medikament gegen Covid-19. Für Studien in Spanien, Russland und Österreich würden gerade Patienten gesucht, teilt eine Sprecherin mit. „Wegen der niedrigen Fallzahlen im Sommer 2020 stand Deutschland für die Durchführung damals nicht zur Disposition.“ Doch Apogenix bemühe sich gerade, eine Förderung für eine solche Studie vom Bundesforschungsministerium zu erhalten.

Chemie.BW-Geschäftsführer Müller sagt: „Aus unserer Sicht laufen die pharmazeutisch spezifischen Zulassungen sehr konstruktiv. Da haben wir jetzt jüngst bei den Impfstoffen gesehen, das geht sogar noch, ohne Qualitätsverlust, schneller als bisher üblich.“ Das in Baden-Württemberg landesweit zuständige Regierungspräsidium Tübingen sei hier ein sachkundiger Ansprechpartner für die Unternehmen.

Kritischer sieht der Verband Genehmigungsverfahren etwa beim Bau von Produktionsanlagen. „Hier haben unsere Pharmaunternehmen - wie viele andere Industriebetriebe im Land auch - mit teilweise extrem langen Verfahren für einfache Baugenehmigungen zu kämpfen“, sagt Müller. „Eine Verwaltung, die auf Zack ist und weiß, was die Unternehmen brauchen, könnte für eine im internationalen Wettbewerb stehende Branche Vorteile bringen. Überlange Genehmigungsverfahren sind dagegen Gift im Wettbewerb um den Pharmastandort.“

Vor diesem Hintergrund wünscht die Pharmaindustrie im Südwesten auch weitere Unterstützung vom Land beim Bund. Die Politik müsse die Rahmenbedingungen für die Entwicklung von Medikamenten verbessern, sonst nützte den Unternehmen auch viel Innovation nichts, sagte der Geschäftsführer des Branchenverbands Chemie.BW, Ralf Müller, der Deutschen Presse-Agentur in Baden-Baden. Diese Bedingungen würden wie auch hohe Arbeits- und Energiekosten auf Bundesebene gesetzt. Hier erwartet sich Müller aber Schützenhilfe durch die Landesregierung. Als Beispiel nannte er, dass etwa Genehmigungsverfahren für den Bau neuer Anlagen in Deutschland viel zu lange dauerten.

Noch sei Baden-Württemberg ein starker Pharmastandort, sagte Müller. Es werde geforscht, entwickelt, produziert und vertrieben. Aber es müsse hier auch weiterhin möglich sein, das nötige Geld zu verdienen, um diese Leistungen an einem Standort wie Deutschland zu erbringen, so Müller weiter.

Die Pharmabranche in Baden-Württemberg hat nach Verbandsangaben einen Anteil von 37 % nach Beschäftigten und Umsatz in der hiesigen Chemie- und Pharmaindustrie. Die 120 Unternehmen mit rund 40.000 Beschäftigten hätten vergangenes Jahr 15,2 Milliarden Umsatz gemacht.

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