Wachstumsstragien

Zusammenführung zu ThyssenKrupp Industrial Solutions hebt Anlagenbau auf neues Niveau

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Und das funktioniert?

Kühr: Ja, das funktioniert. Nehmen Sie die USA, wo wir momentan mit Kunden über Großprojekte, die im Zusammenhang mit dem Schiefergasboom stehen, diskutieren. Hier sind wir nicht nur bei Engineering und Procurement, sondern auch bei der Ausführung mit im Boot. Das geschieht mit Kapazitäten, die wir mittlerweile in den USA aufgebaut haben. Wir haben Mitarbeiter dort, die den Markt und seine Spielregeln kennen und einheimische Kräfte zu uns holen. Am Standort Denver zum Beispiel haben wir zuletzt eine ganze Reihe sehr erfahrener, neuer Kollegen gewinnen können. So verfügen wir jetzt vor Ort über das gesamte EPC-Know-how, von der Verfahrenstechnik über die Anlagenplanung, Rohrleitungsplanung, Bau- und Montagemanagement bis zur lokalen, US-spezifischen Auftragsabwicklung.

Bei der Mitarbeiterrekrutierung in den USA stehen Sie im Wettbewerb mit einheimischen Großanlagenbauern. Wie überzeugen Sie einen US-Ingenieur, in seinem Heimatland bei einem deutschen Unternehmen zu arbeiten?

Kühr: Wir fangen ja nicht bei Null an. Der Name ThyssenKrupp hat weltweit einen guten Ruf und wir bieten interessante Karrierewege. Mit unserem Namen verbinden viele Menschen hervorragende Technologien, Qualität und Verlässlichkeit. Insgesamt habe ich nicht den Eindruck, dass wir uns in Amerika schwer tun, Mitarbeiter zu gewinnen.

Sie haben das Stichwort Schiefergas gerade selbst genannt. Wie entwickelt sich der Markt?

Kühr: Die Stimmung ist nach wie vor positiv. Der US-Gaspreis liegt weiter deutlich unter dem Niveau, das wir etwa in Europa haben. Momentan liegt bei der Projektabwicklung der Schwerpunkt in den USA eindeutig auf dem Düngemittelgeschäft. Wir bauen dort gerade drei Anlagen zur Ammoniak- bzw. Harnstoffproduktion mit einem Auftragsvolumen von deutlich über einer Milliarde Euro und erwarten entsprechende Folgeaufträge in den USA und Kanada. Im nächsten Schritt zeichnen sich Polymerprojekte und Anlagen zur Erzeugung synthetischer Kraftstoffe, so genannter Synfuels ab. Hier verfügen wir über die notwendigen Technologien, die in Anlagen z.B. für die PP-, PO-, LDPE- oder HDPE-Produktion zum Einsatz kommen. Aber auch die Dehydrierung des Propans mit der von Uhde entwickelten Propandehydrierungs (PDH)-Technologie wird jetzt in den USA eingesetzt. Auch unser Chlor-Geschäft kann von den niedrigen Energiekosten in den USA profitieren.

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