Carbon2Chem

Wissenschaft, Industrie und Politik ziehen bei der Abgas-Chemie an einem Strang

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Es wird also noch Jahre dauern, bevor die erste Chemie-Anlage im Stahlwerk an den Schornstein angeschlossen wird, fürchten Experten. Bis dahin gibt es entsprechend viel zu tun für die insgesamt sieben Teilprojekt-Arbeitsgruppen. Egal ob bei Fragen der Systemintegration, der Wasserstoff-Elektrolyse, der nachhaltigen Produktion von Methanol, bei der Gasreinigung, höheren Alkoholen, der Polymersynthese oder der Synthese von OME als Kraftstoff-Additiv – es gibt viel zu tun. Und große Hürden zu nehmen, wie in Düsseldorf deutlich wurde.

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Plattformchemikalien sollen zum Sprungbrett werden

Eine entscheidende Rolle bei der stofflichen Nutzung industrieller Abgase sollen – neben synthetischen Kraftstoffzusätzen wie OME (Poly-Oxymethylenether) – die sogenannten Plattformchemikalien spielen – also Basis-Rohstoffe wie Methanol, an dessen Produktion eine Arbeitsgruppe unter Leitung von Akzo Nobel arbeitet. Immerhin ließen sich dabei einige bekannte Syntheseprozesse auf Syngas-Basis aufgrund der großen Ähnlichkeit der Hüttengase adaptieren, hoffen die Forscher, auch wenn Ihnen der hohe Stickstoff-Anteil im Abgas Kopfzerbrechen bereitet.

Ganz auf CO2 verlassen will sich der Spezialchemie-Konzern aus Amsterdam aber nicht: Parallel zu Carbon2Chem arbeiten die Holländer an der Syngas-Erzeugung aus Abfällen. Das Projekt Waste-to-Chemicals unter Federführung von Akzo Nobel hat 14 Partner zusammengebracht, um in den Niederlanden eine Anlage zur stofflichen Nutzung von Hausmüll zu erproben.

Auch in diesem Fall erfolgt zunächst die Konversion in eine Art Synthesegas mittels eines Verfahrens, dass die kanadische Firma Enerkem entwickelt hat. Bis 2022, hofft man, könnte eine Demonstrationsanlage in Betrieb gehen. Eine erste Produktion würde, wenn alles gut geht, bis etwa 2025 folgen, geben sich die Holländer optimistisch.

Bei höherwertigen Alkoholen – einer möglichen Syntheseroute aus CO2 an denen eine Arbeitsgruppe unter Leitung des Spezialchemiekonzerns Evonik forscht – könnte eine direkte Vermarktung sogar zu Marktverwerfungen führen, befürchten die Forscher. Entsprechend müssten diese Verbindungen direkt weiter verarbeite werden, um die relativ kleinen Märkte nicht zu überfluten. Bis dahin sei aber noch viel Arbeit in Sachen Katalysatorentwicklung zu leisten. Man konzentriere sich deshalb auf höherwertige Produkte mit einem niedrigen Wasserstoff-zu-Kohlenstoff-Verhältnis, erklärte Dr. Dorit Wolf.

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