Carbon2Chem

Wissenschaft, Industrie und Politik ziehen bei der Abgas-Chemie an einem Strang

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Doch nicht nur die Chancen, auch die Herausforderungen sind gewaltig: Wie soll das extrem reaktionsträge CO2 ermuntert werden, vielfältige chemische Bindungen einzugehen? Wie kann mit der schwankenden Zusammensetzung der Hüttengase und dem extrem hohen Stickstoff-Anteil umgegangen werden? Welche Rolle spielt der Wasserstoff in den Plänen der Forscher? Und kann die Energiewende überhaupt genug „grünen“ Strom bereitstellen, um die Vision von der nachhaltigen Schlotchemie Realität werden zu lassen?

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Denn ausgerechnet der könnte zum Bottleneck der stofflichen Abgasverwertung werden, fürchten die Experten. Für die Synthese von Methanol, höheren Alkoholen oder synthetischen Kraftstoffzusätzen werden große Mengen des Gases benötigt. Zwar besteht z.B. unbehandeltes Kokereigas aus bis zu 61 % Wasserstoff, doch reicht dieser Anteil für die vollständige stoffliche Umsetzung nicht aus.

Soll Carbon2Chem nicht auf halber Strecke die Luft ausgehen, ist zusätzlicher Wasserstoff nötig. Zwar kann dieser leicht und in großen Mengen zum Beispiel im Dampfreformer hergestellt werden – doch soll das Verfahren zur Emissionsminderung beitragen, kommt nur nachhaltiger Wasserstoff in Betracht. Das heißt, solcher der mit Elektrolyseverfahren aus „grünem“ Strom hergestellt wird.

Herausforderung Energie

Bringt also das Plastik-aus-Abgas durch die Hintertür die Renaissance der Elektrochemie? Und woher soll eigentlich all die nachhaltige Energie kommen? Immerhin benötigt die Aktivierung von 17 Millionen Tonnen CO2 satte 440 TWh elektrische Energie – eine gigantische Menge, führt man sich vor Augen, dass die Bundesregierung für 2050 mit etwa 1000 TWh installierter Leistung kalkuliert. Kommen zusätzliche Verbraucher wie durch den Ausbau der Elektromobilität hinzu, wird klar, welche Herausforderung Forschung, Industrie und Gesellschaft erwartet.

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