Suchen

Exklusiv-Interview mit Dr. Wilhelm Otten

„Wir müssen für mehr gegenseitiges Verständnis sorgen“

Seite: 3/6

Firmen zum Thema

PROCESS: Wenn es innerhalb der Namur in Deutschland und China schon unterschiedliche Identitäten gibt, wie soll dann eine wie von Ihnen propagierte weitere europäische Verzahnung mit anderen Verbänden erfolgreich umgesetzt werden?

Otten: Da versuchen wir mit unseren europäischen Nachbarverbänden WIB, Exera und EEMUA in einen intensiveren Austausch zu kommen. Wir planen im Juni eine Sitzung aller Verbände, um dort die gemeinsamen Schritte weiter voranzubringen. Bilateral haben wir das in den letzten Jahren schon immer gemacht. Jetzt aber wollen wir alle Verbände an einen Tisch holen. Auch wenn wir aufgrund der Größe in einer gewissen Führungsrolle sind, muss man da natürlich sehr vorsichtig und einfühlsam vorgehen.

PROCESS: Wäre die Gründung eines europäischen Dachverbandes nicht die logische Konsequenz?

Otten: Natürlich macht es Sinn, die Zusammenarbeit zu internationalisieren und in einer noch zu definierenden Form zu strukturieren und gemeinsame Ziele abzustimmen. Das sollte definitiv auch über die aktuelle Zusammenarbeit hinausgehen. Aber bei einem Dachverband droht immer die Identität einzelner Verbände verloren zu gehen. Klar ist: es ist dringend erforderlich, sich bei definierten Themen noch besser abzustimmen.

PROCESS: Sind diese Themen bereits formuliert?

Otten: Ja. Unser Standpunkt bei der Wireless-Standardisierung wird beispielsweise von allen genannten Verbänden gleichermaßen unterstützt. Allerdings sind die Verbände unterschiedlich strukturiert. Wenn Sie sich zum Beispiel die EEMUA anschauen, dann ist das eher eine Serviceorganisation, bei der Kunden ihre Probleme einbringen, und die EEMUA versucht, mit wenigen hauptamtlichen Mitarbeitern Lösungen dafür zu erarbeiten. Unser Ansatz dagegen ist der eines klassischen deutschen Vereins, der davon lebt, dass alle Mitglieder die Lösungen erarbeiten.

PROCESS: Wäre es nicht ebenso wichtig die Zusammenarbeit mit der ISA in den USA zu vertiefen?

Otten: Natürlich versuchen wir überall dort zu kooperieren, wo sich Ansätze für die Zusammenarbeit anbieten. Wir wollen schließlich keine Konkurrenz, sondern Kooperation. Im Übrigen schauen wir uns aktuell um, wo es weltweit noch weitere Verbände gibt, mit denen wir noch kooperieren könnten oder auch, wo es auf der Weltkarte noch völlig weiße Flecken gibt und es Sinn macht – analog zu China – eigene Namur-Aktivitäten zu platzieren. Darüber hinaus ist die Ausweitung unserer Aktivitäten auf andere prozessnahe Branchen wie beispielsweise die Foodindustrie nicht zu vernachlässigen.

(ID:31790430)