Handelsblatt-Tagung Chemie 2015

Wie muss die Chemiebranche auf die Herausforderungen der Zukunft reagieren?

Seite: 3/3

Anbieter zum Thema

Beispiel Chlor-Alkali-Elektrolyse: „Die Chlorherstellung macht drei Prozent des landesweiten Stromverbrauchs aus. Bei flächendeckender Nutzung der Sauerstoffverzehrkathodentechnik könnte der Verbrauch um  ein Prozent gesenkt werden“, rechnet Frank H. Lutz neuer Finanzchef bei Bayer Material Science vor. Und durch hocheffiziente Dämmstoffe könne man den Energiebedarf für Heizung und Klimaanlagen senken.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 49 Bildern

Die deutsche Kunststoffindustrie ist also optimistisch: Man gehe davon aus, dass sich die Energie- und Rohstoffkosten beruhigen, sagt Lutz. 38 Prozent der Unternehmen, darunter auch BMS, erwarten im ersten Halbjahr 2015 bessere Geschäftszahlen.

Europa und Amerika wollen Asien die Stirn bieten

Doch Energieeffizienz hin oder her – für das Gros der Branche spielt der Absatzmarkt Deutschland eine untergeordnete Rolle. Als Exportweltmeister erwirtschaftet die Branche 60 Prozent ihrer Umsätze im Ausland und beobachtet aus gutem Grund die erregte Diskussion um das Freihandelsabkommen TTIP mit Argusaugen. China dominiere mittlerweile die weltweite Chemieproduktion, sagt Staudigl.

Christian Stich (ABB) entwarf einen Ansatz, wie Industrie 4.0 funktionieren kann.
Christian Stich (ABB) entwarf einen Ansatz, wie Industrie 4.0 funktionieren kann.
(Bild: Anke Geipel-Kern)
Es gehe bei TTIP deshalb auch darum, eine Balance auf dem globalen Chemiemarkt zu schaffen. Nur als gemeinsamer Wirtschaftsraum seien Amerika und Europa in der Lage, den Asiaten die Stirn zu bieten. Die USA ist nicht nur der zweitgrößte Chemiemarkt sondern auch ein extrem starker Heimmarkt, dessen Volumen laut einer VCI-Studie jährlich um 3,3 Prozent wächst.

Zahlen, die auch ohne TTIP die Phantasie anregen. „Amerika ist für uns ein Wachstumsmarkt. Bis 2020 wollen wir unseren Umsatz in Amerika auf eine Milliarde Euro (527 Millionen in 2014) steigern“, sagt Dr. Matthias L. Wolfgruber. Der CEO von Altana setzt zur Umsetzung dieser Ziele neben organischem Wachstum auf eine Akquisitionsstrategie. In den letzten zehn Jahren hat er nach und nach „mit eigenen Bordmitteln“ 30 Unternehmen aufgekauft, darunter das Geschäft mit Rheologieadditiven von Rockwood.

Schiefergas und die günstigen amerikanischen Energiepreise seien dabei nicht die Treiber. Es gehe nicht um opportunistische Strohfeuer, sondern um Nachhaltigkeit, betont Wolfgruber. Er glaube an den amerikanischen Markt.

(ID:43334231)