Handelsblatt-Tagung Chemie 2015

Wie muss die Chemiebranche auf die Herausforderungen der Zukunft reagieren?

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Spezialisten haben die Nase vorm

Die Podiumsdiskussion zum Freihandelsabkommen TTIP: Linken-Abgeordnete Sarah Wagenknecht in der Höhle des Löwen. Links daneben Moderator Günther von Au (Clariant), flankiert von Willem Huisman (Dow Deutschland). Ganz außen Dr. Andrew B. Denison (Transatlantic Networks)
Die Podiumsdiskussion zum Freihandelsabkommen TTIP: Linken-Abgeordnete Sarah Wagenknecht in der Höhle des Löwen. Links daneben Moderator Günther von Au (Clariant), flankiert von Willem Huisman (Dow Deutschland). Ganz außen Dr. Andrew B. Denison (Transatlantic Networks)
(Bild: Anke Geipel-Kern)
Pharmawirkstoffe, Agrochemikalien, Feinchemikalien und Bulkchemikalien hat heute kaum ein Unternehmen im Portfolio. Ausnahmen wie BASF und Dow bestätigen die Regel, aber auch diese bauen ihre Produktpalette um, fokussieren sich verstärkt auf Feinchemikalien, um dem asiatischen und arabischen Wettbewerbern die Stirn zu bieten.

Im Gegensatz zu den Konzernen alter Prägung sind die Chemieunternehmen von heute diversifizierte Spezialisten, die schnell auf Marktanforderungen reagieren und mit volatilen Märkten zurecht kommen müssen. „Opex hat ausgedient. Die Chemie braucht neue Wege“, betont Kai Göbel, Director Prozessndustrie bei Deloitte. Die R&D-Ausgaben schrumpfen.

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Laut einer Analyse des MIT hat die Branche 2013 im Durchschnitt lediglich 1,6 Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung reinvestiert. Mit absehbaren Folgen: Der Output aus den Forschungsabteilungen befinde sich, der MIT-Analyse nach, auf einem historischen Tiefpunkt.

Innovationstrends sind ausschlaggebend

„Das Zeitalter der großen Innovationen ist vorbei“, sagt Göbel. Neue Allianzen prägen deshalb das Bild. Ein Firmenkonsortium aus Solvay, Omega, Schindler, ABB und Bayer beispielsweise hat in den letzten beiden Jahren das erste mit Photovoltaik betriebene Flugzeug entwickelt, das seinen Jungfernflug erfolgreich hinter sich gebracht hat. „Der Fokus auf den Kunden triggert den Fortschritt“, betont Wacker-CEO Staudigl.

Chemikalien herzustellen reicht also heute nicht mehr. Konzernchefs müssen die großen Innovationstrends im Auge behalten und sich daran messen lassen, wie gut sie diese in vermarktungsfähige Produkte ummünzen können. „Es geht um Mobilität, Wasser, Energie, Biotechnologie, Steigerung der Lebensqualität und Industrie 4.0,“ zählt Staudigl auf.

Energieeffizienz ist Trumpf

Eine entscheidende Stellgröße ist die Energie, und hier kann die Chemieindustrie gleich doppelt punkten: Indem sie ihre eigenen Prozesse auf Energieeffizienz trimmt und als Zulieferer für die Materialien der Zukunft. Besonders die Kunststoffbranche rechnet sich gute Chancen aus, die Energiewende durch energieeffiziente Prozesse und Produkte zu unterstützen.

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