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Trendometer 2020

Welche Themen werden die Chemiebranche im Jahr 2020 umtreiben?

| Autor/ Redakteur: Dr. Stephan Hundertmark / Alexander Stark

Auf einer Skala von 1-10: Welche Trends scheuchen die Player aus ihrer Komfortzone? Welchen „Impact“ haben sie auf die Branche? Branchenexperte Dr. Stephan Hundertmark wagt eine Prognose – im Trendometer 2020.

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Im Trendometer 2020 anaylsiert Dr. Stephan Hundertmark die wichtigsten Themen der Chemie-/Kunststoffindustrie im kommenden Jahr.
Im Trendometer 2020 anaylsiert Dr. Stephan Hundertmark die wichtigsten Themen der Chemie-/Kunststoffindustrie im kommenden Jahr.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

München – Der wirtschaftliche Abschwung hat mit einem Impact von 10 die größte Bedeutung für das nächste Jahr. Nach den vielen Boom-Jahren müssen sich Unternehmen nun für Krisenzeiten wappnen. Zwei Themenbereiche rücken damit auf der Management-Agenda nach ganz oben: der kritische Blick auf die gewachsenen Geschäftsfelder und meist auch die Restrukturierung der Organisation – für viele Führungskräfte und Unternehmer das erste Mal in ihrer Manager-Karriere. Geschäftsfelder, die in den Boomjahren noch auskömmliche Margen ermöglichten aber einer Fokussierung von Ressourcen und Konzentration in schwierigen Zeiten entgegenstehen, müssen nun auf den Prüfstand gestellt werden. Diese strategischen Diskussionen zum Geschäftsfeldportfolio sind die Königsdisziplin im Management und verbinden pointierte Analytik mit unternehmerischer Kreativität und Weitsicht. Zugleich gilt es auf der anderen Seite Komfortzonen in der Organisation sowie Reibungsverluste und Blindleistungen in Prozessen zu beseitigen, die durch die gute Konjunktur bisher überdeckt wurden. Echte Unternehmertypen sehen diese Aufgaben zur Restrukturierung von Unternehmen als Chancen zur Zukunftssicherung und zugleich zur Vermeidung von Sanierung und Insolvenz.

Geschäftsmodelle für die Kreislaufwirtschaft - Impact 9

Reduce-Reuse-Recycle , NaWaRo, End-of-Life-Design, Up- & Downcycling, Greta, … Das Buzzword-Bingo ist im vollen Gang und jeder scheint zu gewinnen, wenn er mitmacht. Das es mit dem Einschwenken auf die mediale Kakophonie und etwas „green wasching“ aber nicht getan ist, zeigen die Schwierigkeiten, wenn es darum geht, tragfähige Geschäftsmodelle in der Kreislaufwirtschaft zu etablieren. Das ohne Zweifel richtige Ziel der Kreislaufwirtschaft bedeutet für viele Unternehmen und ganze Wertschöpfungsketten nicht weniger als eine komplette Disruption. Und wie immer bieten sich darin Chancen für die Konsequenten und Risiken für die Zauderer und Verweigerer. Ebenso gilt als zweite Binsenweisheit, dass nur Strategien die Märkte und Produkte mit der eigenen Organisation und Produktion geschickt verknüpfen, langfristig ertragreich und robust sein werden. Es bleibt also spannend welche Erfolgsgeschichten 2020 geschrieben werden und es vielleicht auch als gelungene Transformation in die Medien schaffen.

Buchtipp „Heat Transfer Technique“

Das etablierte Standardwerk „Heat Transfer Technique“ vermittelt nicht nur ausführlich die Grundlagen der Wärmeträgertechnik, sondern stellt auch aktuelle Technologien und Verfahren, Vorschriften und Standards vor. Thematisch wird das Buch durch eine umfangreiche Stoffdatensammlung sowie durch eine Vielzahl an Anwendungsberichten aus der Praxis abgerundet.

Digitale Handelsplätze – die Revolution bleibt aus - Impact 7

Nach dem Flop in den Nullerjahren, bleibt auch diesmal die Revolution durch online-Handelsplätze für die Chemieindustrie erst einmal aus. Das große Versprechen von liquiden, transparenten und transaktionskostenminimalen Märkten trifft auf die harte Realität von teilweise oligopolistischen Anbieterstrukturen und seit Jahrzenten gewachsenen Handelsbeziehungen. In Europa und den etablierten globalen Märkten der Chemie- und Kunststoffindustrie gilt: „Man kennt sich“. Charme habe die Plattformen aber dennoch, v.a. in neuen Segmenten und für neue Anbieter. Letztere können sich aktuell zumindest sicher sein, dass ein Gros der Unternehmen in den Plattformen unterwegs ist und neue Mitspieler schnell Sichtbarkeit erreichen. Ob der Nutzen als Auskunftei aber dem Geschäftsmodell der Plattformbetreiber und Investoren entspricht, bleibt abzuwarten.

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