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Prozessindustrie 4.0

Wann entlässt die Revolution ihre Kinder?

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Wie bewertet die Chemie das wirtschaftliches Potenzial?

Aber wie kommt die Goldgräberstimmung in der Prozessindustrie an? Welche Hoffnungen hegt die Branche selbst? „Wir sehen in der Digitalisierung für Evonik eine Chance, unsere Wettbewerbsfähigkeit zu steigern und uns von anderen Unternehmen zu differenzieren. Aktuell bewerten wir für ausgewählte Themen und Projekte das wirtschaftliche Potenzial“, sagt Dr. Elmar Rother, einer der beiden Chemieexperten in der Diskussionsrunde.

Kollege Dr. Felix Hanisch, Leiter Prozessleittechnik bei Covestro, sieht die Situation mindestens genauso nüchtern. „Bricht man die Zahlen auf die jährlich anvisierte Effizienzsteigerung herunter, ist es das, was wir ohnehin anstreben.“ Konkret heißt das: In den nächsten drei Jahren will Covestro im Rahmen seines Effizienzprogrammes in der Instandhaltung einen zwei bis dreistelligen Millionenbetrag an Kosten einsparen. „Hier ist auch eine Industrie 4.0-Komponente enthalten. Wir arbeiten an einheitlichen Datenmodellen, um Instandhaltungsprozesse konsistenter zu machen und Datenbrüche zu vermeiden.“

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Bei Evonik beschäftigt sich neben Fachleuten aus dem Ingenieurwesen seit Anfang des Jahres auch eine neue interdisziplinäre Einheit explizit mit dem Thema Digitalisierungsstrategie. Der Spezialchemiekonzern fährt dabei mehrgleisig, erklärt Rother: „Wir betrachten neue Technologien, neue Geschäftsmodelle und deren Wirkungen auf die operativen Einheiten und Funktionsbereiche von Evonik, Industrie 4.0 auf der Produktionsebene, aber auch künftige Kundenbedürfnisse, neue Modelle der Vernetzung und neue Anforderungen an die Arbeitswelt.“

Die Strategiegruppe, der Rother als Digital Strategist angehört, hat u.a. die Aufgabe, die Themenfelder zu identifizieren und zu bewerten, die für Evonik relevant sind.

Industrie 4.0 ändert Märkte

Die Märkte verändern sich gerade mit hoher Geschwindigkeit. Klassische Wertschöpfungsketten weichen durch Industrie 4.0 auf, sowohl vertikal als auch horizontal. Strategische Partnerschaften gewinnen eine ganz neue Bedeutung und es kommen Player mit neuen, disruptiven Geschäftsmodellen dazu, die wohl so keiner der Pro­tagonisten auf dem Schirm hatte.

„Durch die Digitalisierung haben große US-amerikanische Internetplattformen eine führende Rolle erreicht. Sie managen die Kundenschnittstellen und wissen, was der Kunde sich wirklich wünscht“, gibt Rother zu bedenken.

Eine Herausforderung auch für etablierte Industrieunternehmen, die im klassischen B2B-Geschäft unterwegs sind und die neuen Möglichkeiten für sich nutzen wollen. „Digital Services, wie Cloud Services oder Digital Asset Management, werden zunehmen,“ prognostiziert Andreas Geiss, Vice Präsident Comos bei Siemens Industry Solutions.

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