VCI-Jahresbilanz Steilemann fordert politischen Wandel und warnt vor Rezession

Von MA Alexander Stark 3 min Lesedauer

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Die chemisch-pharmazeutische Industrie in Deutschland hat ihre Bilanz für das Jahr 2023 vorgelegt. Die Ergebnisse sind von einem deutlichen Rückgang geprägt. Weihnachtsstimmung will in der Branche nicht aufkommen, so VCI-Präsident Markus Steilemann, und auch die Aussichten sind ernüchternd.

VCI-Präsident Markus Steilemann stellte die Bilanz der Branche auf der Jahrespressekonferenz vor.(Bild:  VCI)
VCI-Präsident Markus Steilemann stellte die Bilanz der Branche auf der Jahrespressekonferenz vor.
(Bild: VCI)

Markus Steilemann, Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie, zog auf der Jahrespressekonferenz den Schlussstrich unter ein schwieriges Jahr, das von einer schwachen Konjunktur und strukturellen Herausforderungen geprägt war. Damit ist die Branche aber noch lange nicht über dem Berg. „Wir befinden uns mitten in einem tiefen, langen Tal. Und noch ist unklar, wie lange wir es durchschreiten müssen“, kommentierte Steilemann die Situation. Eine rasche Erholung sei nicht in Sicht. Energiepreise, Fachkräftemangel und Bürokratie sind nur einige der Punkte, die den Standort Deutschland aus Sicht des Verbandspräsidenten mittel- und langfristig gefährden.

Vor diesem Hintergrund sank die Gesamtproduktion der chemisch-pharmazeutischen Industrie den Zahlen des VCI zufolge im Vergleich zum Vorjahr um acht Prozent. Ohne Pharma betrug der Rückgang sogar elf Prozent. Die Unternehmen litten unter einem Mangel an Aufträgen, und die durchschnittliche Kapazitätsauslastung der Branche lag bei nur 77 % und damit das neunte Quartal in Folge unter der wirtschaftlich notwendigen Schwelle von 82 %.

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Besonders betroffen waren die Hersteller von anorganischen Grundstoffen, Seifen, Waschmitteln und Kosmetika, die ihre Produktion um zehn Prozent drosselten. In der Fein- und Spezialchemie betrug der Rückgang vier Prozent, während die Pharmaindustrie nach dem Impfstoffboom mit Standortproblemen zu kämpfen hatte und drei Prozent verlor.

Der Umsatz der Branche betrug rund 230 Milliarden Euro, was einem Rückgang von zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Besonders betroffen war der Inlandsumsatz mit einem Minus von 16 % auf 86 Milliarden Euro, während der Auslandsumsatz um zehn Prozent auf 144 Milliarden Euro zurückging. Sinkende Chemikalienpreise trugen ebenfalls zu diesem Umsatzrückgang bei, da die Erzeugerpreise für chemisch-pharmazeutische Produkte im Jahr 2023 im Durchschnitt etwa ein Prozent niedriger waren als im Vorjahr.

„2023 war für unsere Branche ein schlechtes Jahr. Die anfänglichen Hoffnungen auf eine Belebung der Konjunktur haben sich im Jahresverlauf in Luft aufgelöst“, meint Steilemann. Auch die Aussichten für 2024 sind verhalten, da die Branche weiterhin von einer Rezession ausgeht und nicht mit einem Anstieg der Chemieproduktion rechnet. Der VCI prognostiziert für das kommende Jahr einen Umsatzrückgang von drei Prozent.

Die anhaltend schwierige Geschäftslage übt einen erheblichen Druck auf die Unternehmensgewinne aus: Knapp 40 % der VCI-Mitglieder berichten von deutlichen Gewinnrückgängen. Rund 15 % der Unternehmen mussten bereits Verluste hinnehmen. „Je länger diese Situation anhält, desto mehr müssen wir damit rechnen, dass weitere Anlagen stillgelegt werden“, warnt Steilemann.

Um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie zu stärken und den ökologischen Umbau voranzutreiben, fordert der VCI wettbewerbsfähige Energiepreise und einen beschleunigten Umbau des Energiesystems. Zudem sollten Maßnahmen zum Bürokratieabbau, zur Beschleunigung von Genehmigungsverfahren und zur Priorisierung staatlicher Ausgaben ergriffen werden. Steilemann betonte die Notwendigkeit eines grundlegenden Politikwechsels und einer stärkeren Ausrichtung auf eine wettbewerbsfähige Wirtschaft, um den Wohlstand in Deutschland zu erhalten.

Laut einer VCI-Mitgliederumfrage wollen 70 % der Unternehmen ihre Effizienzmaßnahmen verstärken, die Hälfte der Unternehmen will ihre Innovationsanstrengungen intensivieren. Rund 30 % der Unternehmen wollen den ökologischen Umbau beschleunigen. VCI-Präsident Markus Steilemann betonte die Bereitschaft der Industrie, die Politik bei den dringend notwendigen Strukturreformen zu unterstützen und forderte eine „Offensive 2030“ für eine wettbewerbsfähige und nachhaltige Zukunft Deutschlands.

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