Site Exit Site Exit: Die Aufgabe eines Standorts muss frühzeitig geplant werden
Wenn ein Erdölunternehmen einen Raffineriestandort verlässt, erfordert dies nahezu ebenso viel Logistik und Know-how wie der Aufbau eines neuen. Für Bayernoil organisiert die Projektsteuerungs- und Ingenieurgesellschaft Arcadis das „Site Exit“ des Raffineriestandorts Ingolstadt von der Asset-Bewertung über Rückbau und Altlastensanierung bis hin zur Vermarktung der über 100 ha großen Fläche.
Anbieter zum Thema

2008 wurden die Anlagen der Ingolstädter Raffinerie von Bayernoil endgültig herunter gefahren. Nach mehr als 45 Jahren hatte das Unternehmen beschlossen, sich auf die beiden Standorte Vohburg und Neustadt a. d. Donau zu konzentrieren. Damit wurde eine Fläche von 108 ha in Ingolstadt frei. Weil Bayernoil frühzeitig mit den Überlegungen über eine sinnvolle Nachnutzung begann, konnte Arcadis bereits zwei Jahre vor der Stilllegung einen Masterplan zur Folgenutzung und den notwendigen Rückbau- und Altlasteninvestitionen erarbeiten. Übergangslos wurde auf der Grundlage des Entwicklungsszenarios mit der Vermarktung von Teilflächen, dem Rückbau der Anlagen und der Sanierung von Boden- und Grundwasserbelastungen begonnen.
Vorausschauende Strategie
Die Regel ist das nicht. Zwischen Betriebsschließung und Neunutzung der Fläche vergeht häufig viel Zeit, da für den Grundstückseigentümer sein Kerngeschäft und nicht die zukünftige Nutzung des „alten“ Geländes im Vordergrund steht. Oft wird das Grundstück so, wie es liegt und steht, auf dem Markt angeboten. Dies entspricht jedoch nicht den Anforderungen des Immobilienmarkts an die professionelle Aufbereitung einer Liegenschaft für eine zukünftige Entwicklung.
Bayernoil hingegen erkannte das Wertschöpfungspotenzial des am Stadtrand gelegenen Geländes und beauftragte Arcadis schon frühzeitig mit der Beurteilung der immobilienwirtschaftlichen Wertschöpfungspotenziale sowie der Risiko- und Kostenschätzung des Rückbaus der Raffinerieanlagen und der Sanierung von Boden- und Grundwasserbelastungen.
Aufgrund des von Arcadis empfohlenen Entwicklungsszenarios, das einen neuen Stadtteil mit Wohnen, Gewerbe, Freizeit und Sport vorsieht, entschied sich Bayernoil für die nächste Phase: die Projektentwicklung inklusive aller dafür notwendigen Maßnahmen für die Sanierung von Boden- und Grundwasserbelastungen und für den Rückbau der Raffinerieanlagen.
Natürlicher Abbau
Mit der Untersuchung aller Raffinerieanlagen und der möglichen Schadstoffbelastungen in Boden und Grundwasser hatte Arcadis bereits zwei Jahre vor der Stilllegung begonnen. Ab 2007 folgte die Eingrenzung von Schadensbereichen sowie die Untersuchung und Planung geeigneter Sanierungsmaßnahmen. Mithilfe spezieller Untersuchungen konnte nachgewiesen werden, dass die vorhandenen Boden- und Grundwasserbelastungen lokal begrenzt sind und kein belastetes Grundwasser aus dem Grundstück abfließt.
Die Untersuchungen zeigten einen wirksamen natürlichen Schadstoffabbau. In großen Bereichen kann daher „Monitored Natural Attenuation" (MNA) zur Anwendung kommen, eine wirksame und wirtschaftliche Vorgehensweise, bei welcher der Abbau der organischen Schadstoffe auf natürlichem Wege erfolgt und dabei kontinuierlich überwacht wird.
Wo die Belastungen besonders hoch sind, wird das „Pump & Treat“-Verfahren vorgeschaltet, um eine zügige Schadstoffentfrachtung des Grundwassers zu erreichen: Belastetes Grundwasser wird abgepumpt und von Schadstoffen befreit. Auf kleineren Teilflächen, die schnell einer Nachnutzung zugeführt werden sollten, veranlasste Arcadis einen Austausch des belasteten Bodens.
(ID:22495060)