Sicherheit im Luftfracht-Verkehr Sicherheitslücken im Luftfracht-Verkehr schliessen

Redakteur: Marion Henig

Trotz strenger EU-Auflagen, die eine lückenlose Kontrolle vorsehen, gibt es bei der Luftfracht immer noch erhebliche Schwachstellen. Moderne Ortungs- und Identifizierungstechnologien können diese Sicherheitslücken im Luftfracht-Verkehr schließen, wie ein Feldversuch des Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF demonstriert.

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Ein RFID-Handschuh erlaubt die sichere Dokumentation des Warenhandlings. Den Funktransponder auf dem Container liest er zuverlässig aus und sendet die Daten an das angeschlossene System. (Bild: Dirk Mahler/Fraunhofer IFF)
Ein RFID-Handschuh erlaubt die sichere Dokumentation des Warenhandlings. Den Funktransponder auf dem Container liest er zuverlässig aus und sendet die Daten an das angeschlossene System. (Bild: Dirk Mahler/Fraunhofer IFF)

Wenn andere zu Bett gehen, beginnt für die meisten DHL-Mitarbeiter am Flughafen Leipzig/Halle die Arbeit. Punkt 22 Uhr startet die Nachtschicht: Von dort an greift ein Rädchen ins andere, um einen reibungslosen Prozessablauf sicherzustellen. Jede Nacht landen und starten rund 60 Flugzeuge, zwischen null und vier Uhr etwa alle fünf Minuten eine Maschine. Dann ist Präzisionsarbeit gefragt, um die Be- und Entladung einwandfrei zu meistern: Ein Zusammenspiel aus modernen Technologien, stresserprobten Mitarbeitern und einer exzellenten Organisation. Dennoch lassen sich auch an Europas modernstem Umschlagplatz für Luftfracht nicht alle Eventualitäten ausschließen – denn 100-prozentigen Schutz gibt es dort genauso wenig wie anderswo.

Eine gemeinsame, von der World Cargo Center GmbH beauftragte Studie des International Transfer Center for Logistics (ITCL) und der TU Berlin brachte es ans Licht: Bei der Luftfracht gibt es trotz neu gefasster EU-Auflagen immer noch erhebliche Sicherheitslücken. Schwierigkeiten bereitet demnach insbesondere die Vielzahl von uneinheitlichen Vorschriften und Zertifikaten zur Luft- und Frachtsicherheit.

Während 56 Prozent der Logistikdienstleister den Mangel an lieferstufenübergreifenden Sicherheitskonzepten als das größte Sicherheitsproblem ansehen, bemängeln 61 Prozent der Verlader vor allem das fehlende Sicherheitsbewusstsein beim eigenen und Fremdpersonal. Auch technische und bauliche Aspekte spielen eine Rolle: 24 Prozent der Logistikdienstleister und 39 Prozent der Verlader halten die Überwachungstechnik in den Luftfrachtzentren für unzureichend. Noch fataler wird die Lage bei den Zutrittskontrollen zu den Frachtzentren eingeschätzt. Auch die Gebäudesicherheit und die Ladungskontrollen sehen eine Vielzahl der befragten Logistikdienstleister als unzureichend an.

Kontinuierliche Warenverfolgung

Derzeit, so Expertenmeinungen, beträgt die Transparenz auf Flughäfen rund 92 Prozent. Wenn Probleme in der Distribution auftauchen, dann meistens dort, wo ein Handling der Ware stattfindet. Hier können Waren unsachgemäß transportiert oder gelagert werden, sie befinden sich am falschen Ort oder sind nicht rechtzeitig auffindbar. Im schlimmsten Fall verschwinden sie sogar. Dabei tragen Logistikdienstleister stets die volle Verantwortung für ihre Transportgüter. Bei Verlust oder Beschädigung können Schadensersatzforderungen gegen sie geltend gemacht werden. Fehler ziehen nicht nur finanzielle Einbußen nach sich, sondern können auch zu Image- und Vertrauensverlust führen.

Um die Transparenz auf dem Vorfeld weiter zu erhöhen, setzen die Wissenschaftler am Fraunhofer IFF auf das Monitoring, also auf die durchgängige Verfolgung der Ware mit den neuesten RFID-Technologien. Sie bieten die Möglichkeit der berührungslosen Datenübertragung auf Basis elektromagnetischer Wechselfelder. Auf diesem Wege können Daten automatisch, ohne manuelles Zutun ausgelesen werden. So lassen sich Objekte identifizieren, auch wenn sie in Bewegung sind.

Die RFID-Technologie ist in der Anwendung vielseitig, jedoch gibt es keine Systemlösung, die sich für alle Bereiche eignet. Für viele Logistikanwendungen scheint ein Identifikations- oder Ortungssystem allein nicht ausreichend, da unterschiedliche Fragestellungen abgedeckt werden müssen. Wo jedes System alleine an seine Grenzen stößt, kann eine kombinierte Nutzung verschiedener Technologien sinnvoll sein. Wie sich Funktechnik in verschiedene Szenarien integrieren lässt, haben das Fraunhofer IFF und sechs weitere Partner in dem vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Projekt »GNSS-INDOOR« näher unter die Lupe genommen. Dabei haben sie verschiedene Technologien zur Ortung von Personen, Fahrzeugen und Gütern in unterschiedlichen Gebäudetypen sowie in deren direktem Umfeld intensiv untersucht und erprobt. Die Ergebnisse haben gezeigt, dass durch geschickte Kombination von Identifikations- und Ortungssystemen aktuell und detailliert auf Transport- oder Lagerprozesse geschaut werden kann und wesentlich effizienter Messpunkte zur echtzeitnahen Analyse von Prozessabläufen definiert werden können. Vergleicht man die automatisiert erstellten, detaillierten Abbilder des aktuellen Transportstatus mit der detaillierten Planvorgabe, so erhält man die gewünschten Antworten. Dadurch lassen sich schon bei geringen Abweichungen und vor dem Eintreten unwiederbringlicher Transportschäden oder Transportverzögerungen geeignete Maßnahmen zur Prozesssteuerung ableiten.

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