Handelsblatt-Jahrestagung Chemie 2014

Schiefergas – Heiland oder Hirngespinst für Deutschlands Chemieindustrie?

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Mit dieser Einschätzung steht er beileibe nicht allein, unterstreicht eine Befragung der Strategieberatung Stratley, deren Kernaussagen Managing Partner Dr. Walter Bürger-Kley in Köln präsentierte:

  • Viele Manager sehen besonders die Petrochemie und energieintensive Chemie bedroht, aber auch Teile der Spezialchemie.
  • Über 80 % erwarten eine Restrukturierung der chemischen Industrie, angefangen bei der Basis- und Petrochemie.
  • Obwohl die Notwendigkeit, auf den nordamerikanischen Schiefergasboom zu reagieren, erkannt ist, beschäftigt sich trotzdem ein Großteil der Befragten noch damit, die Auswirkungen des Schiefergases zu analysieren.
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Im Gegensatz zu mittelständischen Chemieunternehmen mit einer dünnen Finanzdecke, die nicht mit Investionen auf den amerikanischen Schiefergaszug aufspringen können, hat die BASF die Analysephase bereits hinter sich und reagiert. Dafür sprechen die Produktionserweiterungen der letzten zwei Jahren, in denen die Ameisensäure und die Methylaminherstellung in Geismar ausgebaut wurde sowie der Aus- und Umbau des Crackers in Port Arthur auf den Rohstoff Ethan. In Freeport soll in einem Joint Venture mit Yara eine Ammoniak-Anlage mit einer Jahreskapazität von 750.000 t entstehen.

Paradigmenwechsel hin zum Shalegas-basierten Propylen

Und das ist nur die Spitze des Eisbergs: „BASF wird in den nächsten fünf Jahren mehr in Amerika und Asien investieren, als in Europa“, sagt Schwager. Darunter wird wohl die bereits erwähnte milliardenschwere Methan-zu-Propylen-Anlage sein, die bisher geprüft wird und die größte BASF-Investion in eine Einzelanlage überhaupt wäre.

Wenn die Anlage kommt, und Schwager lässt keinen Zweifel zu, dass er daran glaubt, bedeutet das einen Paradigmenwechsel weg vom Naphta-basierten Propylen hin zum Shalegas-basierten – eine Entscheidung, die womöglich einem Dammbruch gleichkäme, mit weitreichenden Folgen für die europäische Basischemikalienherstellung.

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