Chlorchemie im Wandel

(R)Evolution in Sachen Chlor: Was kommt nach dem Quecksilber?

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Wie wird Chlor nachhaltig?

Die gute Nachricht: Es gibt eine Zeit nach dem Amalgam-Verfahren. Lediglich zwei Anlagen seien derzeit von der Schließung bedroht, ist man sich bei Eurochlor sicher. Zwar lässt der Neuanlagen-Bauboom auch weiter auf sich warten, doch versprechen wenigstens Umrüstung und Rückbau der alten Quecksilber-Anlagen volle Auftragsbücher.

Jetzt hat sich die Branche die Themen Sicherheit, Nachhaltigkeit und Energie auf die Agenda gesetzt. „Sicherheit ist unsere Lizenz zur Produktion“, stellte Ton Manders, der Technische Direktor der Eurochlor beim Klassentreffen der Chlorchemie klar.

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Und da gebe es noch viel zu tun, erklärte der Spezialist selbstkritisch: „Unsere Perfomance ist nicht gut genug.“ Zwar seien die Unfallzahlen leicht rückläufig, bezogen auf die Zwischenfälle pro produzierte Tonne Chlor stagnierten die Zahlen jedoch. Bis zur internationalen Chlor-Alkali-Konferenz im September soll die Branche einen Zehn-Punkte-Plan für mehr Sicherheit vorlegen, so Manders.

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Die Uhr läuft ab
Fristen für Quecksilber
  • 11.12.2017 an diesem Tag läuft die Übergangsfrist von vier Jahren ab, in der quecksilberbasierte Chlor-Elektrolyse-Anlagen in der EU weiter betrieben werden dürfen. Derzeit wurden für zwei Anlagen in Südeuropa Übergangsfristen beantragt.
  • Bis zu ein Jahr darf Quecksilber auf dem Betriebsgelände gelagert werden.
  • Fünf Jahre ist eine Lagerung entsprechend der Deponieverordnung möglich. Dabei entspricht die deutsche Regelung der EU-Quecksilberverbots-Verordnung, mit den in der EU-Quecksilber-Richtlinie konkretisierten Kriterien.
  • Um bis zu drei Jahre darf diese Frist auf Antrag verlängert werden, danach ist eine Stabilisierung und Endlagerung verpflichtend.
  • 2025 endet weltweit das Quecksilberzeitalter in der Chlorindustrie entsprechend dem Minamata-Übereinkommen, in dem dieses Jahr als verbindliche Deadline für das Amalgam-Verfahren festgeschrieben ist.

Die Stromrechnung ist (mal wieder) das Sorgenkind der Branche

Dabei lässt besonders das Dauerbrenner-Thema Energie die Branche unruhig werden: Immerhin ist die Chlorelektrolyse ein äußerst energieaufwändiges Verfahren – und dadurch in Europa unter hohem Kostendruck. Energiesparen steht also nicht nur aus Nachhaltigkeitsgründen ganz oben im Lastenheft der Anlagenbetreiber.

Die aktuellen Zahlen verpassen jedoch allzu kühnen Visionen einen Dämpfer: Seit 2015 stieg der Energieverbrauch zur Chlorerzeugung nach Jahren des Rückgangs wieder leicht an (um 1,2 % gegenüber dem Vorjahr).

Zwar liegen die aktuellen Werte immer noch ca. 3,7 % unter dem Niveau von 2011 (und fast zehn Prozent unter dem von 2001), aber der Trend zu geringeren Verbrauchswerten scheint etwa 2013 zum Stillstand gekommen zu sein. Grund dafür könnte die abnehmende Effizienz der alternden Amalgam-Anlagen sein, vermuten Fachleute.

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