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Wie sieht die beste Lösung aus?
Doch wie sollte nun eigentlich ein solches optimales integriertes Engineering-System aussehen? Fast die Hälfte der Umfrageteilnehmer befürwortet standardisierte Schnittstellenformate. Knapp 40 % bevorzugen eine Werkzeugsuite mit zentraler Datenbank, mit der alle relevanten Gewerke in einem integrierten System geplant werden. Getrennte Systeme mit ausgebauten Schnittstellen sind für 18 % der Umfrageteilnehmer eine Lösung, einen „On-Demand-Abgleich über einen Engineering-Backbone“ empfinden immerhin noch knapp 16 % als die bessere Lösung.
Auch bei Siemens hat man sich Gedanken gemacht, wie eine solche Lösung aussehen könnte. Das Unternehmen wird auf der Namur-Hauptsitzung anhand einzelner Phasen im Anlagen-Lebenszyklus zeigen, wie Informationsflüsse, basierend auf einem gemeinsamen, objektorientierten Datenmodell, enger zusammenwachsen – über Schnittstellen für den Informationsaustausch zwischen dem Computer Aided Engineering-Tool (CAE), dem Prozessleitsystem (PLS) und der Wartungsplanung bis hin zu einem lückenlosen elektronischen Workflow.
Kürzere Projektlaufzeiten
Die Integration optimiert das Prozessengineering und führt so zu kürzeren Projektlaufzeiten. Durch den automatisierten Datenabgleich erhält man stets eine aktuelle Anlagendokumentation, und bei der Instandhaltung kann auf die aktuellen und auf die „engineerten“ Daten zurückgegriffen werden. Viele der manuell zu verarbeitenden Prozessdaten werden teilweise schon heute vollständig automatisch in unterschiedliche Systeme übertragen. Gerätedaten, die bisher nur über Messstellenblätter ausgetauscht wurden, können durch webbasierte Tools mit entsprechenden Schnittstellen nicht nur in der Verfahrensplanung und im Basic Engineering, sondern auch im Einkauf für die Beschaffung genutzt werden.
Dadurch werden manuelle Eingaben vermieden, Zeit und Datenkonsistenz erhöht. Mit dem Einsatz einer optimalen CAE-Geräteplanung und einem PLS-Gerätemanagement ist der Anspruch verbunden, relevante Daten im Prozessleitsystem und Asset Management zu nutzen. Damit können sichere und vorausschauende Entscheidungen für eine höhere Anlagenverfügbarkeit getroffen werden. Die dazu notwendige vollständige Kompatibilität der Geräte wird durch den Gerätestandard FDI (Field Device Integration) erreicht.
Gespannt darf man sein, was die Anwender zu diesen Konzepten sagen – in drei Vorträgen stellen diese in Bad Neuenahr ihre Sicht der Dinge da. Oberstes Thema auch hier: der Datenaustausch, die einheitlichen Schnittstellen und Vorteile eines aktuellen Datenmodells während der Betriebsphase.
Ausblick
Angesichts der Schätzungen, dass schon in weniger als zehn Jahren mehr als 50 Milliarden Geräte miteinander vernetzt sein sollen, wird die zunehmende und gewerkeübergreifende Integration von Systemen in jeder Hinsicht eine Herausforderung. Die Vision Industrie 4.0 bleibt in diesem Zusammenhang ein wichtiges Thema. Immerhin hält die Hälfte der Umfrage-Teilnehmer ein funktionierendes integriertes Engineering-System für die Grundvoraussetzung, damit diese Vision Wirklichkeit wird. Und vielleicht ist die Zukunft schon näher als man glaubt: So halten es zwei Drittel für möglich, dass das optimale integrierte System in weniger als zehn Jahren Wirklichkeit wird.
* S. Mühlenkamp arbeitet als freie Mitarbeiterin für PROCESS.
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