Turnaround im Chemiewerk

Praxiserfahrung ist beim Turnaround das A und O

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Die Planung wird Monate im Voraus abgestimmt und in einem komplexen Projektplan festgehalten. Die Besonderheit beim Dow-Turnaround in Böhlen ist, dass alle Teile, auch Kleinstteile im Voraus geplant und bestellt werden. So entstehen keine Wartezeiten. Jeden Abend wird geprüft, ob der Plan bezüglich Sicherheit und Effektivität eingehalten wurde. Für Abweichungen muss es gute Gründe geben. Schließlich bedeutet das Projekt auch hohe Kosten für Dow. Pro Tag setzt das Werk rund 1 Mio. Euro um. Bei 50 Tagen Stillstand sind das 50 Mio. Euro Umsatz, die ausfallen. Dazu kommen die Investitionen von 42 Mio. Euro für den Turnaround und technische Innovationen, wie die schrittweise Einführung eines neuen Prozessleitsystems. Insgesamt sind das 92 Mio. Euro für den „Stillstand“.

Sicherheit steht an erster Stelle

Das Thema Sicherheit steht ganz oben auf der Agenda. Allein von der Sicherheitsfirma sind rund 100 Fachkräfte vor Ort und mehr als 2500 Sicherheitsschulungen wurden durchgeführt. 8300 Artikel für die Ausstattung der Mitarbeiter gibt es im Safety Shop. Von TÜV Süd Chemie Service sind 13 Ingenieure beim Turnaround dabei, maximal acht zugleich. Ohne sie würde das Ganze nicht stattfinden: Die Prüfungen der TÜV Süd Chemie Service haben höchste Priorität als „Legal related“, also gesetzlich gefordert. Das sind 80 % der Arbeitspakete bei diesem Turnaround. Und laut Hass die „größten Herausforderungen“. Dazu gehört unter anderem das Korrosionsmonitoring. Beispielsweise mussten in diesem Jahr aufgrund von Korrosion die Stützen von zehn Behältern ausgetauscht werden: Das waren bei zehn Behältern insgesamt 100 Behälterstützen. Für den Experten von TÜV Süd Chemie Service bedeutet das zehn Ordner mit der Dokumentation der Prüfungen für Dow.

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Maßgeblich für die Prüfungen durch TÜV Süd Chemie Service ist die Betriebssicherheitsverordnung inklusive dem Explosionsschutz, der jetzt in der Gefahrstoffverordnung geregelt ist. Das spielt beispielsweise bei Rührwerksbehältern eine Rolle. Aber auch unternehmensinterne Vorschriften sind wichtig. Das amerikanische Unternehmen legt sehr viel Wert auf Sicherheit, so dass die Anforderungen teilweise über den gesetzlichen Anforderungen liegen. Zwar ist das Herunterfahren der Anlagen wegen der anfänglich noch laufenden Produktionsprozesse am kritischsten. Die entscheidenden Wochen sind aber die drei Folgewochen, in denen TÜV Süd Chemie Service arbeiten kann. Auch hier gilt: Kein Prüfer kann beispielsweise für eine innere Prüfung in einen Behälter steigen, bevor er nicht freigemessen ist, also durch Gasmessungen der Nachweis vorliegt, dass alle Grenzwerte eingehalten werden. Deswegen wird das über Nacht beziehungsweise morgens zwischen 3 und 6 Uhr vorbereitet. Zudem muss während der Prüfungen immer ein Sicherheitsposten in Sichtweite sein.

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