So klappt es mit der Instandhaltung von Rohrbündelwärmeübertragern – Warum fallen manche Wärmetauscher aus, während andere Jahr um Jahr zuverlässig laufen? Welchen Einfluss hat die Rohrgeometrie und welche Möglichkeiten der Instandhaltung gibt es? Obwohl kaum eine Prozessanlage ohne Wärmeübertrager auskommt, sind die Apparate selber im Betrieb viel zu häufig eine Black Box. Es ginge auch anders: Wer versteht, welche Wärmetauscher warum verschmutzen und was zu tun ist, kann Geld, Energie und Reinigungsaufwände einsparen.
Produktionsrückstände, Kalk, Salz und Schwebstoffe setzen die Rohre schnell zu.
Ob Raffinerie, Rauchgasbehandlung oder Chemieanlage: Wärmetauscher zählen zu den unverzichtbaren Arbeitspferden im Anlagenbau. Doch der Dauereinsatz in der Produktion geht an die Substanz, wenn Ablagerungen, Krusten oder sogar Verblockungen und Verschlüsse die Rohre blockieren. Dabei können schon dünne Schichten von unter 0,5 Millimeter im schlimmsten Fall eine „Wärmeübertragungsminderung“ von 40 bis 90 Prozent zur Folge haben. Dadurch, kommen zahlreiche Studien zu dem Ergebnis, dass der Energiemehraufwand durch verschmutzte Wärmeübertrager für ein bis zweieinhalb Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich sein könnte. Die Mehrkosten können bei Industrieländern ein Viertelprozent des BIP ausmachen.
Dabei könnten Rohrbündelwärmeübertrager durch geeignete Instandhaltungsverfahren lange zuverlässig und leistungsfähig bleiben. Doch diese unliebsame Aufgabe wird meist Dienstleistern übertragen, in der Hoffnung, die Apparate bei den Profis in guten Händen zu wissen. Häufig existieren nicht einmal einheitliche und aussagekräftige Maßstäbe, um den Erfolg der Reinigung zu bewerten.
Denn Reinigen heißt nicht gleich Reinigen: Mittlerweile hat sich eine Vielzahl Verfahren etabliert, die eine gründliche Oberflächenbehandlung versprechen. Ob mit chemischen Mitteln, Hochdruck-Wasserstrahlen, Ultraschallbädern oder durch das Ausbohren der Rohre, jedes Verfahren hat eigene Stärken und Schwächen und muss „passend“ zur Situation des Anlagenbetreibers ausgewählt werden.
Wer Wärmetauscher reinigen will, steht vor dem Problem, dass der Apparat ausgebaut und geöffnet werden muss. Doch selbst, wenn die Rohrbündel aus dem Mantel gezogen wurden, ist die Verschmutzung keineswegs frei zugänglich. Insbesondere das Innere der Rohre ist anfällig für Blockaden. Hierfür setzen Instandhalter häufig auf eine Reinigung mit Hochdruck-Wasserstrahlen, nicht zuletzt da die meisten Dienstleister mit der Methode vertraut sind.
Mittels Hochdruck-Wasserstrahl...
(Bild: VCG/uelle: Kastner)
Laut und energiehungrig: Nachteile des Wasserstrahlverfahrens
Doch wie so oft hat die scheinbar einfache Lösung in der Praxis Tücken: Der Aufwand ist vergleichsweise hoch und der Prozess langwierig. Die Reinigung benötigt enorme Mengen an Energie und wertvollem Wasser und das Arbeiten ist durch den entstehenden Lärm sehr ungemütlich. So verbraucht Hochdruck bei Einsatz eines 480 kW/h-Motors für eine 1.000-bar-Pumpe jede Minute 256 Liter Wasser, bei einem Kraftstoffbedarf von 24 Litern pro Stunde.
Zudem ist der Umgang mit den enormen Drücken nicht ungefährlich. Aber, und das ist vielleicht das wichtigste Argument, auch der Reinigungserfolg ist, besonders bei harten Verkrustungen, nur mäßig.
Schaben, bohren, reiben: Mechanische Reinigung von Rohrbündelwärmeübertragern
Dabei geht es auch anders: Bei der mechanischen Rohrreinigung kommen Bürsten oder Schaber zum Einsatz, die zunehmend auch automatisch geführt werden. So „schießt“ die Firma Jänsch aus Köln einen wassergespülten Rundhohlbohrer mit Druckluft durch bis zu acht Meter lange Rohre. Alternativ kann eine biegsame Welle genutzt werden, um in schwer zugänglichen Innenrohren Spülwasser oder Reinigungswerkzeuge an den Einsatzort zu bringen.
...oder Mechanisch - wer hat die Nase vorn?
(Bild: VCG/uelle: Kastner)
Beim Rädler-Tube-Cleaning-Verfahren (RTC) des Österreichischen Unternehmens AC Rädler werden mit einem Spezialbohrkopf Ablagerungen schonend abgetragen und das Rohr durch eine Messingführung poliert. Durch die Passgenauigkeit verbleiben keine Restbeläge, sodass die glatten Oberflächen kaum Angriffsfläche für neue Beläge bilden. Mit RTC ist es so möglich, innerhalb von drei Minuten ein total verblocktes Rohrstück von drei Metern Länge zu reinigen und zu regenerieren, erklärt der Hersteller. Der genutzte Elektromotor braucht lediglich 5 kW pro Stunde und etwa 10 Liter Wasser in der Minute. Das Verfahren ist allerdings nicht überall etabliert, sodass entsprechende Maschinen und Spezialisten erst zur Anlage kommen müssen. Außerdem können nur gerade Innenrohre gereinigt werden, was bei den in der Chemie häufigen U-Bogen-Wärmetauschern zum Problem wird.
Ultraschall und Pyrolyse: Alternative Instandhaltungs- und Reinigungsmethoden
In solchen Fällen verspricht die Ultraschall-Reinigung Abhilfe: Dabei wird das Rohrbündel aus dem Wärmetauscher-Mantel gezogen und in ein Becken mit Reinigungsflüssigkeit getaucht. Durch Ultraschallwellen wird das Material zum Schwingen angeregt, wodurch Kavitationsblasen entstehen. Die freiwerdende Energie löst Schmutz und Rückstände von der Oberfläche. Das Verfahren ist neu und vergleichsweise aufwändig, erzielt aber auf der Rohraußenseite gute Ergebnisse.
Elektrolyse, Power-to-X und Brennstoffzelle: Das sind die Top-Themen beim Wasserstoff
Für die Ultraschall-Reninigung verblockter Rohre ist häufig eine „Öffnung“ mit Hochdrucklanzen nötig, zeigen Untersuchungen einer Raffinerie in den Niederlanden – allerdings konnten die Betreiber gegenüber „reinen“ Hochdruck über 75 Prozent Arbeit und 86 Prozent Wasser einsparen. So können trotz höherer Investments Gesamteinsparungen bis 50 Prozent erreicht werden, heißt es in dem Abschlussbericht aus Holland. Ebenfalls das Ganze Rohrbündel auf einmal reinigen kann man mit Pyrolyse-Öfen, in denen sich in einer sauerstoffarmen Atmosphäre bei etwa 450 °C organische Verschmutzungen zersetzen und als Gas oder Staub abgeschieden werden können.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Messen, aber wie? Wie gut ist die Wärmeübertragung wirklich
Je besser und vollständiger die Reinigung, desto besser der Wärmedurchgang. Wenn dieser Wert, wie reinen Wasserstrahlverfahren, kontinuierlich abnimmt, muss der Apparat in immer kürzeren Abständen gereinigt werden und bleibt trotzdem unter seinen Möglichkeiten. Die Folge: Eine vorzeitige Verschrottung.
Deswegen braucht es Kriterien, um den Verschmutzungsgrad oder Erfolg von Reinigungsverfahren bei Wärmetauschern zu messen. Letzteres ist noch vergleichsweise einfach: Man Teile den Wärmedurchgang vor und nach der Reinigung und erhält einen Kennwert für die Reinigungsqualität.
Um den Grad der Verschmutzung zu bestimmen, nutzt der Hersteller Talcyon mit Apris ein Akustikpuls-Verfahren, bei dem anhand charakteristischer Echos innerhalb von Sekunden Verschmutzungen, Blockaden oder Erosions-Schäden lokalisiert werden. Mit softwaregenauer Auswertung und kurzer Messzeit soll das Verfahren (2021 von Frost & Sullivan mit dem Best-Practice-Award ausgezeichnet) gegenüber Spektroskopie, Wirbelstromverfahren oder „invasiven“ Ultraschallmessungen die Nase vorn haben.
Einblick von Außen, Druchblick bis ganz nach Innen
Um „von außen“ eine Aussage über das Strömungsgeschehen im Rohr zu treffen, können Massestrom und Temperatur im Zu- und Ablauf gemessen werden oder Ultraschall-Sensoren als genau definierte Messtrecke auf den Rohren aufgebracht werden. Entsprechende Lösungen bietet etwa Systec Controls als „Komplettpaket“ im praktischen Kofferformat an. Allerdings: Die Fähigkeit eines Apparates, Wärme zu übertragen, kann nicht direkt gemessen werden. Daher verlässt man sich auf die Messung von Druck, Temperatur und des Massestroms, um den optimalen Zeitpunkt für Instandhaltungsmaßnahmen zu bestimmen.
Ob vorausschauend oder streng nach Plan, eines haben alle Instandhaltungsstrategien gemein: Das Ziel sollte immer das „blanke Rohr“ sein, erklärt Hans-Jürgen Kastner, Senior Consulting Ingenieur und Mitglied im Deutschen Industrie- Reinigungs-Verband. Der langjährige Industrieberater hat sich die Wärmetauscher-Instandhaltung zur Herzensangelegenheit gemacht und plädiert für einen Bewusstseinswechsel bei den Aggregaten: Da schon scheinbar kleine Verunreinigungen enorme Folgen haben, sei dem Verlust an Übertragungsleistung anders nicht beizukommen.
Da etwa 0,5 mm den Wärmeübergang um 40 bis 99,7 Prozent verschlechtern können, bringt eine oberflächliche Reinigung kaum spürbare Verbesserungen. Schlimmer noch, wenn auch nur ein feiner Schmutzfilm im Rohr verbleibt, ist der nahezu vollständige Ausfall der Wärmeübertragung schnell erreicht.
Geht es auch anders? So werden Wärmeübertrager zuverlässig alt
Der Ingenieur weiß, dass in einer typischen Industrieanlage mit zahllosen Wärmeübertragern lediglich eine kleine Anzahl zur Krusten- und Verschlussbildung neigen. Es seien diese Apparate, so Kastner, die aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten eine Überwachung auch außerhalb der turnusmäßigen Instandhaltung rechtfertigen. „Wenn es beim Betreiber an Erfahrungen mit der Wärmetauscher-Instandhaltung hapert, werden Wärmetauscher zuweilen um den Faktor zwei überdimensioniert“, weiß Kastner. Dabei wäre es viel sinnvoller, beim Engineering die Instandhaltung gleich mit einzubeziehen – schon so einfache Maßnahme wie der Verzicht auf U-Rohre erweitern die Möglichkeiten bei der Reinigung erheblich. ●
* Kontakt zu Hans-Jürgen Kastner, Umwelt Technik Marketing und DIRV: umwelt-technik-marketing@technik-B2B.com