Abwasserreinigung

Mikroplastik überfordert Kläranlagen und ruft Forscher auf den Plan

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Ob der Großteil der gefundenen Mikroplastik-Partikel allerdings tatsächlich z.B. auf Kosmetikprodukte zurückzuführen ist oder ob sie durch den Abrieb alltäglicher Gebrauchsgegenstände eingetragen werden, muss zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch offen bleiben, so der Mikrobiologe Dr. Gunnar Gerdts, der die Proben am Alfred-Wegener-Institut auf Helgoland analysierte.

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Gerdts: „Die Ergebnisse sind für uns überraschend. Das Vorkommen an Mikroplastik-Partikeln variiert sehr stark. Es besteht dringender Bedarf für weitere Untersuchungen, um eine Vergleichbarkeit herzustellen. Und das nicht nur im Abwasser von Kläranlagen, sondern auch in den Flüssen, die das Abwasser aufnehmen. Zurzeit gibt es weder valide Erkenntnisse über die Belastung deutscher Flüsse mit Mikroplastik, noch darüber, ob diffuse oder eher punktuelle Quellen wie Kläranlagen dazu beitragen“, so Gerdts.

Auch die OOWV betont, dass zusätzliche Untersuchungen nötig sind, um Aufschluss über weitere Maßnahmen zu erhalten. Denn mit der Schlussfiltration, wie sie in Oldenburg zum Einsatz kommt, fängt der Betreiber der Untersuchung zufolge zwar den größten Teil der Mikroplastik-Partikel auf – aber eben nicht alle Teilchen. Der Eintrag von Mikropartikeln müsse deshalb viel früher, schon bei der Herstellung von Produkten, vermieden werden.

Mikroplastik-Ersatz in Peelings

Eine wesentliche Quelle für den Eintrag von Mikroplastik sind Körperpflegeprodukte. Abhilfe könnte hier von Seiten der Industrie selbst kommen: Evonik Industries hat zwei neue Produkte als Ersatz für Mikroplastik in Peelings vorgestellt. Die Spezialkieselsäuren Sipernat 2200 PC (das Produkt verfügt über ca. 320 µm große Reinigungspartikel) und Sipernat 22 PC (ca. 120 µm) sollen bereits von einigen Kosmetikfirmen verwendet werden.

Die Spezialkieselsäuren ersetzen in den Peelings die bisher verwendeten mikroskopisch kleinen Polyethylen- und Polypropylen-Partikel. Beide Produkte besitzen darüber hinaus eine Mikroschwammstruktur. Durch diese Struktur gibt es neben der reinigenden Funktion einen weiteren großen Vorteil: wie ein Schwamm saugt die Kieselsäure flüssige Wirk- und Duftstoffe auf. Als Pulver lassen sich die Inhaltsstoffe leicht in die jeweilige Formulierung einarbeiten, in der sie später ihre Wirkung entfalten.

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