Biotech-Akquisition Merck auf Einkaufstour: Was hinter dem Kauf von Springworks steckt

Von Anke Geipel-Kern 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Merck kauft für drei Milliarden Euro den amerikanischen Krebsspezialisten Springworks. Alle Hintergründe der Akquisition erfahren Sie hier.

Seit 2021 ist die Ärztin Belen Garjo CEO bei Merck.(Bild:  Merck)
Seit 2021 ist die Ärztin Belen Garjo CEO bei Merck.
(Bild: Merck)

Für Merck hat die Woche mit einem Paukenschlag begonnen: Konzernchefin Belen Garjo konnte den drei Milliarden Euro-teuren Kauf des amerikanischen Tumorspezialisten /Springworks verkünden. Schon länger hatte der Konzern seine Fühler nach einer strategischen Akquisition ausgestreckt. Im Februar schließlich bestätigte der Konzern Presseberichte über fortgeschrittene Gespräche mit Springworks Therapeutics, ohne sich allzu sehr aus der Deckung zu wagen. Jetzt ist alles unter Dach und Fach und „der größte Zukauf der letzten Dekade“ soll im zweiten Halbjahr 2025 abgeschlossen sein.

Für Merck ist es nach Serono die zweite große Akquisition im Healthcare-Bereich. Zehn Milliarden Euro bezahlte der damalige CEO Karl-Ludwig Kley für das Schweizer Biotech-Unternehmen. Auch wenn der Kauf von Serono sich im Nachhinein möglicherweise als zu teuer erwies – keiner der Wirkstoffe in der Pipeline kam jemals zur Marktreife. Die Schweizer öffneten Merck die Tür in den Biopharmamarkt und brachten Expertise in der Reproduktionsmedizin nach Darmstadt.

Zwei neue Medikamente mit Umsatzpotenzial

Nun also Springworks Therapeutics, eine Abspaltung von Pfizer, als weitere Biopharma-Akquisition. Die kleine, aber feine Biotechschmiede „mit 300 talentierten Menschen„ könnte sich als echter Glücksgriff für Belen Garjo und Merck erweisen. Nach dem Aus des Multiple Sklerose Medikaments Evobrutinib zum Ende der Phase 3 hatte Merck im letzten Jahr bekannt gegeben, auch die Studien zum Krebsmedikament Xevinapant einzustellen – zwei Medikamente, in die der Konzern große Hoffnungen gesetzt hatte.

Auszug aus Mercks Onkologie-Strategie

Merck will in den kommenden Jahren mehr als 50 Prozent der Neueinführungen über externe Innovationen abdecken. Neben der Partnerschaft mit Hengrui zu M9466 ist das Unternehmen weitere Vereinbarungen eingegangen: mit Caris Life Sciences, um die Suche von Zielmolekülen zu unterstützen, die die Entdeckung und Entwicklung von First-in-class-ADCs beschleunigen könnten; mit Inspirna zu Ompenaclid, einem First-in-Class-Wirkstoff, der bei Kolorektalkarzinom untersucht wird und die Expertise des Unternehmens bei dieser Tumorart ergänzt; und mit Abbisko Therapeutics Co. Ltd. zu Pimicotinib. Zu diesem Wirkstoff wurde kürzlich die Aufnahme von Studienteilnehmern in die Phase-III-Studie bei tenosynovialem Riesenzelltumor abgeschlossen.

Um die Lücke zu füllen, die dadurch in der Late-Stage-Pipeline gerissen wurde, kommt der Neuzugang genau richtig: Zwei von der FDA zugelassene Medikamente hat Springworks im Portfolio, ein drittes befindet sich in der Klinikphase I. Dem Tumormedikament Ogsiveo (Nirogacestat) bescheinigt Peter Guenter, Mitglied der Geschäftsleitung von Merck und CEO Healthcare, Blockbusterpotenzial und auch in das zweite Therapeutikum Gomekli (Mirdametinib) zur Behandlung der Neurofibromatose bei Kindern setzt Guenter große Erwartungen. Ogsiveo wird gerade von der EMA geprüft und wohl im zweiten Halbjahr für den europäischen Markt zugelassen.

Weiteres Standbein in der USA

Springworks als Unternehmen mit Sitz in Connecticut zahlt auch auf Garjos Strategie ein, die Präsenz in Nordamerika und damit in den USA zu erhöhen, immer noch dem größten Pharmamarkt der Welt. Angesichts des Handelsstreits mit den USA, der zum Zeitpunkt der Verhandlungen in dieser Ausprägung noch nicht absehbar war, könnte sich das als strategisch klug erweisen. Zwar erklärte die Konzernchefin, Merck lasse sich von der Politik nicht in ihren M&A Entscheidungen beeinflussen. Sollte Trump jedoch seine Zollpolitik demnächst auch auf Medikamente ausweiten, könnte sich ein weiteres Standbein in den USA in Zukunft in doppelter Hinsicht auszahlen.

Die Kriegskasse bei Merck scheint jedenfalls gut gefüllt zu sein: Man finanziere die Akquisition aus dem vorhandenen Barbestand und mit neuem Fremdkapital, heißt es in der Pressemeldung. Und Garjo hält nach weiteren Gelegenheiten Ausschau, Schwerpunkt Life Science. „Wir können auch größere Transaktionen stemmen.“

(ID:50402560)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung